Jahrgang 
1892
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Zwei- bis dreistündige Spaziergänge zu Sammelzwecken(Exkursionen) sind für Quarta und Tertia nicht zu entbehren. Selbsverständlich ist dabei vorausgesetzt, dass der Lehrer die Umgegend inbezug auf Pflanzen-, Tier- und Gesteinskunde und Vorkommen kennt. Unsere Lehrpläne lassen leider weder für Schüler noch für Lehrer geeignete Zeit für die bei den Schülern leicht beliebt zu machenden Exkursionen. Stundenlang sich draussen abmühen, und dann noch zu Hause die volle Arbeitslast für den andern Tag vorfinden, ist ein Schreckgespenst, und an den Lehrer stellen diese Ausflüge oft höhere Anforderungen als der Klassenunterricht. Auf diesen Exkursionen muss im Laufe von zwei bis drei Jahren die Mehrzahl der einheimischen Pflanzen zur Einsammlung kommen. Die Ergebnisse sind in den nächsten Unterrichtsstunden zu besprechen, die gefundenen Schätze von den Schülern schon eingelegt mitzubringen, und die Namen durch den Lehrer richtig zu stellen. Allmählig bringt der Tertianer eine reichliche Sammlung zu Wege, trotzdem der Quartaner der wie jeder Lehrling sich anstellt durch Ungeübtheit oder Nachlässigkeit manche seiner Schätze zu Grunde gehen lässt.

Im Sommer sind einzelne Unterrichtsstunden im Freien zu halten. Wie viele vermag ich aus eigner Erfahrung nicht zu sagen. Gewissenhaftigkeit des Lehrers auch ohne das Bewusstsein beaufsichtigt zu sein und Sicherheit in der Schulzucht sind dabei selbst-

redend vorausgesetzt. An kleineren Orten und Städten, an Anstalten mit mittlerer

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Klassenschülerzahl dürfte sich überhaupt kein Hinderniss finden, das die Ausführung dieser Forderung erschwerte. Für grössere und grosse Städte aber reicht ja zur Not ein Schulgärtchen, gewiss aber eine öffentliche Anlage aus. Gerade um diesem Einwurf zu begegnen, habe ich zu Eingang dieses Aufsatzes die Entdeckungen in unserem Hausgärtchen behandelt. Man muss eben bescheiden sein, den gegebenen Verhältnissen die besten Seiten abzugewinnen suchen, dann wird man auch unter misslicheren Verhältnissen Vielerlei noch erreichen. Unsere Wiesengräser will ich auch noch für diese Forderung reden lassen. Warum befällt auch die einigermassen pflanzenkundigen Menschen ein gelinder Schreck, wenn es heisst: Gräser? Man versuche einmal diese Bösewichter an der Hand eines kundigen Lehrers draussen auf der Wiese unterscheiden zu lernen, und man wird erstaunen, wie rasch das geht. Sollen die Schüler nach der heutigen Methode Gräser mit in den Unterricht bringen, so erlebt man fast regelmässig, dass ein Wust meist wertlosen Materiales angeschleppt wird. Häufig ist es dieselbe Art, die in vielen Exemplaren in den Unterricht kommt, und die Auswahl geschieht meist nach der Länge. Hilft der Lehrer aber den Ubungsstoff selber sammeln, oder bringt er Herbarienvorräte mit, so weiss er selber, welch' kärglichen Lohn seine Mühe findet. Für andere Pflanzenfamilien liegen die Verhältnisse ähnlich, für viele äuch zum Glück besser.

Um nicht das Bild der lebenden Pflanze bei den Untersuchungen im Schulzimmer aus den Augen zu verlieren, ist es ratsam, schon bei Beginn jedes Sommer-Semesters in Holzkästen, die im Unterrichtsraum stehen sollen, Aussaaten der verschiedensten Pflanzen zu machen. Auf die Anlage naturgeschichtlicher Sammlungen aller Art, und deren Benutzung im Unterricht ist zu halten, ebenso können einzelne hübsch geschriebene Tier- oder Pflanzen- Schilderungen ab und zu vorgelesen werden. Auf das Leben und Treiben einheimischer Tiere ist zu jeder Zeit aufmerksam zu machen. Woher stammen die Schmetterlinge, die an einem sonnigen Februartage in der Mittagssonne halb taumelnd umherfliegen, oder wo findet man Schmetterlingspuppen, wohin sind im Winter die Schnecken gekommen, die im Sommer sich in Feld und Wald zeigten, ebenso: Was ist von dem Veilchen, der