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VII. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schaljahr begann Montag, den 24. April 1911, mit der Prüfung der neuangemeldeten Schüler, der Unterricht Dienstag, den 25. April. Das Sommerhalbjahr schloß Mittwoch, den 27. September. Das Winterhalbjahr begann Donnerstag, den 12. Oktober und schließt Samstag, den 30. März 1912.
Mit Ende des vorhergehenden Schuljahres schieden aus unserer Mitte zum lebhaften Bedauern von Lehrern und Schülern Herr Lehramtsassessor Dr. Malxan, der an das Realgymnasium zu Gießen überging, und Herr Lehramtsassessor Dr. Heinrichs, der eine Oberlehrerstelle an der Höheren Mädchenschule I und dem Lehrerinnenseminar in Wiesbaden übernahm. An ihre Stelle traten Herr Professor Dr. Maæ Zimmermann sowie Herr Oberlehrer Karl Buæamann, die vorher an dem Realgymnasium zu Gießen bezw. der Realschule zu Butzbach tätig waren.
Herr Lehramtsassessor Linkk war vom 5. September bis 1. November zur Ableistung einer militärischen Übung beurlaubt. Seinen Unterricht erteilte während dieser Zeit Herr Lehramts- referendar Georg Funk aus Gießen.
Nach den Sommerferien begann Herr Lehramtsreferendar Friedrich Frank aus Laubach an unserer Anstalt das zweite Jahr seines Vorbereitungsdienstes, doch schied er bereits mit Ende des Sommerhalbjahres wieder aus, um seiner militärischen Dienstpflicht zu genügen.
Herr Pfarrer Volp mußte im Anschluß an die Sommerferien für die Zeit vom 10. bis 19. August, Herr Professor Dr. Keller nach den Herbstferien für den 12. bis 16. Oktober sowie Herr Professor Dr. Wetzaell für die Zeit vom 8. bis 27. Januar aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt werden. Die Vertretung übernahmen die übrigen Mitglieder des Kollegiums.
Zu Beginn des Schuljahres wurde die erledigte Stelle des Pedellen unserer Anstalt dem Stellenanwärter Ernst Weihe, bisher Sergeant in der 2. Eskadron des Leibdragonerregiments No. 24 in Darmstadt, auf Probe übertragen. Derselbe trat seinen Dienst am 11. Mai an. Durch Aller- höchstes Dekret wurde er vom 1. November ab zum Pedellen an dem Gymnasium Fridericianum ernannt.
Am 21. September wurde eine außerordentliche Reifeprüfung abgehalten, die einer der beiden zugelassenen Oberprimaner bestand. Die Stelle des Regierungskommissars versah der Direktor.
Am 16. Februar fand unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Oberschulrat Nodnagel die mündliche Reifeprüfung statt. Von den 16 Oberprimanern, die zu der Prüfung zugelassen wurden, konnten 14 für bestanden erklärt werden; 5 waren von der mündlichen Prüfung befreit. Am 13. Februar hatte Herr Medizinalrat Dr. Königer aus Schotten den Abiturienten den vom Großh. Ministerium vorgeschriebenen Vortrag über die gesundheitlichen Gefahren des akademischen Lebens gehalten, wofür wir ihm auch an dieser Stelle besten Dank aussprechen.
Der 100. Gedenktag der Begründung der deutschen Turnerei durch Friedrich Ludavig Jahn wurde am Nachmittag des 19. Juni 1911 dürch eine einfache Feier begangen, die im Kreis der Schule in der neuen Turnhalle stattfand und bei der nach einigen Vorträgen des Chores und einer Ansprache des Direktors ein Preisturnen sämtlicher Klassen abgehalten wurde. Am 23. Juni schmückten die Schüler der beiden untersten Klassen in üblicher Weise das Denkmal des Grafen Friedrich xu Solms-Laubach mit einem Kranz von Feldblumen. Der Sedantag wurde durch Spaziergänge der einzelnen Klassen begangen. Zur Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Grossherxogs wurde am 24. November im Festsaal des Gymnasiums ein öffentlicher Aktus veranstaltet, bei dem Herr Pfarrer Nabel über die Politik Ludwigs I. bis zu seinem Eintritt in den Rheinbund redete. Die Feier des Geburtstages Seiner Majeslät des Kaisers fand am 26. Januar im Saal des„Solmser Hofes“ statt und war zugleich als Gedenkfeier des 200. Geburts- tages Friedrichs des Großen gestaltet, dessen Gedächtnis auch die von dem Direktor gehaltene Festrede gewidmet war.
Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war im allgemeinen günstig. Der Hitze wegen fiel am 10., 11., 12. und 14. August die letzte Vormittagsstunde und der Nachmittags- unterricht aus.
Unser Tagesausflug wurde am 30. Mai unternommen und führte die einzelnen Klassen nach schönen Punkten des Vogelsberges, in das Lahntal, zur Saalburg, ja bis zum Niederwald. Die


