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täglichen Aufgaben ist in gemeinsamer Berathung eine Norm aufgestellt worden, an welche sich jeder einzelne Lehrer zu binden hat. Es ist dadurch einerseits einer Ue- berlastung vorgebeugt, andererseits für die Vorbereitung auf den Unterricht und eine hinreichende Beschäftigung in den Freistunden gesorgt. Zur Ausführung bedürfen wir freilich der Unterstützung des Hauses; wo auf Einhaltung einer bestimmten Arbeitszeit nach Anweisung des Ordinarius nicht gehalten wird, bringen die Schüler hastig hingeworfene Arbeiten, wiederholen, wenn das mässige Pensum abgefragt wird und auch der gering begabte, aber zum Fleiss gewöhnte Mitschüler sich zur Antwort drängt, die bekannte Versicherung,„es gelernt zu haben“ und blei- ben schliesslich zurück. Arreststrafen sind zwar bei solchen Schülern unvermeidlich; der Lehrer muss den Lässigen warnen, den in der Trägheit Verharrenden strafen. Aber diese Strafe ist bald verschmerzt, wo der Gestrafte sofort ohne Scheu und Be- schämung vor die Eltern treten kann, als wäre nichts geschehen. Es gibt doch Grund zum Nachdenken, wenn ein Tadel, eine Strafe einzelne Schüler sofort bessert, während andere auch wiederholte und geschärfte leichtsinnig gleichsam abschütteln! Kann bei diesen das Zeugniss erfreulich ausfallen? Kann erwartet werden, dass das Klassen- ziel erreicht werde? Ob ein Schüler zum Aufrücken in die nächste Klasse reif sei, darüber können aufmerksame Eltern auf Grund der vierteljährigen Zeugnisse und der Urtheile der Lehrer über die schriftlichen Arbeiten hinreichend sich unterrichten, um durch das am Jahresschluss erfolgende Urtheil der Lehrer nicht überrascht zu sein. Dies Urtheil besagt nichts Anderes, als dass der betreffende Schüler mit Nutzen die folgende Klasse besuchen könne, oder dass er noch weiterer Vorbereitung dazu be- dürfe. Wenn ein Schüler durch andauernde Trägheit oder durch geringere Begabung — auch längeres Erkranken kann Ursache sein— weit hinter seinen Mitschülern zu- rückgeblieben ist, so kann doch gewiss nicht erwartet werden, dass er die schwerere Aufgabe lösen werde, zugleich das Versäumte nachzuholen und Neues hinzuzulernen. Er muss also in derselben Klasse gelassen werden, und kann nun, seinen Kräften ge- mäss beschäftigt, nicht nur mit besserem Erfolg arbeiten, sondern wird auch vor der demoralisirenden Entmuthigung bewahrt, welche ein tägliches fruchtloses Bemühen zur Folge haben muss. Möge dies, wo das Resultat des Jahres nicht nach Wunsch aus- fällt, stets erwogen werden!


