besonders zahlreiche und schwierige Arbeiten angefertigt. Die Schüler beschäftigten sich mit Papp-, Buchbinder-, Laubsäge-, Kerbschnitt-, Holzbrand-, Metall-, Schreiner- und Dreherarbeiten. Vor Weihnachten wurde zum ersten Mal durch eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten in den Räumen der Schülerwerkstätte Gelegenheit zur allgemeinen Besichtigung gegeben. Leider konnten nur 20 Schüler an der Unterweisung teilnehmen, da sich zu unserem Bedauern auch in diesem Winter Herr Kammerrat Bröckelmann der mühevollen und zeitraubenden Leitung der Arbeiten allein unter- ziehen mußte und sich deshalb genötigt sah, durch geeignete Auswahl der Teilnehmer eine Be- schränkung vorzunehmen. Wir sind dem genannten Herrn für seine selbstlose und unermüdliche Förderung des verdienstlichen Unternehmens zum wärmsten Dank verpflichtet.
6. Gesundheitszustand.
Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im allgemeinen befriedigend. Nur gegen Ende des Schuljahres riefen die in grösserer Zahl auftretenden Influenza-Erkrankungen manche Störung des Unterrichtsbetriebes hervor.
Leider hatten wir im vergangenen Schuljahr den Tod eines hoffnungsvollen Schülers zu be- klagen. Am 21. August 1907 starb nach nur achttägigem Krankenlager in der Klinik zu Marburg der Obertertianer Ernst Vömel aus Dautphe im Alter von 13 ¾ℳ Jahren. In ihm verlor die Anstalt einen hochbegabten, braven und fleißigen Schüler, seine Mitschüler einen lieben Freund und treuen Kameraden. An der zu Dautphe am 24. August stattgehabten Beerdigung nahm die gesamte Obertertia mit ihrem Klassenführer, Herrn Professor Dr. Wetzell, teil. Wir werden dem so früh von uns Geschiedenen stets ein freundliches Andenken bewahren.
7. Gebäulichkeiten.
Während der Sommerferien wurde in den Gebäuden der Anstalt eine Reihe kleinerer und größerer Erneuerungsarbeiten ausgeführt; namentlich wurde die Bibliothek vollständig neu her- gerichtet. Ebenso wurde zu Anfang des Winters die Amtswohnung des Direktors, soweit es nötig erschien, neu hergestellt. Den städtischen Behörden sind wir für das jederzeit bewiesene freundliche Entgegenkommen zu aufrichtigem Danke verpflichtet.
8. Geschenke.
Grossherxogliches Ministerium des Innern stellte uns wiederum zur Förderung der Arbeiten in der Schülerwerkstätte 200 Mark zur Verfügung; außerdem gingen uns von ihm die weiteren Lieferungen des Thesaurus linguae latinae zu.
Von der Grossh. Zentralstelle für die Landesstatistik erhielten wir: Mitteilungen u. s. w. Nr. 835— 860; Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen, Band 57(1907) 3 Hefte, Band 58(1908) Heft 1 und 2.
Herr Pfarrer Vömel in Dautphe stellte uns eine größere Geldsumme zur Verfügung mit der Bitte, davon ein Geschenk für die Anstalt zur Erinnerung an seinen so früh dahingeschiedenen Sohn anzuschaffen. Der Betrag wurde zur Erwerbung einer Nachbildung der lateranischen Sophokles- statue verwandt, die demnächst an geeigneter Stelle aufgestellt werden soll.
Für die Bibliothek erhielten wir weiter von Herrn Dr. Günther Saalfeld, Berlin: Lose Blätter(zu Nutz und Frommen des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins), 2 Exemplare; von Herrn Hofapotheker Rossbach. Karl Neufeld, In Ketten des Kalifen; von dem Abiturienten Waldemar Rena einige Bücher für die Schülerbibliothek.
Für die Naturaliensammlung schenkten Hans Ahlheim(IIla) eine Katzenmißgeburt mit zwei Köpfen, 8 Beinen und 2 Schwänzen; Herr Gymnasiallehrer Gerhard ein schönes und seltenes Exemplar eines weißen Bussard; Herr Kaufmann H. Diehl einen Gavial und eine indische Eidechse; J. Nebel(IIIb) einen Rabenschädel; Reita(V) einen Hasen- und einen Rabenschädel; H. Weber(IIIa) ein von ihm gezeichnetes Schema des menschlichen Blutkreislaufes.
Außerdem stiftete Herr Hofapotheker Rossbach die Nummern für ein Kartengestell.
Für die genannten Geschenke sprechen wir den Gebern auch an dieser Stelle unsern herz- lichsten Dank aus.


