Jahrgang 
1892
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11 Umfang des naturgeschichtlichen Unterrichts.

Der Umfang des zu Erreichenden und Erreichbaren hat zunächst mit der dem Gegenstand zugewiesenen Unterrichtszeit zu rechnen. In der Verteilung auf die einzelnen Klassen liess sich die Abgrenzung am schärfsten feststellen, allein der mir zur Verfügung gestellte Raum schliesst diese Ausführung aus.

Die Anregung und Gewöhnung zur Beobachtung soll auf dreifache Weise erreicht werden. Einerseits durch genaue Betrachtung des Baues, der Gliederung, und der bei lebenden Wesen zu Schutz und Trutz vorhandenen Einrichtungen an nur verhältnismässig wenigen Naturkörpern, deren Auswahl vor allen Dingen dem Fassungsvermögen des Schüleralters entsprechen muss. Andererseits durch die Gewinnung der Kenntnis thunlichst zahlreicher einheimischer Tiere und Pflanzen, und endlich durch die Hinlenkung des Blickes auf die Veränderungen, die sich unter dem Einflusse von Wasser und Luft an der benachbarten Erdoberfläche unaufhörlich vollziehen. Die Erfüllung dieser Anforderungen bindet den Unterricht teils an das Klassenzimmer, teils aber drängen sie ihn aus der Schulstube hinaus. Die Zahl der in fünf Jahrgängen von Sexta bis Ober-Tertia im Schulunterricht zu untersuchenden Pflanzen, lässt sich auf etwa achtzig bis einhundert stellen, die Anzahl der auf Schulexkursionen zu sammelnden Gewächse auf dreihundert bis vierhundert festsetzen. In Unter-Tertia sind am Schlusse des Sommersemesters die Grundzüge des Linnéschen Systems an Hand des bekannten Pflanzenmateriales durchzunehmen, und im Ober- Tertia-Pensum ist durch Bestimmungsübungen, die in der Klasse vorzunehmen sind, die Probe darauf zu machen, ob der Schüler imstande ist, das Angeschaute zu Begriffen zu erheben. An Stoff zu solchen UÜbungen kann es nicht fehlen. Der Lehrer übersieht auf den Exkursionen absichtlich die eine oder die andere Pflanze, die er dann zu genanntem Zwecke verwertet, zur Not aber bieten ihm die Gräser reichlich UÜbungsstoff.

Das Verständnis für die Eigenart der Lebewesen, für die Bedeutung einzelner ihrer Ein- richtungen, für die Ordnung der Dinge überhaupt, und die Liebe zur Natur kann nur erreicht werden, wenn der Lehrer den Unterrichtsstoff so wählt, dass dem Schüler das zu Erkennende zum selbsterkannten, vollen Bewusstsein kommt. Jedes Einzelwesen muss als ein Glied zahlreicher gleich oder ähnlich gearteter oder bedürftiger Geschöpfe, mit denen es in Lebensgemeinschaft steht, betrachtet werden, seine Beziehungen zu dem Menschen und dessen Bedürfnissen müssen weiteste Berücksichtigung erfahren. An die einheimischen Tiere und Pflanzen sind die nächst verwandten nicht einheimischen anzuschliessen und besonders zu beachten, wenn sie für die menschliche Kultur bedeutungsvoll waren oder sind. Bei dem Hinweis auf die heute vor sich gehenden Veränderungen der Erdoberfläche sind die geognostischen Verhältnisse der Umgebung zu beachten und ein Einblick in die sogenannten geologischen Perioden ist zu gewinnen. Dieser Teil des Unterrichts fällt nach dem hessischen Lehrplan in die Sekunda.

Der Nachweis für die Abhängigkeit des Tier- und Pflanzenlebens von der Wärmeverteilung und Niederschlagsmenge, von der Höhenlage und der Beschaffenheit des Bodens ist zum Teil im Anschluss an den geographischen Unterricht zu suchen, doch auch in Ober-Tertia im Zusammenhang mit dem naturgeschichtlichen Unterricht zu erledigen. Die Kenntnis von dem Bau des Menschen und seiner wichtigsten Organe, deren Schutz und Pflege ist dem Winterhalbjahr in Ober-Tertia zuzuweisen. Neben den Grundzügen der Anatomie ist namentlich auf die hohe Bedeutung der Gesundheitslehre der Nachdruck zu legen. Die Lehre von der Ernährung gehört ihrem Hauptinhalt nach in den chemischen Unterricht der Sekunda.