Jahrgang 
1908
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Großh. Ministeriums vom 31. Mai 1907 wurde ihre Einführung genehmigt, und so trat die neue Ferienordnung in gegenwärtigem Schuljahr zum erstenmal in Kraft. Der Hauptunterschied gegen die frühere Einteilung besteht darin, daß an Stelle der einmaligen fünfwöchigen Sommerferien getrennte vierwöchige Sommerferien und zweiwöchige Herbstferien getreten, die Osterferien dagegen um eine Woche verkürzt sind.

Das Sommerhalbjahr schloß demnach Mittwoch, den 25. September. Das Winterbalbjahr begann Donnerstag, den 10. Oktober, und schliesst Samstag, den 11. April 1908.

Am 14. Januar 1908 beehrte Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht in den meisten Klassen bei.

3. Reifeprüfung.

Am 19. Februar 1908 fand die mündliche Reifeprüfung unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Oberschulrat Nodnagel statt. Von den 10 Oberprimanern war 1 nach dem schriftlichen Examen zurückgetreten. Die übrigen 9 bestanden; 4 wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Tags vorher hatte Herr Kreisarzt Dr. Königer aus Schotten unsern Abiturienten in sehr gründlicher und eindringlicher Weise die gesundheitliche Belehrung erteilt, die nach Anordnung Großh. Ministeriums seit diesem Schuljahr bei allen Vollanstalten des Landes alljährlich für die Abiturienten stattfinden soll. Dem Herrn Vortragenden sei für seine eindrucksvollen Ausführungen auch an dieser Stelle unser herzlicher Dank ausgesprochen.

Am 12. Februar 1908 bestand an unserer Anstalt Herr stud. theol. Heinrich Weber aus Lich, am 5. März 1908 Herr stud. theol. Heinrich Seim aus Nordeck, Kreis Marburg, die Reifeprüfung in der hebräischen Sprache.

4. Schulfeierlichkeiten.

Am 22. Juni 1907 legten zur Vorfeier des Geburtstages des hohen Begründers der Anstalt die Schüler der Sexta im Auftrage des Direktors an dem Denkmal weiland Sr. Erlaucht des Grafen Friedrich zu Solms-Laubach einen Kranz nieder, zu dem sie selbst die Blumen und Zweige ge- sammelt hatten. Vorher waren die Kleinen über die Verdienste des Grafen Friedrich um unsere Anstalt von ihrem Klassenführer, Herrn Gerhard, in geeigneter Weise belehrt worden.

Durch die Einführung der neuen Ferienordnung war es uns zum erstenmal ermöglicht, auch den Sedantag in festlicher Weise zu begehen. An die gemeinsame Schulfeier, die in einer Ansprache des Direktors und zwei Gesängen bestand, schlossen sich Spaziergänge der einzelnen Klassen an.

Am 17. September 1907 fiel zur Feier des Geburtstages Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin der Unterricht aus.

Am 8. November 1907 wurde der neue Direktor in öffentlichem Festakt im Beisein Ihrer Durchlaucht der Frau Gräfin-Mutter zu Solms-Laubach sowie zahlreicher geladener Gäste von Herrn Geheimen Oberschulrat Nodnagel in sein Amt eingeführt. Im Namen des Kollegiums wurde er von Herrn Professor Dr. Waetaell begrüsst; in seiner Antrittsrede sprach er darauf über die Bedeutung der Antike für die Gegenwart sowie die eigenartigen Vorzüge der ländlichen Gymnasien.

Die Geburtsfeste Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und Seiner Majestät des Kaisers wurden am 25. November 1907 und am 27. Januar 1908 durch öffentliche Festakte in üblicher Weise gefeiert. Die Festrede hielt am 25. November Herr Oberlehrer Ernst Keller über die Be- ziehungen hessischer Fürsten zu Wissenschaft und Kunst; am 27. Januar der Direktor über die Idee des sozialen Königtums als politisches Vermächtnis des hellenischen Volkes.

5. Sonstige Veranstaltungen.

Die vorgeschriebenen Schulspaziergänge wurden regelmäßig jeden Monat ausgeführt. Während der guten Jahreszeit wurden Turnspiele gepflegt und wurde namentlich das Fußballspiel von dem unter unsern Schülern bestehenden Fußballklub eifrig betrieben. Während der Wintermonate wurde die Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen nach Möglichkeit benutzt.

In der im Schuljahr 1902/3 ins Leben gerufenen Schülerwerkstätte herrschte auch im vergangenen Winter ein reges Leben. Es wurde von Anfang November bis Ende März während 15 Wochen, in der Woche gewöhnlich an 3 Abenden gearbeitet, und es wurden in diesem Winter