Jahrgang 
1892
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befriedigt, als es die Erkenntnis eines physikalischen oder chemischen Gesetzes, samt seinen Folgerungen und Anwendungen eben auch nur vermag. Kein Wust von Namen schreckt uns ab, nicht bedürfen wir aut Schritt und Tritt der Mithilfe des Mikroskopes, und weite Reisen in fremde Länder brauchen wir auch nicht zu unternehmen. Nein, jedem Menschen, der geübte Sinne und Liebe zur Natur besitzt, oder beide als erworbenes Gut von der Schulbank mitbringt, liegt ein weites Entdeckungsfeld in seiner nächsten Umgebung offen, das ihm reichliche Schätze beut, die Verstandes- und Gemütsbildung erwecken, heben und veredeln helfen.

Wird das Kind gewöhnt für Einzelnwesen und deren Eigentümlichkeiten, für seine ganze Umgebung ein offenes Auge zu haben, hat der Jüngling Einblicke gewonnen in die vielseitige Werkstatt der Natur, in die uns umgebende Ordnung der Dinge, so wird der erwachsene Mensch sich lichten Auges der in Gestalten, Formen und Erscheinungen unerschöpflichen Natur erfreuen. Dann kann jedes aufmerksame Verweilen auch im Hausgärtchen, jeder Spaziergang eine Fülle geistiger Anregungen uns bieten, da für den Sehenden alles belebt, für den Wissenden auch da Inhalt ist, wo der Unwissende nur die starre, leere Form findet. Versteht es ausserdem noch der Unterricht, den rührenden Beispielen von Liebe und Anhänglichkeit, die uns so vielfach im Familien- leben der höheren Tierwelt begegnen, Eingang in und Eindruck auf das weiche Kinderherz zu verschaffen, so wird damit eine Saat gestreut, die bei dem Jüngling und Manne ausser dem Verständnis für die Natur auch ein dauerndes Wohlwollen für ihre Einzelnwesen als Früchte zeitigt. Es wird mit dem verständigen auch ein liebevoller Umgang mit der Natur angebahnt und ein wirksamerer Schutz der Tiere gegen grausame Quälereien erreicht werden, als ihn Ermahnungen und Strafen je zu Stande bringen. Noch eins. Wer sich die Mühe gibt, jüngere Schüler in ihrem Treiben täglich zu beobachten, findet, dass namentlich in den langen Sommertagen noch hinreichend Zeit vorhanden ist, die mit andern Dingen als Schularbeiten erledigen ausgefüllt werden muss, und ausgefüllt wird, freilich in einer oft für Schule und Haus unliebsamen Weise. Turnt und spielt! ruft man der Jugend heute von allen Seiten zu, doch nicht in staubigen, wenig gelüfteten Hallen, sondern draussen unter Gottes freiem Himmel! Ich glaube die Anleitung zur Einsammlung von Naturgegenständen irgend einer oder aller Art darf neben Turnen und Spiel als gleichberechtigte, nützliche Zeitausfüllung immerhin noch hinzutreten. Die Lust zu solcher Thätigkeit ist unserer Jugend noch nicht abhanden gekommen. Man muss es erlebt haben, mit welchem Eifer die Jungenim Schweisse ihres Angesichtes sich auf den botanischen Exkursionen abmühen, wie der Sammeltrieb sie beherrscht und treibt, wie sie von ihrem Zwecke ganz erfüllt sind. Strahlenden Auges wird dem Lehrer eine für die Knaben neue Pflanze gezeigt, alle stürmen nach derselben hin, und die Fund- und Standorte wirklich seltener Pflanzen vererben sich durch mündliche Uberlieferung von einem Schilerjahrgang auf den anderen. Die Freude über das sichtliche Wachstum einer sauber gehaltenen Sammlung erhöht die Lust an dieser Thätigkeit, und wird der sammelnden Kinderschar auch die Zeit gegönnt, an reifen Erdbeeren und Himbeeren, deren herrliches Rot und Gold zum Essen einlädt, nicht entsagenden Blickes vorüber eilen zu müssen, so ist die Lust und der Jubel gross. An den hier veranstalteten Exkursionen der Quarta und Unter-Tertia nehmen häufig aus freiem Antrieb Schüler der höheren Klassen teil, und manchen Schüler habe ich kennen gelernt, der zwei und drei Stunden eines freien Nachmittags mit Sammeln in Feld und Wald ausfüllte, Taschen und Mappen gefüllt, Kopf und Herz erheitert mit nach Hause brachte. Erinnert man sich noch der Thatsache, dass das Fleckchen Erde, das keine Geheimnisse mehr vor dem Menschen hat, ihm das liebste Stück auf Gottes Erde ist, und des bekannten Wortes:Treibt