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VII. Zur Geschichte der Anstalt.
1. Personalangelegenheiten.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 30. März 1907 wurde Herr Lehramtsassessor Ernst Keller mit Wirkung vom 1. April ab zum Oberlehrer an der hiesigen Anstalt ernannt.
Erust Keller wurde am 19. Juni 1880 zu Mainz geboren. Er besuchte von Herbst 1886 ab die Vorschule und das Gymnasium zu Mainz und bestand daselbst im Juli 1898 die Reifeprüfung. Von Herbst 1898 ab widmete er sich dem Studium der Klassischen Philologie und Geschichte auf der Universität Giessen und bestand hier im Juli 1903 die Prüfung für das höhere Lehramt. Vom 1. Oktober 1903 bis 30. September 1904 genügte er seiner Militärpflicht im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm zu Giessen und trat dann im Oktober 1904 in das pädagogische Seminar am Gymnasium zu Giessen ein. Nach vorübergehenden Verwendungen an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach, der Oberrealschule und dem Gymnasium zu Worms wurde er mit Wirkung vom 16. Januar 1906 ab an das Grossh. Gymnasium Fridericianum zu Laubach versetzt und am 1. Oktober 1906 zum Lehramtsassessor ernannt.
Seinen Dienst konnte der Genannte erst am 30. Mai 1907 antreten, da er vom 4. April bis 29. Mai zur Ableistung einer militärischen Ubung einberufen war. Zu seiner Vertretung war während dieser Zeit Herr Lehramtsreferendar Heinrich Metaner vom Neuen Gymnasium in Darmstadt an unsrer Anstalt tätig.
Durch Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 27. April 1907 wurde Herrn Oberlehrer Osswald der Charakter als Professor erteilt.
Am 1. Oktober 1907 wurde Herr Lehramtsreferendar Karl Becker zum Lehramtsassessor ernannt.
Vom 14. Oktober bis 17. November 1907 nahm Herr Oberlehrer Ernst Keller an einem Turn- kursus in Darmstadt teil. Seine Vertretung übernahmen die Mitglieder des Kollegiums.
Am Schlusse des Sommerhalbjahres sah sich Herr Direktor Dr. Baur durch schwerwiegende Gründe privater Natur genötigt, um Rückversetzung in seine frühere Dienststellung in Darmstadt nachzusuchen. Diesem Wunsche gemäß trat er infolge Allerhöchsten Dekretes vom 2. November 1907 als Professor an das Ludwig Georgs-Gymnasium in Darmstadt über. Nur zwei Jahre lang war es ihm vergönnt unsere Anstalt zu leiten, aber in dieser kurzen Zeit hat er sich durch seine aus- gezeichnete Amtsführung ihre dauernde Dankbarkeit gesichert. Denn er hat nicht nur mit uner- müdlicher Pflichttreue seine ganze Kraft für die stete Vervollkommnung und Belebung des Unter- richtsbetriebes eingesetzt, sondern er hat es zugleich auch in seltenem Maße verstanden, durch vorurteilslose Sachlichkeit und warmherzige Teilnahme sich die Liebe und Anhänglichkeit aller Angehörigen unserer Anstalt zu erwerben. Mit grösstem Bedauern sahen ihn die Lehrer wie die Schüler des Gymnasiums Fridericianum scheiden, und die herzlichsten Wünsche begleiteten ihn in seinen neuen Wirkungskreis.
An seine Stelle trat durch Allerhöchstes Dekret vom 2. November 1907 der Oberlehrer am Ludwig Georgs-Gymnasium in Darmstadt Professor Dr. Hugo Müller.
Hugo Müller wurde geboren am 31. Mai 1863 zu Alsfeld. Er besuchte zuerst die Realschule in Alsfeld. dann nach Übersiedlung seiner Eltern nach Gross-Gerau die dortige Höhere Bürgerschule und trat Herbst 1877 in die Obersekunda des Ludwig Georgs-Gymnasiums zu Darmstadt ein, an dem er Herbst 1880 die Reifeprüfung bestand. Er studierte auf der Landesuniversität Giessen klassische Philologie, Deutsch und Geschichte und bestand im Februar 1885 ebendort die Staatsprüfung. Nachdem er von 1885 bis 1886 beim 7. Württembergischen Inf.-Rgt. Nr. 125 in Tübingen seiner Militärpflicht genügt hatte, absolvierte er seinen Akzess am Ludwig Georgs-Gymnasium und fand dann von Ostern 1887 bis Herbst 1890 provisorische Verwendung am Gymnasium in Büdingen. 1887 promovierte er in Giessen. Bei Begründung des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt wurde er im Herbst 1890 an diese Anstalt versetzt und dort bald darauf definitiv angestellt. Zu Ostern 1892 wurde er an das Ludwig Georgs-
Gymnasium versetzt, dem er dann bis zum Herbst 1907 angehört hat. Am 23. März 1901 wurde ihm der Charakter als Professor erteilt. d
2. Der Unterricht.
Das Schuljahr begann Montag, den 8. April 1907, mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler; der Unterricht Dienstag, den 9. April..—
Die Einteilung des Schuljahres erfuhr eine Anderung durch die im Sommerhalbjahr 1907 erfolgte Einführung der sg. Darmstädter Ferienordnung, für die sich bei einer von der Direktion des Gymnasiums veranstalteten Abstimmung fast sämtliche Eltern erklärt hatten. Durch Verfügung
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