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in der That dieſe Bezeichnung auf den erſten Blick ſo auffallend, ſo ſehr der Oberfläche der Dinge entnommen, daß man ſie des griechiſchen Geiſtes für unwürdig erklären möchte. Allein richtig aufgefaßt enthält ſie zwar das Bekenntniß, daß unſrer Einſicht Gränzen geſteckt ſind, zugleich aber auch die Aufforderung, nicht an der Oberfläche der Dinge haften zu bleiben, ſondern mit ſelbſtändiger Kraft ihren innern Zuſammenhang zu begreifen. Bleibt dem erſten Blick und Anlauf Vieles in den Erſcheinungen der Außenwelt verborgen, nun wohl, ſo ver⸗ ſuchen wir auch unter die verdeckende Hülle hineinzudringen, und das Verborgne zum d419⁸& zu machen, an das Licht der Wahrheit zu ziehn. Dennoch fühlte die ſpätere wiſſenſchaftliche Forſchung das Bedürfniß, den realen Gehalt der Wahrheit, als des wahrhaft Seienden durch einen entſprechenden Ausdruck zu bezeichnen: und ſo erlangten die Wörter 16 ö„ und ö„rs ihre in der ſpätern Sprache weit herrſchende Geltung, ohne ganz die prägnante Kraft des alten, längſt verſchollenen ereöc wieder zu erreichen.
Auch die eigne Thätigkeit, durch welche wir den Weg der Erkenntniß betreten, wird durch die der d4 euc entſprechenden Ausdrücke des 2,r1οτμαα οαχ*) und Svrké“c treffend bezeichnet: wir treten hinan an die Dinge zum Verſtändniß, und wir fügen und ordnen ihre Merkmale und innern Verhältniſſe zum Begriffe zuſammen;—(die deutſche Sprache kommt in dieſem Stadium der griechiſchen ſehr nahe)— ſelbſt auf der niederen Stufe des flüchtigen Dafürhaltens tritt im Griechiſchen die höhere Stellung des Subjectes deutlich hervor: do*ε 1ν 1, es bietet ſich der Gegenſtand meiner Auffaſſung dar, in ſo fern doxe*“ nur das neutrale Correlat zum d6½eο9α⁸' iſt**).
dem Weſen der Dinge erhalten hat, die ohne Zweifel auch dem lateiniſchen verum und deutſchen wahr zu Grnnde liegt. Ereog iſt offenbar nichts anderes als das adject. verb. von&2 ul, was da ſein muß, was den Grund ſeiner Exiſtenz mit Nothwendigkeit in ſich trägt. Die Annahme der Grammatiker von einer einfachern Form r iſt ſicher unbegründet, ſie würde gerade den Begriff der Nothwendigkeit beſeitigen. Das homeriſche vLεꝛε„ ſteht auf derſelben Stufe mit d179 c, nur daß es mehr abſichtliche Täuſchung, als Unkenntniß ausſchließt.
*) Die im Attiſcheu feſtgehaltene ioniſche Form des Wortes ſt. àcεσ⅞* beweiſt den uralten Gebrauch, zugleich aber auch, daß das Dewu ſen der Grundbedeutung wohl in der lebendigen Rede verloren gegangen war.
**) Es iſt nicht meine Abſicht, hier eine eingehende Betrachtung über alle Seiten des pſychologiſchen Sprachgebrauchs der Griechen anzuſtellen: ich habe nur einiges Charakteriſtiſche für den vorliegen⸗ den Zweck hervorheben wollen. Eine der merkwürdigſten Erſcheinungen auf dieſem Gebiete, nicht nur für die griechiſche Sprache, ſondern für den ganzen indogermaniſchen Sprachſtamm erkenne ich darin: daß die Ausdrücke für die vollenbete Erkenntniß im Griechiſchen, Lateiniſchen und Deutſchen rirναντν gno-sco, kennden erſichtlich derſelben Wurzel, und zwar einer dem Zeugen und Werden(in Ti*voνμα,(g)nascor, erkennen) nahe verwandten, wenn nicht gemeinſamen ange⸗ hören. Iſt hier nicht wie ein Gemeingut der Menſchheit jener tiefe Gedanke in früheſter Ahndung o niedergelegt: daß die Geſetze des Werdens und des Denkens dieſelben ſind, und alles Erkennen onur ein Wiedererzeugen des Seienden iſt?


