— 11—
6. Sonstige Veranstaltungen. Der Handfertigkeitsunterricht unsrer Schülerwerkstätte stand auch im abgelaufenen Winter unter der bewährten Leitung der Herren Kammerrat Bröckel- mann und Professor Franx, denen wir für ihre selbstlose und unermüdliche Tätigkeit zu herzlichem Dank verpflichtet sind. Der Unterricht begann am 29. Oktober und dauerte bis zum 20. März. Die Zahl der Teilnehmer betrug bis Weihnachten 27, so daß wiederum in zwei Abteilungen gearbeitet werden mußte, von denen jede an zwei Wochentagen je zwei Stunden beschäftigt wurde. Nach Weihnachten war die Beteiligung wieder wesentlich geringer. Die Naturholzarbeiten traten dies- mal zurick, während Buchbinderei gerne betrieben wurde. Im übrigen waren die Arten der Be- schäftigung die gleichen wie in den Vorjahren. Eine vor Weihnachten veranstaltete Ausstellung der gefertigten Arbeiten gewährte ein erfreuliches Bild des Geleisteten.
Am 18. April 1913 besuchte ein Teil unsrer Schüler unter der Führung der Herren Pfarrer Volp, Professor Buxmann und Oberlehrer Wassem die in den Räumen der alten Klinik in Gießen veran- staltete völkerkundliche Ausstellung. Herr Professor Baæmann führte mehrfach eine An- zahl Schüler in Schülervorstellungen des Gießener Stadttheaters, so am 25. Oktober in Kleists „Hermannsschlacht“, am 29. November in Schillers„Wilhelm Tell“ und am 28. Februar in Goethes
Egmont“.
3 2 7. Schüler-Vereine. Der Pflege der Stenographie widmeten sich ein Stenographenverein nach Gabelsberger mit acht und ein solcher nach Stolze-Schrey mit elf Mitgliedern. Beide hielten UÜbungskurse ab, die von älteren Schülern geleitet wurden. Dem Schüler-Orchester, das von dem Obersekundaner Adolf Wieber geleitet wurde, gehörten 13 Schüler an. Das Orchester übte bis gegen Ende des Schuljahres einmal wöchentlich und wirkte bei den verschiedenen Schulfeiern mit. Am 14. September veranstaltete es mit Genehmigung des Direktors im Saal des„Solmser Hofes“ ein öffentliches Konzert, in dem Werke von Beethoven, Haydn und Händel aufgeführt wurden, und das von dem zahlreich erschienenen Publikum sehr freundlich aufgenommen wurde. Außer- dem bestanden, wie schon erwähnt, ein Turnverein und eine Ortsgruppe des Wandervogels.
8. Gesundheitszustand. Leider rief uns gleich der erste Tag des Schuljahres zur Erfüllung einer schmerzlichen Pflicht. Ein lieber und hoffnungsvoller Schüler, unserer Anstalt, der Unter- primaner Wille, Hohmann aus Laubach, war am 28. März 1913 nach schwerem Leiden im Alter von 16 Jahren aus unserer Mitte abberufen worden. Am 1. April geleiteten ihn Lehrer und Schüler des Gymnasiums zur letzten Ruhestätte. Wir alle werden dem so früh von uns Geschiedenen ein freundliches Andenken bewahren.
Während des Schuljahres war der Gesundheitszustand bei Lehrern und Schülern im allge- meinen günstig. Doch fanden im Laufe des Winters leichtere Erkrankungen mehrfach unter den Schülern größere Verbreitung, so daß in einzelnen Klassen der Unterricht empfindlich gestört wurde.
9. Gebäulichkeiten. Im Lauf des Winterhalbjahres wurden die Schulgebäude an die elektrische Uberlandanlage der Provinz Oberhessen angeschlossen. Dadurch wurde es uns ermöglicht, nicht nur elektrische Beleuchtung, sondern auch eine elektrische Experimentieranlage in dem physikalischen Kabinett einzurichten und dadurch einem lange gefühlten Bedürfnis des naturwissenschaftlichen Unterrichts abzuhelfen. Wir sprechen den städtischen Behörden für das in dieser Angelegenheit bewiesene Entgegenkommen unsern aufrichtigen Dank aus. Eine weitblickende und opferwillige Fürsorge für unsre Anstalt hat die Stadt Laubach betätigt durch den am 21. April 1913 von dem Gemeinderat gefaßten Beschluß, das Hauptschulgebäude des Gymnasiums durch einen stattlichen Anbau nebst einem Wohnhaus für den Pedellen zu erweitern. Der von dem Gr. Hochbauamt in Schotten entworfene Plan ist im vergangenen Sommer und Herbst schon so weit zur Ausführung gelangt, daß das neue Schulhaus vor Eintritt des Winters im Rohbau vollendet war und nach den Sommerferien voraussichtlich bezogen werden kann. Das schöne und stattliche Gebäude wird nicht nur eine befriedigende Unterbringung der Lehrsäle und Sammlungen ermöglichen, sondern auch der ganzen Umgebung zur Zierde gereichen. Um dem Mangel an ausreichenden Wohnungen für die verheirateten Lehrer der Anstalt abzuhelfen, beschloss der Gemeinderat in der gleichen Sitzung, aus städtischen Mitteln zwei Wohnhäuser zu errichten, von denen eines zur Zeit ebenfalls seiner Vollendung entgegengeht. Wir dürfen die Hoffnung aussprechen, daß die Ausführung dieser Bauten wesentlich dazu beitragen wird, unser Gymnasium auf eine sichere Grundlage zu stellen und ihm auch für die Zukunft eine gedeihliche Entwicklung zu verbürgen.


