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Suchen wir ohne den Anſpruch auf eine vollſtändige Löſung etwas näher an dieſe Frage hinanzutreten. Alle menſchliche Thätigkeit, die einen geiſtigen Gehalt in ſich trägt, be⸗ wegt ſich zwiſchen dem doppelten Streben, die Außenwelt zu ſich heranzuziehen, durch Erkennt⸗ niß in ſich aufzunehmen, oder in das Beſtehende ſelbſtthätig und wirkſam einzugreifen, welches letztere in der dreifachen Weiſe des Ausbaues der Wiſſenſchaft, des ſittlichen Handelns, ſei es im öffentlichen, ſei es im Privatleben, und der künſtleriſchen Hervorbringung und Dar⸗ ſtellung geſchieht. Die Bildungsſtuſe jedes Einzelnen, wie ganzer Völker hängt allemal ſo⸗ wohl von der Entwickelung der einen oder der andern dieſer beiden Hauptrichtungen der menſchlichen Thätigkeit, als beſonders von dem Verhältniſſe ab, welches beide Richtungen zu einander gewonnen haben. Wollten wir das auf Erden unerreichbare Ideal der höchſten Geiſtesbildung ausſprechen, ſo würden wir es bezeichnen als die innigſte Verbindung unbe⸗ ſchränkter Erkenntniß alles Seienden, des Geiſtigen wie des Materiellen, mit der vollendetſten Fähigkeit, das Erkannte in lichtvoller Ordnung zur Anſchauung zu bringen, in dem Bewußt⸗ ſein höchſter Einſicht mit nie geſtörter Sicherheit unter allen Umſtänden das Rechte und Heil⸗ ſame zu thun, ſo wie endlich im Anſchauen der ewigen Geſetze der Weltordnung nach dem Maaße der Einzelkraft harmoniſche Kunſtwerke hervorzubringen. Die Andeutung eines ſo weit jenſeits aller irdiſchen Schranken liegenden Zieles hat keinen andern Werth, als daß ſie uns recht klar und lebendig vor Augen ſtellt, wie unendlich groß der Spielraum menſchlicher Bildungsbeſtrebungen im Ganzen wie im Einzelnen dieſſeits jener höchſten Entwicklungsſtufe iſt, und wie mannichfaltig die verſchiedenen Standpunkte, die durch dieſelben zu erreichen ſind, ſein können, ohne einen Anſpruch auf unbedingten Vorzug vor andern zu begründen.
So verſchiedenartig demgemäß der Bildungsgrad der Einzelnen wie der Völker ſich geſtalten kann, ſo iſt doch überall von dem entſcheidendſten und durchgreifendſten Einfluß das gegenſeitige Verhältniß zwiſchen den beiden Hauptfactoren aller Bildung, den forſchenden und erkennenden Kräften einerſeits, und den wirkenden und geſtaltenden andrerſeits. Man ſtellt wohl häufig als nothwendige Forderung für einen glücklichen Bildungsgang des Einzelnen ein harmoniſches Gleichgewicht zwiſchen beiden auf. Allein ſtreng genommen kann eine ſolche For⸗ derung mit Recht erſt an jene höchſte, auf Erden unerreichbare Bildungsſtufe gerichtet werden: denn nur die vollſtändige Einſicht in alle Bedingungen des Lebens vermag eine vollkommen ſichere Richtſchnur für jede Art wirkſamer Thätigkeit zu gewähren. Jede untergeordnete Stufe d. h. jede, auf der zu irgend einer Zeit auch der begabteſte Menſch und die begünſtigteſte Nation ſich befindet, muß nothwendig bei dem Bewußtſein mangelhafter Erkenntniß auch das Gefühl unzureichender Beſtimmungsgründe für die Entſchließungen im Wirken und Handeln er⸗ zeugen. Da entſteht denn die Frage, ob wir uns mehr gedrungen fühlen, auf dem Wege theoretiſcher Erforſchung zur Erweiterung unſerer Einſicht weiterzuſtreben, oder auch bei man⸗ gelhafter Erkenntniß mit friſchem Muth ins Leben einzugreifen, und auf dem praktiſchen Wege thatkräftigen Handelns einen vorläufigen Abſchluß mit unſern Zweifeln und Bedenken zu ſuchen. Alles was wir unter den Gegenſätzen der Theorie und Praxis, der Speculation und Empirie, des beſchaulichen und thätigen Lebens zu begreifen pflegen, liegt auf dieſem Gebiete des geiſtigen Daſeins. Die Geſetze des Staates wie der Kirche, der kategoriſche Imperativ
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