Jahrgang 
1914
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Der Unterricht. Das Schuljahr begann Montag, den 30. März 1913, mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler, der Unterricht Dienstag, den 1. April. Das Sommerhalbjahr wurde in diesem Jahre mit Rücksicht auf die Marburger Philologenversammlung mit Genehmigung Großh. Ministeriums einige Tage früher geschlossen, als es in unserer Ferienordnung vorgesehen ist, näm lich Samstag, den 27. September. Demgemäß begann das Winterhalbjahr Montag, den 13. Oktober: es schließt Samstag, den 4. April.

Der Unterricht fiel außer an den an allen höheren Lehranstalten schulfreien Tagen auch am 16. Juni wegen des Laubacher Ausschußfestes aus. Der Hitze wegen brauchten wir niemals den Unterricht zu kürzen; dagegen machten am 24. und 25. Oktober die Arbeiten am Neubau des Gymnasiums für die in unmittelbarer Nähe befindlichen drei Oberklassen den Ausfall eines Teiles der Vormittagsstunden notwendig.

2. Die Lehrer. Mit Ende des vorhergehenden Schuljahres sah sich der langjährige Senior des Lehrerkollegiums, Herr Professor Dr. Wetaell, durch seinen seit Jahren wenig befriedigenden Gesundheitszustand genötigt, um seine Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen, die ihm auch unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- mütigen mit Wirkung vom 1. April 1913 gewährt wurde. Damit schied aus unserer Mitte ein Mann, der seit Begimn des Schuljahres 1877-78 an unsrer Anstalt unterrichtet, ihr seine gesamte dienstliche Tätigkeit und seine ganze Kraft gewidmet und durch sein treues und ersprießlliches Wirken unsere aufrichtige Dankbarkeit sich erworben hat. Möge es ihm vergönnt sein, sich seines Ruhestandes lange und in erwünschtem Wohlsein zu erfreuen.

Ebenso schied Herr Professor Kullmann, der bereits im November 1912 zum Oberlehrer am Gymnasium zu Bensheim ernannt worden war, mit Ende des vorigen Schuljahres tatsächlich aus unserem Lehrerkollegium aus.

An Stelle der Genannten wurde Herr Oberlehrer Ollo Wassem von der Augustinerschule in Friedberg und Herr Oberlehrer Walther Schonebohm von dem Realgymnasium in Gießen an unsere Anstalt versetzt. Beide traten mit Beginn des Schuljahres ihren Dienst an.

Herrn Oberlehrer Buæmann wurde am 1. April 1913 der Charakter als Professor erteilt.

Herr Pfarrer Volp war vom 7. bis zum 16. Juli 1913 beurlaubt und wurde während dieser Zeit von den übrigen Mitgliedern des Kollegiums vertreten.

Herr Lehramtsassessor Schelhorn war wegen eines Trauerfalles in seiner Familie vom 16. bis 20. September 1913 und zur Teilnahme an dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fortbildungs- kurs in Gießen vom 4. bis 12. März 1914 beurlaubt. Die Vertretung übernahmen die Lehrer der Anstalt.

Herr Lehramtsreferendar Sack wurde am 1. April 1913, die Herren Lehramtsreferendare Jochem und Dr. Rossler am 1. Oktober 1913 zu Lehramtsassessoren ernannt. Herrn Jochem wurde vom Beginn des Winterhalbjahres an die Verwaltung einer Lehrerstelle an der Oberrealschule zu Mainz übertragen, während die Herren Sach und Dr. Rossler bis zum Ende des Schuljahres in freiwilliger Beschäftigung an unserer Anstalt verblieben. Herr Lehramtsreferendar Friedrich Frank setzte seit Pfingsten 1913 am hiesigen Gymnasium seinen Vorbereitungsdienst fort, den er wegen Krankheit für längere Zeit hatte unterbrechen müssen, erhielt aber dann. einen einjährigen Urlaub zur UÜbernahme einer Lehrerstelle an dem Hochalpinen Lyzeum in Zuoz. Herr Lehramtsreferendar Dr. Rudolf Graf begann im Herbst an unserer Anstalt das zweite Jahr seines Vorbereitungs- dienstes und übernahm zugleich mit Genehmigung Gr. Ministeriums die Leitung des Alumnates.

3. Besichtigungen und Prüfungen. Am 29. April 1913 besuchten die Herren Staatsrat Süäffert und Geh. Oberschulrat Nodnagel die Anstalt und wohnten dem Unterricht in mehreren Klassen bei. Am 2. April 1914 besichtigte der Gr. Turninspektor, Herr Schulrat Schmuch, den Turnunterricht der verschiedenen Turnabteilungen.

Am 25. September 1913 unterzog sich ein Oberprimaner mit Erfolg einer außerordentlichen Reifeprüfung. Die ordentliche Reifeprüfung fand am 26. Februar 1914 statt. Von sieben Ober- primanern, die zugelassen waren, waren zwei nach der schriftlichen Prüfung zurückgetreten, die übrigen konnten für bestanden erklärt werden; zwei waren von der mündlichen Prüfung befreit.