Jahrgang 
1910
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VII. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr begann Montag, den 19. April 1909 mit der Prüfung der neuangemeldeten Schüler, der Unterricht Dienstag, den 20. April. Das Sommerhalbjahr schloß Mittwoch, den 29. Sep- tember. Das Winterhalbjahr begann Donnerstag, den 14. Oktober und schließt Samstag, den 19. März.

Der Lehrkörper der Anstalt erfuhr während des letzten Jahres bedeutende Veränderungen. Mit Schluß des alten Schuljahres schied aus unserer Mitte Herr Professor Osszwald, der durch Allerhöchstes Dekret mit Wirkung vom 4. April 1909 zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen ernannt worden war. Fast 16 Jahre hindurch, seit 1. Juni 1893, ist er am Fridericianum tätig gewesen, seit vielen Jahren an besonders verantwortungsvolle Stelle, und hat sich durch sein pflichttreues und erfolgreiches Wirken unsere dauernde Dankbarkeit erworben. Unsereherzlichen Wünsche für eine fernere gesegnete Wirksamkeit folgen ihm in sein neues Amt. An seiner Stelle wurde Herr Lehramtsreferendar Dr. Karl Heinrichs mit der Ver- waltung einer Lehrerstelle an unserer Anstalt beauftragt.

Herr Lehramtsreferendar Freitag wurde am 1. April 1909 zum Lehramtsassessor ernannt.

Herr Professor Dr. Wetzell mußte Mitte Mai wegen eines nervösen Magenleidens beurlaubt, werden und konnte bis Schluß des Schuljahres seinen Unterricht nicht wieder aufnehmen. Seine Vertretung übernahm am 10. Juni Herr Lehramtsreferendar Ladavig Pöpperling, der am 1. Oktober zum Lehramtsassessor ernannt wurde.

Herr Oberlehrer Ernst Keller war vom 1. Juni bis 26. Juli zur Ableistung einer militärischen Uebung einberufen. Seine Vertretung übernahm vom 7. Juni bis zu den Sommerferien Herr Lehramtsreferendar Wilhelm Schabarx.

Am 11. September mußte Herr Lehramtsassessor Becker wegen nervöser Erkrankung einen längeren Urlaub antreten. An seine Stelle trat nach den Herbstferien Herr Lehramtsassessor Dr. Wilhelm Malaan.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 20. Oktober wurde Herr Oberlehrer Ernst Keller nach nahezu vierjähriger Tätigkeit an unserer Anstalt an das Realgymnasium und die Oberrealschule zu Gießen versetzt. Unsere besten Wünsche begleiten ihn an die neue Wirkungsstätte. An seine Stelle trat vom 20. Oktober bis zum Schluß des Schuljahres Herr Lehramtsreferendar Dr. Wilhelm Michel, um sodann eine Oberlehrerstelle an dem Gymnasium zu Bückeburg zu übernehmen.

In den beiden letzten Wochen des Schuljahres wurden die Herren Lehramtsassessor Freitag und Lehramtsreferendar Dr. Heinrichs durch Einberufung zu einer militärischen Uebung der Anstalt entzogen. Ihrer Vertretung unterzogen sich die übrigen Mitglieder des Kollegiums.

Am 29. November nahm Herr Geh. Oberkonsistorialrat D. Petersen eine Besichtigung des Religionsunterrichts in den meisten Klassen der Anstalt vor.

Am 11. Februar 1910 fand unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Oberschulrat Nodnagel die mündliche Reifeprüfung statt. Von den zwölf Oberprimanern konnten elf für bestanden erklärt werden; drei waren von der mündlichen Prüfung befreit. Am Tag vorher hatte Herr Kreisarzt Dr. Königer den Abiturienten die von Großh. Ministerium angeordnete gesundheitliche Belehrung erteilt, wofür ihm auch hier unser bester Dank ausgesprochen sei.

Am 23. Juni wurde das Denkmal des Grafen Friedrich zu Solms-Laubach, des hohen Begründers der Anstalt, in üblicher Weise von den Schülern mit Blumen geschmückt. Am Sedantag fanden Spaziergüänge der einzelnen Klassen statt. Die Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit des Grossheraogs und Seiner Majestät des Kaisers wurden am 24. November 1909 und am 26. Januar 1910 durch öffentliche Festakte in gewohnter Weise gefeiert. Die Festrede hielt am 24. November Herr Lehramtsreferendar Dr. Heinrichs über die Beschäftigung mit der alteren deutschen Literatur in den Hauptepochen der deutschen Kulturgeschichte, am 26. Januar Herr Pfarrer Volp über die Königin Luise. Am 10. November wurde der 1 50. Geburtstag Schillers im Kreise der Schule durch eine Feier mit Gesängen und Deklamationen begangen, bei der der Direktor ein Bild der Persön- lichkeit des Dichters entwarf.