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Schlüsselblume, dem Gänseblümchen, den Knabenkräutern im Winter übrig geblieben, sind Fragen, die nie versäumt werden dürfen.
9) Schliesslich ist zu beachten, dass jedes Lebewesen in Verbindung mit einer grossen Zahl anderer steht, die mit ihm gleiche oder ähnliche Einrichtungen und Lebensbedingungen besitzen. Diese Beziehungen, die unter Umständen eine ganze Welt für sich darstellen, sind den Schülern zu gelegener Zeit klar und eindringlichst vorzuführen. Erst dadurch wird er lernen, scheinbar zusammenhanglose Dinge mit einander zu verknüpfen, den „ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht“ zu erkennen.
Schliesslich sollen auch noch einige Punkte berührt werden, die vermieden werden müssen.
Der Lehrer kann nicht peinlich genug vermeiden, den Schwerpunkt seines Unterrichts in die Erlernung botanischer und zoologischer Namen zu legen. Solches Unterrichtsziel ist zwar ver- führerisch, denn eine flotte Aufzählung des Gelernten ist nicht schwer erreichlich, und bestechlich für die Unkundigen, die doch noch die grosse Mehrzahl ausmachen. Dasselbe gilt für die allzu ausführliche und breite Beschreibung eines Einzelnwesens. Trotz dieser Versuchung, der auf der anderen Seite eine immerhin kindliche, darum häufig lückige, mehr oder wenig stotternde Erzählung gegenübersteht, soll der Lehrer sich klar sein, dass der täuschende Flitter sich später doch bitter rächt. Zahlreiche Namen mit dürftigstem Inhalt wirken abstossend auf das Kindesgemüt, und so werden die auch bestes wollenden Lehrer und ihr Unterricht mit veranwortlich, wenn die Namen in der Naturgeschichte den Grund dafür abgeben müssen, dass gebildete Männer bereit- willigst ihre oft tiefe Unkenntnis in diesem Zweige der Naturwissenschaft zugestehen.
Nicht allgemein angenommene Hypothesen, wie sie gegenwärtig teils die neueste Richtung in der Wissenschaft bedingen, teils noch Gegenstand des Streites sind, haben auf der Schulbank keine Berechtigung. Die Sucht nach Neuem ist häufig urteilslos, und so wird durch vermeintliches Wissen und Verstehen nur Oberflächlichkeit im Urteil erreicht; man weicht von dem mühevollen Pfad der strengen Naturbeobachtung ab und betritt den leichten Weg der Spekulation, und die Fantasie,„der mutwillige Affe unserer Sinne, gaukelt unserer Leichtgläubigkeit seltsame Schatten vor!“ Denn nur der Halbwissende hält alles für leicht, alles für längst entdeckt, wie die bekannte Phrase lautet. Auch soll der Lehrer sich ängstlich davor hüten, etwa um geistreich oder witzig zu sein, nicht grossväterlich beengt oder gegen neue Gedanken voreingenommen zu erscheinen, den Menschen als das höchste aller Tiere auftreten zu lassen. Er soll die Tiere betrachten in ihrer Eigenart, in ihrem Sichschicken in einander, er soll das Kind anlernen mit Bewusstsein zu sehen und zu beobachten, er soll es anleiten, dass der Mensch auch da, wo er zerstören muss, menschlich handeln soll, und er hat des anziehenden Stoffes die Fülle.
Zergliedern am lebenden Tierleib durch die Schüler— und sei das Tier scheinbar noch so unbedeutend— muss strengstens untersagt sein. Solche Forschung kommt niemals dem Schüler zu, und zu scheusslichen Tierquälereien führt sie allemal.
Die Sammelwut unkundiger und unmündiger Schüler ist einzuschränken, weil sie für Pflanzen — abgesehen von den Vergehen gegen polizeiliche Verordnungen— dazu dienen kann, für die Wissenschaft hochwichtige Gegenstände an einem Orte auszurotten, an dem sie sich vielleicht unmessbar lange Zeiträume erhalten haben.„Solch' eine Sort', ein ganzer Hauf', verwüstet leichtlich Wald und Flur“ heisst das bekannte oder nicht bekannte Wort. Tieren gegenüber aber führt die Sammelwut häufig zu verwerflichen Quälereien, nicht aber zu einem liebevollen Umgang
mit der Natur, und: Jung gewohnt, ist alt gethan!


