Jahrgang 
1850
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Machen wir von dem Geſagten die Anwendung auf die uns vorliegende Frage, ſo erſcheint uns das Volk der Griechen während jenes ganzen Zeitraums, in welchem es nach allen Seiten ſeine welthiſtoriſche Beſtimmung auslebte, d. h. bis nach der Mitte des vierten Jahrhunderts vor Chr., wie kein anderes in der Geſchichte von jener Richtung des Geiſtes getragen und erfüllt, welche die den Menſcheu umgebende Welt als die Grundlage und den Stoff für die Verſchönerung, Erhöhung und Ausſchmückung der menſchlichen Exiſtenz betrachtet. Es iſt oft genug ausgeführt worden, wie ein reiner Himmel, ein mildes Klima, ein dankbarer Boden, die glückliche Lage des Landes, die den bequemſten Verkehr im Innern und nach außen begünſtigt, die reiche Ausſtattung ſeiner Bewohner mit den edelſten Gaben des Geiſtes und des Körpers die Griechen zum heitern Genuß der Gegenwart, zur harmoniſchen Aus⸗ bildung des Lebens einlud. Sie haben in vollem Maaße dieſen Beruf erfüllt. Keine Seite des Daſeins blieb ihrem empfänglichen Sinne verſchloſſen; aber keiner geſtatteten ſie einen ſo übermächtigen Einfluß, daß dadurch eine Störung des Gleichgewichts eine Hemmung der eignen vollen Lebens⸗ und Wirkenskraft herbeigeführt wäre. Nie hat ein Volk das Selbſt⸗ gefühl ſeines in ſich begründeten Werthes und Glückes mit ſolcher Unbefangenheit und Ent⸗ ſchiedenheit ausgeſprochen, wie das griechiſche in jener ſtolzen Praenibernelung der Hellenen und Barbaren.

Es iſt eine anziehende doch hier zu wen führende Aufgabe, die Aeuberungen dieſer innerſten Selbſtgewißheit auf allen Gebieten ihres Lebens zu beobachten. Wir begnügen uns auf einige Hauptpunkte hinzudeuten, um uns der einen Seite, der Sprache in näher ein⸗ gehender Betrachtung zuzuwenden. Das religiöſe Bewußtſein der Griechen, ſo mächtig tief⸗ ſinnige Ahndungen aus urälteſter Zeit zu uns heruberklingen, und ſo wenig dieſer dunkle Hintergrund je völlig von der bunten Mannichfaltigkeit der Göttergeſtalten bedeckt wurde, be⸗ friedigt ſich in der eigentlich helleniſchen Welt mit jener reichen und geiſtvollen Mythenbildung, welche die Räthſel des phyſiſchen und ſittlichen Lebens, ſtatt ſie zu löſen, in einen leicht faß⸗ lichen Ausdruck kleidet, und durch die Einführung des Bildes der menſchlichen Geſtalt mehr der Phantaſie ein anmuthiges Spiel, als dem ſinnenden Verſtande eine ſchwierige Aufgabe zuweiſt. Und wie kühn und glücklich bemächtigte ſich Poeſie und bildende Kunſt dieſes Stoffes! Was von Anſchauungen durch die Ueberlieferung des Mythus in der Vorſtellung des Volkes Gemeingut geworden war, gewann in der frei umgeſtaltenden Hand des Dichters und Künſtlers eine neue Bedeutung. Verdunkelte ſich auch der urſprüngliche Sinn der Sagen in der dichteriſchen Behandlung, ſo wurden ſie um ſo viel anziehender und erfreulicher durch die ernſte oder heitere Haltung und Wendung, die eine edle Perſönlichkeit ihnen verlieh. Aber je weiter ſich die mythologiſche Auffaſſung durch die freie Beweglichkeit des griechiſchen Geiſtes von dem Verſtändniß der zu Grunde liegenden Probleme entfernte, deſto weniger konnte der denkende Geiſt ſich der ſelbſtändigen Beantwortung der Fragen nach der Entſtehung und den Daſeinsgeſetzen der Welt entziehen. Die Verſuche dazu, kühn und großartig wie ſie noch immer unſre Bewunderung erregen, tragen zugleich das Gepräge jener Geiſtesrichtung an ſich, welche die letzten Gränzen und Beſtimmungen der Betrachtung aus ſich ſellſt vuf d di Dinge

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