Jahrgang 
1915
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Der Krieg ein Erzieher.

fFestansprache, gehaſten am Geburtstag Sr. Rgl. Hoheit des Großherzogs(25. November 1914)

von Direktor Foermes.

Wir erleben eine ſchreckliche Zeit, das iſt die Empfindung, die jetzt viele beherrſcht. Und müſſen wir nicht alle ſo empfinden, müſſen wir nicht alle vor den Schrecken der Zeit zittern und uns um das Ende bangen? Wie viele Familien ſind ſchon in tiefe Trauer verſetzt. Wie viele Eltern baben Söbne hbin- geben müſſen, wie viele Frauen ihren Mann, wie viele Kinder ihren Vater, wie viele Bräute ihren Bräutigam. Ströme von Tränen ſind ſchon gefloſſen, und wie viele Opfer wird es noch koſten, wie viele Tränen werden noch fließen, denn das Ende iſt noch gar nicht abzuſeben. Wie viele Hoffnungen ſind ſchon ins Grab geſunken und wie viele werden noch zu Grabe getragen werden müſſen. Soll einem da nicht bange werden, muß man da nicht verzagen? Und weiter. Tauſende von Familien ſind in Sorgen um ein liebes Glied, das draußen vor dem Feinde ſteht und von Gefahren ohne Zahl umlauert wird, oder die Leiden, die einer ihrer Lieben im Lazarett zu erdulden bat, machen ihnen ſchlafloſe Nächte. Und wie warten ſie alle auf Nachricht von den Husgezogenen, und wenn eine gute Nachricht dann endlich kommt, iſt ſie ſchon Tage alt und gibt nur halbe Beruhigung. Wieder andere, und deren Zahl iſt auch nicht klein, haben durch den Krieg ihre Exiſtenz verloren oder ſeben dieſe doch ſchwer bedroht, von den Bewohnern der Grenzgebiete ganz zu ſchweigen, deren Heim und Herd zerſtört liegen, die flüchten mußten und ſich nun immerwährend fragen: Wirſt du deine Heimat überbaupt wiederfinden und wenn ſchon, in welchem Zuſtand? Muß einem da nicht bange werden? Und dann die Nach- richten aus den vom Kriege getroffenen Gegenden, aus Belgien, aus Oſtpreußen, die uns von ſolchen Taten erzählen, daß man ſich fragen muß: Sind die, die ſo bandeln, überhaupt noch Menſchen zu nennen? Dazu die Qual der Unge⸗ wißbeit; ſeit Wochen ſind keine entſcheidenden Schläge gefallen, alle Berichte der Oberſten Heeresleitung sprechen nur von langſamem Fortſchreiten, ja ſie teilen uns öfters ſogar mit, daß unſere Truppen aus ſtrategiſchen Gründen da und dort zurückgenommen werden mußten, und wenn dann die Nachrichten aus den feindlichen Hauptquartieren kommen, lauten dieſe ſo ganz anders: bier baben die Verbündeten im Weſten Erfolge errungen, da wiſſen die Ruſſen von einem Siege über unfre Truppen zu melden. Hätte man nicht die klarſten Beweiſe, daß unſere Feinde in Lügenmeldungen Meiſter ſind dem Mutigſten müßte der Mut entfallen. Kann man ſich da über die Kleinmütigen wundern, die immer ängſtlich fragen: Was verſchweigt man uns klles, oder wieviel beſchönigt man in den Berichten? Darf einem da nicht bange werden, zumal unſere Nerven durch die Spannung des Wartens und der Unſicherbeit gefoltert ſind?

Es iſt richtig, alles trifft uns doppelt ſchwer, da uns der Krieg überraſchend kam. Wer hat überhaupt noch mit der NMöglichkeit eines Krieges gerechnet? Kaum einer. Denn wir waren uns des Kulturwidrigen eines Krieges zu klar bewußt. Wir empfanden zu viel als Kulturvolk und überſchätzten unſre Nach- barn, wir beurteilten ſie nach uns ſo iſt es dem deutſchen Michel gar manches Mal ergangen, daß er ſeine Ebrlichkeit und Gewiſſenhaftigkeit den verſchlagenen