— 15—
87 Sou1016 uεᷣ Gυασάαα(Lys. in Eratosth. 8). Während nun die lateiniſche Sprache ſich in allen dieſen Fällen ſtrenge innerhalb der dem Sachverhalt entſprechenden Formen der ange⸗ meſſenen Zeiten des Conjunctivs zu halten pflegt(— quod vidissent,— ne appareret, — an velle’), ſteht der griechiſchen auch hier die Freiheit zu, die Feſſeln der Abhängigkeit voon ſich zu werfen, und jedesmal das zweite Satzglied auf den Standpunkt zurückzuführen, welchen die Perſonen, von denen die Rede iſt, in der urſprünglichen Gegenwart des Vor⸗ ganges einnehmen. So wie jene attiſchen Geſandten einſt berichteten: ol zoiνœa er0ouev, ſo geſtattet auch die conſtruirte Satzbildung die Beibehaltung des Modus der di⸗ recten Rede: 6"⁵deαe d rroldd oiνᷣαe eldoy: wie Pauſanias bei ſich einſt erwog: 1oτο 1romσσ, Inαςι ν os 63, ſo darf auch in der abhängigen Gliederung des Satzes geſagt werden: r0G6 2εν, Sε 1 djοs 7, und nicht minder verträgt die Frage den Indicativ des unabhängigen Satzes auch nach der Conjunction el oder mrrεοον. Ueberall gibt ſich jenes Beſtreben des griechiſchen Geiſtes zu erkennen, ſo viel wie möglich den Ein⸗ druck des Gegenwärtigen und Unmittelbaren auch in ſolchen Satztheilen feſtzuhalten, die ſich nach einer Seite hin gerade dieſer Unmittelbarkeit entäußert, und durch das Band von Con⸗ junctionen in die Abhängigkeit von einem höherſtehenden Gliede der Periode begeben haben. Charakteriſtiſch für dieſe Auffaſſung der Sache iſt es, daß ohne Zweifel am häufigſten die Con⸗ junctionen der perſönlichen Abſicht 7“., ö⸗rcg und ihr Gegenſatz ö⸗ros uh und u* auch nach voraufgehenden Präteritis des Hauptſatzes die Conjunctive oder den Indicativ Futuri feſthalten, durch welche wir am anſchaulichſten in die unmittelbare Gegenwart der beſprochenen Verhält⸗ niſſe eingeführt werden. Ein anderes beſonders auffallendes Merkmal dieſer Vermiſchung der directen und abhängigen Redeform, welche unter dem Einfluſſe der Vergegenwärtigung des Momentes vorgeht, bietet der bekannte Gebrauch der Conjunction öre dar, wenn ſie an die Spitze angeführter Reden geſtellt wird. Wenn wir häufig durch Auszeichnung im Drucke die geſprochenen Worte von dem örz abſondern, ſo iſt das zwar eine Annäherung an unſre Aus⸗ drucksweiſe, indem wir die Conjunction gleichſam zum Interpunctionszeichen herabſetzen; aber wir heben dadurch eigentlich das Charakteriſtiſche des griechiſchen Sprachgebrauchs auf, wel⸗ ches in der innigen Verſchmelzung zweier nach unſerm Gefühl durchaus unvereinbaren Satz⸗ formen beſteht.
Endlich betrachten wir noch eine andre Art der Verſchiebung in dem Verhältniß mehrerer Satzglieder zu einander als eine Folge des angenommenen Princips. Dem Sprach⸗ gebrauch der Neueren widerſtrebt unverkennbar die Stellung, welche die Partikel„al ſehr häufig im Griechiſchen in vergleichenden Relativſätzen einnimmt. Wenn bei Sophokles der Wanderer dem Oedipus, ehe er ihm den Beſcheid ertheilt, verſichert(Col. v. 52): 50 olde xdν, νπνν Ʒεπεiοε a*, ſo iſt das offenbar für uns befremdlich geſprochen; wir er⸗ warten vielmehr: 50 olòa,* σν τππἀννν εππα lναυν, und eben ſo, wo Oedipus (v. 276) den Chor anfleht: Gorre, ⁸-aετεσε ε σ☚σœσe, würden wir es natür⸗ licher finden, wenn es hieße: dmραενς 1 dvsgrijgœære, dde zœl œre. Was iſt es, was uns in der griechiſchen Wendung fremdartig berührt? Nichts andres als dieſes: das an⸗ reihende at ſchließt ſich naturgemäß dem als zweites hinzutretenden Gliede an, indem es ein


