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der Philoſophie, wie die Volksweisheit des Sprüchworts haben von jeher der innern Unſicher⸗ heit, in welche uns das volle Bewußtſein unſrer ſchwankenden Zuſtände verſetzen müßte, von außen kräftigende Stützen zu gewähren verſucht. Wahre und dauernde Beruhigung iſt nur in dem religiöſen Glauben zu finden, welcher unſre Einzelexiſtenz als ein Glied in Gottes hei⸗ liger Ordnung und unſre Beſchränktheit als das Erbtheil des irdiſchen Daſeins erſcheinen läßt.
Uns kommt es für unſern gegenwärtigen Zweck hauptſächlich darauf an, eine eigen⸗ thümliche Erſcheinung innerhalb der Wirkungen dieſes Gegenſatzes hervorzuheben, die uns zu unſerm Ausgangspunkt zurückführen wird. Je weniger das Subject ſich von dem Drange beunruhigt fühlt, den großen Zuſammenhang und die innern Geſetze der umgebenden Welt vollſtändig zu überſchauen und zu durchdringen, je weniger es daher im Verkehr mit derſelben die hemmenden Schranken ungelöſter Räthſel empfindet, um ſo mehr werden ſich alle Kräfte ſeiner Perſönlichkeit zu energiſcher Wirkung nach außen zuſammenfaſſen, und ſeine Handlungen und Hervorbringungen werden um ſo mehr von jener Sicherheit und Klarheit zeugen, die wir mit dem ſcholaſtiſchen Ausdruck der Objectivität zu belegen gewohnt ſind; mit andern Worten: die höhere Selbſtgewißheit und Zuverſicht der Subjectivität, die ſich innerhalb der ſelbſtgezogenen Gränzen beruhigt und die lebendigen Kräfte des Geiſtes lieber zu eingrei⸗ fender Wirkſamleit, als zu grübelnder Vertiefung verwendet, iſt die Wurzel jener friſchen und lebenskräftigen Objectivität, die uns in ihren Leiſtungen wieder erfriſcht und erfreut. Sie beweiſt zwar nicht die vollendete Herrſchaft über das Object, wohl aber die entſchloſſene Sammlung der ſubjectiven Kraſte, die geſteigerte Energie der Perſönlichkeit. Und umgekehrt: je mehr das Subject ſich dem unüberſehbaren Zuſammenhang der objectiven Welt und ihrer Geſetze untergeordnet und gleichſam mit ihnen verſtrickt fühlt, und im Denken und For⸗ ſchen dieſelbe zu durchdringen und ihrer Herr zu werden bemüht iſt; deſto mehr theilt ſich auch ſeiner geſammten Lebensäußerung in Wort und Handlung das Merkmal dieſes perſön⸗ lichen Ringens und Strebens mit; der Charakter des Subjectiven, wie wir es nennen, der Abhängigkeit von dem jedesmaligen Standpunkt des Individuums, iſt die nothwendige Folge ſeines rückſichtsloſen Hingebens an das Object, welches völlig zu bewältigen keiner menſchlichen Kraft gegeben iſt.
Es iſt hier nicht der Ort, ein Urtheil über den Werth und Vorzug der einen oder der andern dieſer Geiſtesrichtungen zu fällen: jede hat nach dem Maaßſtabe individueller Be⸗ gabung, welche das Höchſte nicht zu erreichen vermag, ihre Berechtigung, und es ergibt ſich leicht, welche Seite des geiſtigen Lebens bei dem Uebergewicht der einen oder der andern vorzugsweiſe auf Förderung und Ausbildung zu rechnen hat: wie die künſtleriſche Hervor⸗ bringung glücklicher unter dem Einfluß ungehemmter Geiſtesfreiheit gedeihen, wiſſenſchaftliche Forſchung kräftiger unter dem Antriebe nie raſtender Sehnſucht nach dem Verſtändniß der umgebenden Welt ſich entwickeln wird, während das ſittliche Handeln und die Theilnahme am Staatsleben in dem einen oder dem andern Falle mehr den Charakter in ſich abgeſchloſſener Sicherheit und Feſtigkeit oder ſchonungsvoller Beachtung aller in Betracht kommenden Ver⸗
hältniſſe annimmt.. 1


