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Am verwegenſten ſpricht ſich das Selbſtgefühl des Subjects, welches dieſer Aus⸗ drucksweiſe zu Grunde liegt, in dem bekannten Worte des Protagoras aus: 7rdντν xonudeτνων μιμοσνσ&*eοeοs, 16 ν 1εενυν ⁶ννυνιυμνς⁶ές έ⁵σαι,˙ τόν O'x bν d oux E-r¹, welches er an die Spitze einer Schrift ſtellte, der er den bezeichnenden Namen AAudeu ge⸗ geben hatte. Aber ſo ſehr auch der Keckheit und alle feſte Ueberzeugung untergrabenden Will⸗ kür dieſes Ausſpruches Plato und Ariſtoteles entgegengetreten ſind, ſo hat doch auch der letz⸗ tere, in der fruchtbaren Unterſcheidung des doppelten Ausgangspunktes unſrer Erkenntniſſe, von allgemeinen unveräußerlichen Ideen und von den ſinnlichen Wahrnehmungen aus, an einer Bezeichnung dieſes Gegenſatzes feſtgehalten, welche der letztern ein gewiſſes Vorrecht im Ver⸗ hältniß zu unſerer Perſönlichkeit einräumt: während er die letzten Gründe alles Daſeins, wie alles Erkennens die roözreoæ zs guget, das was dem Weſ en nach früher da war, nennt, führte er die Gegenſtände der ſinnlichen Auffaſſung als die rodrso Trινιμεεαα xods Judc, als das für uns früher Vorhandene und unſrer Erkenntniß Zugänglichere ein. Vergl. Ar. Analyt. post. I, 2. Metaph. V, 11. Nicht treffender konnte das Weſen des Gegenſatzes, mit dem wir uns beſchäftigen, und insbeſondere die Seite deſſelben, welcher ſich der griechiſche Geiſt vorzugsweiſe zugewandt hat, ausgedrückt werden. Ueberall entzieht ſich der ſchöpferiſche Keim, aus welchem jeder leibliche und geiſtige Organismus hervorſproßt, dem Auge des draußen ſtehenden Beſchauers: das Saatkorn und die Wurzel des Baumes, wie der Entſchluß zur ſittlichen Handlung und die Idee eines Kunſtwerkes; nur wer bis zu den innerſten Be⸗ dingungen des Daſeins, dem roöreoov zJ grgFet, einzudringen weiß, begreift das Weſen der Sache. Unſer Blick aber fällt zuerſt auf die ins Leben getretene Erſcheinung, die ſichtbar entfaltete Wirkung jener tiefer liegenden Urſachen; kein Wunder, daß die mächtige Gewalt der lebensvollen Gegenwart zuerſt einen vorherrſchenden Einfluß übt, zumal auf ein Volk von ſo fein geſtimmter und allſeitig angeregter Sinnlichkeit, wie das griechiſche.
Was in dem Ausdruck des größten Denkers ſo einfach, wie treffend als allgemeine Erfahrung hingeſtellt iſt: daß zwiſchen den uns entgegentretenden Erſcheinungen und ihrem innern Lebensprincip ein Gegenſatz des zeitlichen Verhaltens vorhanden iſt: daß, während unſre Wahrnehmung ihren Gang von außen nach innen nehmen muß, der Prozeß des Werdens ſich von innen nach außen entwickelt; das bringt uns eine weit verbreitete Rede⸗ weiſe der griechiſchen Sprache aufs lebendigſte zum Bewußtſein, indem ſie dem erſtern Wege ſich anſchließt, das o6reoov rd« dc ſo häufig dem rorsoo s guger vorangehen läßt. Ich rechne hieher zuerſt jene auffallende Neigung der griechiſchen Sprache zu dem ſo⸗ genannten Öcre0oν„r06 εov oder r01ereooy, welche im Homer am weiteſten herrſcht, aber auch in den ſpäteſten Schriftwerken nie ganz zurückgetreten iſt. Es iſt das keineswegs eine zufällige Caprice der Schriftſteller, nicht bloß ein intereſſantes Phänomen für den Aus⸗ leger, der nach Abweichungen vom Gewöhnlichen ſucht; ſondern der natürliche Ausdruck folgt der ſinnlichen Wahrnehmung, unbekümmert um das Geſetz des Werdens und der zeitlichen Folge, welches für uns Neuere gewöhnlich das beſtimmende iſt. Das einfachſte und anſchau⸗ lichſte Beiſpiel dieſes Sprachgebrauchs iſt das, daß regelmäßig in der Anordnung der Haupt⸗ kleidungsſtücke, wo ſie bei Homer erwähnt werden, die xlatya dem xir, der Mantel dem


