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Untersekunda wanderte zwei Tage lang durch das hessische Hinterland und das obere Lahntal, und die Oberprima unternahm am 1. und 2. Juni einen zweitägigen Ausflug nach der Lahn und dem Rhein. Kleinere Schulspaziergänge wurden am 9. Mai, 1. Juli, 7. November, 13. Dezember, 8. Februar und 13. März gemacht; am 15. Januar fand gemeinsamer Eislauf auf dem Obersee statt. Auch sonst wurde die seit Ende Januar längere Zeit hindurch sich bietende Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen von den meisten Schülern täglich mit Eifer benutzt. Turnspiele wurden während des ganzen Jahres bei günstigem Wetter betrieben. Der unter den Schülern bestehende Fußball- klub zählte 18 Mitglieder und spielte wöchentlich an einem bis zwei Nachmittagen. Eine ausreichende Gelegenheit zum Schwimmen ist leider immer noch nicht vorhanden; doch ist der schon früher erwogene Plan der Errichtung eines Schwimmbades in diesem Jahr von neuem aufgenommen und der Verwirklichung näher gebracht worden. Die unter den Schülern der Anstalt bestehende Orts- gruppe des Wandervogel zählte 25 Mitglieder und unternahm im abgelaufenen Schuljahr drei Tageswanderungen.
An der von dem Kurhessischen Provinzialverband des Deutschen Flotten-Vereins in der Zeit vom 10. bis 15. Juli 1911 veranstalteten Schülerfahrt nach Hamburg, Kiel und Helgoland nahm ein Schüler der Anstalt teil.
Der Handfertigkeitsunterricht unserer Schülerwerkstätte wurde wie im vergangenen Jahr von den Herren Kammerrat Bröckelmann, Oberlehrer Franz und Lehramtsassessor Link geleitet, denen wir für ihre bereitwillige und verdienstvolle Mitwirkung zu herzlichem Dank verpflichtet sind. Der Unterricht begann am 3. November und dauerte bis zum Schluß des Schuljahres. Die große Zahl der Teilnehmer, deren es 40 waren, machte bis Weihnachten wieder die Bildung von zwei Ab- teilungen nötig, von denen die eine Dienstags und Freitags von 5 bis 7, die andere an den gleichen Tagen von 8 bis 10 Uhr beschäftigt wurde, während nach Weihnachten an beiden Tagen nur noch von 8 bis 10 Uhr gearbeitet wurde. Es wurden vorwiegend Naturholz- und Laubsägearbeiten ge- fertigt, aber auch Kerbschnitzerei, Schreinerei und Metallarbeit getrieben. Die am 22. Dezember veranstaltete Ausstellung der gefertigten Arbeiten gewährte ein erfreuliches Bild von dem Fleiß und der Geschicklichkeit der Teilnehmer.
Wie in früheren Jahren bestanden ein Stenographenverein nach Gabelsberger, der 10 Mit- glieder zählte und für den Herr Lehramtsassessor Vetter während des Sommerhalbjahres einen von fünf Schülern besuchten Anfängerkurs abhielt, und ein Verein nach Stolze-Schrey mit 18 Mitgliedern.
Am 19. Februar hielt Herr G. Sölle unsern Schülern einen Vortrag über seine Erlebnisse in den deutschen Südsee-Kolonien. Am 21. Februar besuchte eine Anzahl Schüler der oberen Klassen unter Führung der Herren Oberlehrer Franx und Lehramtsassessor Vetter die von dem Gießener Stadttheater veranstaltete Aufführung des„Julius Cäsar“. Die in Laubach stattfindenden Künstler- konzerte und populärwissenschaftlichen Vorträge wurden von einem großen Teil der Schüler regel- mäßig besucht.
An Geschenken für die Bibliothek erhielten, wir vom Grossherxoglichen Ministerium des Innern die weiteren Lieferungen des Thesaurus linguae latinae; von der Grossherxoglichen Zentral- stelle für die Landesstatistik die neuerschienenen Nummern ihrer Mitteilungen sowie der Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen, außerdem die Denkschrift„Zur Geschichte der Hessischen Statistik und ihrer amtlichen Organisation“; von dem Allgemeinen Deutschen Sprachverein die Jahrgänge 1911 und 1912 seiner Zeitschrift; von den Verlagsbuchhandlungen Ferd. Hirt Sohn in Breslau, S. Hirxel in Leipzig, Langenscheidt in Berlin-Schöneberg, Emil Roth in Gießen, Buch- handlung des Waisenhauses in Halle und Georg Westermann in Braunschweig Werke ihres Verlags. Für das physikalische Kabinett stifteten die Abiturienten von Ostern 1911 40 Mk., die zur Anschaffung von Helmholtz'schen Resonatoren verwandt wurden. Der naturwissenschaftlichen Sammlung schenkte Herr Schlachthausdirektor Modde in Gießen eine Sammlung von 23 Säugetier- und Vogelschädeln, Herr Bahnmeister Wünsche in Laubach einen fossilen Mammut-Backenzahn, Herr Dr. Herrle auf der Friedrichshütte ein Nest von Vespa vulgaris und Herr Forstassessor Gutfleisch in Laubach drei Baum- Querschnitte. Für die genannten Geschenke sagen wir den Gebern unsern besten Dank.


