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kündet batte, der echte Ring vermutlich ging verloren. Wir glauben doch alle an den einen Gott, warum befolgten wir ſeine Gebote ſo ſchlecht und liebten einander nicht, wie er es will, ſondern standen mißtrauisch einer neben dem andern? Pbarisäergeist war zu vielen eigen, den hat aber der größte unter allen Menſchen, die je gelebt baben, genug verdammt— web uns, daß wir dieſes Verdammungsurteil ſo wenig hören wollten. Das alles war der Einbeit unſeres Volkes im Wege. Und noch andere Zeichen wieſen auf die Gefahr bin, die uns drohte. Sie waren in der Kunst und der künſtleriſchen Betätigung und der Kunſtempfänglichkeit zu ſeben. Ernſte Kunſt, die der Seele Erbebung bieten ſoll, fand nur einen kleinen Kreis von Hnbängern. Wie viele Zugeſtändniſſe mußten die Kunſtpflegeſtätten machen, um nur beſteben zu können. Schwere Koſt lehnten die Maſſen faſt vollſtändig ab. Das Haſten nach Gewinn, das wir den Engländern, den Hmerikanern abgelernt, die Freude an Frivolitäten, die wir von unſern weſtlichen Nachbarn angenommen, ſie übten ibre Wirkung aus. Erbolung in ernſter Kunſt zu ſuchen, ein gutes Buch zu leſen, eine ernſte Dichtung, die Hufmerkſamkeit vom Hörer fordert, wenn er zum Genuß kommen will, ein klaſſi⸗ ſches Konzert zu bören und zu genießen, das hatten viele Kreiſe völlig verlernt. Wieviel hatten ſie mit der Fäbighkeit, ernſte Kunſt zu verſteben, aber eingebüßt, wie war ihr Seelenleben verflacht, wie war ihr Geiſtesleben arm geworden. Da kamen das Kino und Sberlock Holmes und traten das Erbe der Kunſt an. Ner⸗ ven aufpeitſchende, gedankenarme, ja gedankenloſe Unmöglichkeiten mit frechen Gemeinhbeiten gemiſcht waren die Unterhaltung der Maſſen und leider auch zu oft der Jugend. Huch die Frauenmode ging in den letzten Jahren, von Paris beeinflußt, Wege, die einem nicht gefallen konnten, und wir müſſen zur Ebre der meiſten deutſchen Frauen annehmen, daß ſie ſich nicht bewußt waren, was ſie trugen. Hllerdings, die Witzblätter ſchwangen hart genug die Geißel, aber die Sklaverei der Mode übte zu ſtarken Drudt. Eine ſchwere Brbeit batte eingeſetzt, um bei allen dieſen Schäden Kbbilfe zu ſchaffen, aber nur langſam ging es vor⸗ wärts, zu viel war ſchon verloren und vom ſchlimmen Feind erobert. Da kam der Krieg und mit ihm die ſchreckliche Zeit, in der wir leben. Keinem kam er erwünſcht, aber es waren doch auch nicht wenige, die ſagten, es mußte kommen, die bofften, noch ſei unſre Volkskraft ſtark genug, daß wir die große Prüfung, die uns auferlegt wurde, ertragen könnten. Nun, unſer Volk hat dieſe Prüfung beſtanden. Verſtummt war aller Parteihader, mit ſeinem Kaiſer erbob ſich ein einig Volk. Die Welt jenſeits der deutſchen Grenzpfähble hat ſich in dieſer Hin⸗ ſicht ſchwer getäuſcht. Noch lebt der Geiſt von 1813 in unſerem Volk, Führer und Geführte ſind eins, und der furor teutonicus, die deutſche Kriegswut, die die Beberrſcher der alten Welt, die Römer, ſo ſehr in Schrecken verſetzte, brach los. Zu dieſem furor kam aber eins dazu, was uns den Feinden überlegen machen muß. Es iſt nicht mehr die blinde Mut, die in Kampfestreudigkeit losbricht gegen den Feind, es iſt vielmehr eine auf ſittlicher Grundlage erwachſene Wut, die der ſittlichen Entrüſtung. Nun waren die Masken gefallen und die Kniffe der Diplomaten durchſchaut. Was ſo viele nicht ſehen wollten, in blendender Klarbeit ſtand es vor uns. Hber es war kein Bild, das ſchön zu ſchauen war. Haß und Neid ringsum, gemeine Niedertracht bei denen, die wir gleich uns als Kulturnationen einſchätzten. Jetzt muß es ſich zeigen, wie hoch an ſittlicher Kraft das deutſche Volk über den andern Völkern ſtebt, denn nur das Volk bat die Berechtigung, im Vorkampf um die Förderung der höchſten Güter der Menſch⸗ beit zu ſtehen und den andern ein Führer zu werden, das geſund an Leib und Seele über die übrigen Meiſter zu werden im Stande iſt. Wir werden ſiegen, wir werden ſie niederringen, die uns überfallen wollten, die dem Reich, dem mächtigſten des Erdteils, den Garaus machen wollten, die Überzeugung dürfen wir haben, denn die draußen für uns kämpfen, ſind durchdrungen von der bohen Hufgabe, die ſie zu löſen baben. Sie wiſſen, wieviel auf dem Spiele ſtebt, und daß die Opfer, die gebracht worden ſind und noch gebracht werden müſſen,


