Jahrgang 
1892
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Methode des naturgeschichtlichen Unterrichts.

Der Unterricht stütze sich grösstenteils auf Anschauung, sei selten oder nie Buchunterricht. Unsere im Gebrauch befindlichen Schulbücher sind übrigens auch sehr wenig dazu geeignet. Sie enthalten neben den Namen meist so reichliche Beigaben von dem toten System, dass fast alles Leben aus ihnen entwichen ist. Ein hochbegabter, sehr naturkundiger Laie sagte mir einst: Hätte ich aus diesen Büchern lernen müssen, wie es jetzt so vielfach Brauch ist, ich hätte wohl nie Interesse für die Naturwissenschaft bekommen. Diesem Urteil trete ich trotz seiner Härte bei.

Bei der Methode sind folgende Punkte besonders ins Auge zu fassen.

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Das zu verwendende Material bestehe, wenn irgend thunlich, in Naturgegenständen, Ab- und Nachbildungen sind stets nur als Ersatz anzusehen. So sollte es in dem botanischen Unterricht unumstössliches Gebot sein, Bau, Gliederung und besondere Einrichtungen bei einer Pflanze sind nur dann genauer zu behandeln, wenn alle Schüler diese Pflanze in mehreren Exemplaren vor sich auf dem Tische liegen haben. Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass die zu untersuchenden Gegenstände möglichst so gross sind, dass das unbewaffnete Auge das zu Prüfende klar zu erkennen vermag. Der Gebrauch der Lupe ist nicht unbedingt auszuschliessen, doch in den untersten Klassen sehr einzuschränken. Es macht allein schon einen jämmerlichen Eindruck, wenn alle Schüler einer Klasse längere Zeit hindurch anscheinend eifrig beschäftigt auf die Lupe niedergebückt sind, um schliesslich die Linien ihrer Hand, oder ihre Fingernägel genauer zu besichtigen! Man soll nicht einwenden: Solchem Unfug zu steuern, dazu ist der Lehrer da. Auch dem besten Lebrer wird es nicht gelingen, denselben bei allen Schülern und in jeder Unter- richtsstunde auszumerzen. Darum wenigstens fort mit der Lupenschwärmerei! Und erst

die Präpariernadel in der Sexta! Ich fürchte, sie wird wesentlich dazu verwandt, um ab

und zu der Fingerspitze einen Tropfen Blut zu entziehen, vielleicht auch um den Nachbar in eine unruhige, wenig aufmerksame Stimmung zu setzen.

Der Lehrer leite den Schüler an, aus jedem gegebenen Anschauungskörper selbständig Beobachtungen zu erzielen. Auch das Unbedeutende, das der Schüler selbst gefunden hat, hat insofern Wert, als durch die Entdeckung die Anschauungsfähigkeit gefördert wird. Versteht es der Lehrer, Unbedeutendes auszuscheiden, Gleichwertiges als solches erkennen zu lassen, so kommt in die Entdeckungsthätigkeit des Schülers Ubersichtlichkeit, und in dem bewussten Erkennen werden die Bausteine für die Begriffsbildung geliefert. Ausgiebiger Gebrauch ist durch den Lehrer von dem Vorzeichnen an der Schultafel zu machen, die Schüler aber müssen angehalten werden, die beobachteten Formen in ein besonderes Heft mit- und nachzuzeichnen. Solche Schülerzeichnungen sind zwar zuerst meist recht steif, doch bei gutem Willen macht sich bald überall Besserung bemerklich, und erst die richtige Zeichnung gibt Gewähr für die Richtigkeit der Auffassung. Blätter, Blütenteile, Blüten, Blütenstände, Längs- und Querschnitte durch Stengel und kleinere Pflanzen selbst, sind in dieses Heft neben das gezeichnete Bild durch den Schüler zu Hause einzukleben. Solche UÜbungen helfen ausserdem mit den Zeichenunterricht beleben und die Zeichenfähigkeit fördern.

Die gemachten Beobachtungen sind durch den Lehrer in sprachlich klarem Ausdruck geordnet zusammenzufassen und durch den Schüler wiederzugeben. Kleinere schriftliche UÜbungen wie sie Schiller will lassen sich hier sehr gut anreihen.