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überträgt*). Die früheſte philoſophiſche Speculation der Griechen, von keiner dua⸗ liſtiſchen Scheidung der Körper⸗ und Geiſteswelt bei ihrem Ausgangspunkt beſtimmt, begnügt ſich auch das Weltganze zu dem Urgrunde des überall verbreiteten und befruchtenden Waſſers zurückzuführen, und auch die ſpätern Bemühungen, die Materie zu verflüchtigen und die ſchöpferiſchen und geſtaltenden Kräfte zu entdecken, bleiben doch innerhalb der Gränzen ſinn⸗ licher Wahrnehmung und Beobachtung**). Ueberall derſelbe kräftige Realismus, wie er auch das ganze bürgerliche und häusliche Leben durchdringt, überall die feſte Zuverſicht auf die eigne Exiſtenz, das Hochgefühl der innern Kraft, das friſche Ergreifen der lebensvollen Gegenwart.
Haben wir aber die Eigenthümlichkeit des griechiſchen Geiſtes ſo richtig verſtanden, ſo muß ſie auch vor allem in derjenigen Lebensäußerung hervortreten, welche mehr als alle andern der unmittelbare Ausdruck der innern Zuſtände und Erfahrungen iſt, in der Sprache. Ich werde auf den folgenden Blättern verſuchen, eine Reihe von ſprachlichen Erſcheinungen des Griechiſchen zuſammenzuſtellen, die, wie ich glaube, nur von dieſem Geſichtspunkte aus ihre richtige Erklärung erhalten. Da eine Betrachtung dieſer Art, ſo viel ich weiß, bisher nicht angeſtellt iſt, ſo darf ich für die Anordnung des noch nicht geſichteten Stoffes um Nach⸗ ſicht bitten: ich werde von lexikaliſchen, wie von grammatiſchen Eigenthümlichkeiten zu reden haben, und andere betreffen irgend eine Aeußerlichkeit des gewöhnlichen Sprachgebrauchs. Doch hoffe ich in allen das gemeinſame Merkmal nachweiſen zu können: daß die Form des Ausdrucks mehr durch die Lebhaftigkeit der perſönlichen(ſubjectiven) Auffaſſung und die energiſche Einwirkung des gegenwärtigen Moments beſtimmt und beherrſcht wird, als durch die innern Verhältniſſe der Sache und den realen Zuſammenhang der Objecte.
Es iſt wohl ſehr bezeichnend für die eigenthümliche Neigung, die wir der griechiſchen Sprache nachweiſen wollen„ daß ſie das gebräuchlichſte Wort für das Ziel der menſchlichen Erkenntniß ſelbſt, für die Wahrheit nicht aus dem Sein und Weſen der Dinge, ſondern von ihrem Verhäl tniß zu unſrer Auffaſſung entlehnt hat. Wahr iſt den Griechen das Un⸗ verhüllte, d-96(von 4119, 4αμeα und die Wahrheit, aa*ete kommt den Dingen n und Worten zu, in ſo fern ſie ſich unſerer Einſicht nicht entziehen**). Es erſcheint
„ 36 möͤchte nicht ſo nisverſranden werden, als ob ich den Griechen den Sinn für die treueſte Beob⸗
achtung der Außenwelt abſprechen wollte: es iſt bekannt genug, wie Bewundernswürdiges ſie auf
dieſem Gebiete geleiſtet haben. Aber grade die Sicherheit und Zuverſichtlichkeit ihrer Empirie auf dem ihr angehötigen Boden führte anch zu Uebergriffen auf ein ihr fremdes Gebiet.
„ Auch hier fürchte ich nicht den Einwand, daß doch auch eben die griechiſche Philoſophie die höchſten Aufgaben der Metaphyſik geſtellt und zu löſen verſucht habe. Sokrates und ſeine großen Nachfolger ſtehen in manchem Betracht ſchon dieſſeits des eigentlichen Hellenenthums, und nicht ohne Grund
ahudeten weiterſchauende Alt⸗Hellenen, wie Ariſtophanes, ſchon mit Anaxagoras und ſeinem Dua⸗ lismus den Einbruch neuer Zeiten.
12*) Gs iſt ſehr merkwürdig, daß die älteſte Sprache Homers in den Woͤrtern erεg, Eruος und Srjruνμος für wahr und wahrhaft noch die Spuren jener tiefern objectiven Auffaſſung aus


