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die der scharfsichtige Linné zuerst aufmerksam machte? Wem fiel bei den grossblütigen Glocken- blumen, die die Bergwiesen zieren, ein Unterschied in der Haltung der einzelnen Blüten vor und während des Blühens auf? Wem noch, dass diese Haltungsveränderung sich bei allen Blüten wiederholt? Liegt darin ein bestimmter Sinn? Wer verstünde es nicht, dass die mächtige, in der Blütezeit mit ihrer Öffnung zur Erde gerichtete Glocke ein Zufluchtsort bei Regenwetter und eine sichere Nachtherberge für zahlreiche kleinere Kerfe bietet, die nicht wie die Bienen, Wespen und Hummeln ihr eigenes Heim besitzen? Die dankbar Beherbergten aber beladen ihren Leib mit Blumen- staub und tragen denselben weiter auf andere Pflanzen derselben Art. Haben jene Bienen, die die Erbsen honigraubend besuchen, eine gleiche Bedeutung, und lässt sich etwa in der leichteren Aufladung des Blütenstaubes ein Fingerzeig für die stets gewählte Anflugstelle finden? Wer begriffe es nicht, dass die während eines Regens nach unten gerichteten Blüten des Schaumkrautes, des Windröschens und Fingerkrautes, die gebeugten Körbchenstiele des Gänseblümchens und Mäuse- öhrchens eben durch ihre Haltung Staubblätter und Narbe vor dem verderblichen Einfluss der Nässe bewahren, und dass die kurzen, elastischen Blütenstiele der meist wirtelständigen Lippen- plüter imstande sind, die im Kelchgrund leicht befestigten Samen hinauszuschleudern, sobald die Stiele durch fallende Regentropfen, Windstösse oder vorbeistreifende Tiere gekrümmt und gespannt werden? Sahst du schon solcherart bewegte Samen fliegen? Wenn nicht, so fasse im nächsten Sommer die Spitze der hängenden Früchte der wilden Balsamine zwischen zwei Finger und drücke. Du wirst leicht zurückschrecken, so energisch schleudert dir die sich öffnende Frucht ihre Samen entgegen, und du wirst dir das Vergnügen an dieser Erscheinung wiederholt gönnen, wie es schon mancher Mann that, den diese in der Pflanzenwelt für ihn fremde Energie staunend erfreute. Auch andere Pflanzen sind bereit, dir dieselbe kleine Gefälligkeit zu erweisen.
Bemerktest du, wie die Eberwurz, die die kahlen Hutweiden ziert, auf den nahenden Regen dich aufmerksam machte? Vorhin bei dem blendenden Sonnenschein waren ihre glänzenden Strahlen- plüten weithin entfaltet, jetzt, da der Himmel sich bewölkt, haben sie sich zu einem schützenden Dach über den Scheibenblüten zusammenschlagend aufgerichtet, sie vor dem schwersten Regen völlig deckend.
Hast du gesehen, dass der Boden in den Fichten- und Kiefernforsten der Ebene völlig kahl nur mit Nadeln bestreut war, dass die Flora in Eichen- und Buchenhochwald kärglich ist, dass aber der Untergrund der gleichen Wälder im Mittelgebirg mit üppig wuchernden Farn, die ihre zierlich geteilten Wedel weithin ausbreiten, und mit all' jenen beerentragenden Pflanzen bedeckt ist, deren Verbreitungsbezirk so häufig mit dem Vogelfluge zusammenhängt? Willst du den Grund für diese Unterschiede wissen, so richte im Walde deine Augen aufwärts. Dicht belaubt sind die mächtigen Kronen der Bäume der Ebene, dem Sonnenstrahl Eingang und Zutritt verwehrend. Klaffende Lücken aber haben Schneelast und Sturmdruck in die Baumkronen des höheren Mittelgebirges gerissen,„und des Himmels Wolken schauen hoch hinein“. Der Sonnenstrahl aber ist der Träger wunderbarer und unerschöpflicher, arbeitsfähiger Kraft; was nicht von seinem belebenden Hauche geküsst wird, muss vergehen. Seine Abwesenheit erklärt jenen kahlen Boden in den Wäldern der Ebene mit ihren dicht schliessenden Baumkronen, sein leichter Zugang zaubert den Unterwuchs hervor, der unsere Gebirgswälder so reizend kleidet. Und nun noch einmal zu dem Baumschlag. Bei grossblätterigen Bäumen mit dicht belaubtem Wipfel wird der Schatten in dem unterem Geäst so tief, dass im gechlossenen Wald alle Seitenzweige aus Lichtmangel zu Grunde gehen, und die astlosen Stämme, schlanken Säulen gleich, zum Himmel sich empor strecken, das Vorbild der Gothik. Freilandsbäume aber würden ihre untern Aste auch bald einbüssen, wenn sie nicht die Fähigkeit besässen, durch erneute Knospenbildung immer weiter hinaus ihre jüngeren,


