Jahrgang 
1892
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Larvenform des bekannten Maiwurmkäfers sind heimtückisch auf die anfliegenden Bienen lauern? Weisst du, dass diese Blütelagerer in die Haare deiner Bienen sich einnisten, und entweder ihren Träger töten, oder sich von ihm in einen Stock deines Bienenhauses tragen lassen, wo sie die jungen Bienenlarven aufzehren und später den gesammelten Honig den Larven nachsenden? Fiel dir ein Unterschied zwischen den innern und äussern Blütenschirmen des überall häufigen Kerbels auf, oder hast du gar den Staubregen, der sich von den höher stehenden äusseren Döldchen auf die innern niedersenkt gesehen? Bemerktest du das regelrechte Kreuz der untersten Fieder in dem zierlich geteilten Blatte des Kümmels? Beim Vorübergehen an einem blühenden Roggenfeld, in dem der Wind leichte Wellen zieht, streiftest du viele der langstieligen, weit hervorragenden Staubblätter ab; sahst du, in welch' kurzer Zeit deren Stielchen sich aus den umhüllenden Spelzen der Blüte hervorstrecken? Der Himmel bewölkt sich, dumpfer Donner rollt in der Ferne, hoch auf dreht sich wirbelnd der Strassen Staub,schon flammt ein blitzendes Verheeren dem Pfade vor des Donner- schlags, wir suchen ein schützendes Obdach vor dem Regen zu erreichen. Nachdem die vom Sturme gejagten Gewitterwolken ihre Fluten entleert haben, wandern wir der Heimat zu, und geniessen die reine, staubfreie Luft. Wem von uns allen fällt jetzt die völlige Anderung in der Haltung des Blütenstandes unseres Schaumkrautes, Gänseblümchens, Windröschens, Fingerkrautes und der Glockenblume auf? Ein anderes.

Ende Juni betreten wir früh Morgens unser Hausgärtchen, um uns von dem leichten, frischen Luftzug, der sich mit der steigenden Sonne erhebt, umkühlen zu lassen. Auf einem Gartenbeete blühen hochgewachsene Späterbsen, einen reichen Ertrag versprechend, auf einem andern steigt die Bohne windend um ihre Stütze empor. An der Gartenmauer hat die Weinrebe ihre unscheinbaren Blüten geöffnet, die die Umgebung mit würzigem Dufte erfüllen. Das üppig wuchernde, reichblühende Geissblatt unserer Laube gewährt Schutz vor den Strahlen der Sonne und seiner Blüten kräftiger Geruch mischt sich mit dem der blühenden Sommerlinde, die im Hofe weitästig sich breit macht. In einer Gartenecke sind zwischen dem Gestein die schlanken Brennnesseln der Schrecken der Kinder herausgewachsen. Rund um uns zeigt sich das muntere Treiben der kleinen Tiere. Summend umfliegen uns Bienen und Hummeln, um aus den Blüten Nektar zu trinken. Wer sah es, dass diese Tierchen auf jeder Erbsenbliüte dieselbe Stelle zum Anfluge wählen? und welche? Hat dieser Landungsplatz Vorzüge vor allen andern, weil grade er stets der Auswahl sich erfreut, und welche sind es? Wem von uns fiel die ganz seltsame Art und Weise der Blütenentfaltung bei der Weinrebe auf? Und wer entdeckte, dass dieser Vorgang bei der Geissblattblüte sich in kürzerer Zeit vollzieht, als sie die Sonnenscheibe gebraucht, um über den Horizont zu steigen? Zufällig haftet unser Blick auf den Nesseln, die eben der erste Sonnenstrahl trifft. Da steigt über der höchsten Staude plötzlich ein kleines Wölkchen empor. Wir sind erstaunt ob dieses Ereignisses und treten näher. Paff, paff, immer rascher folgt ein Wölkchen dem andern, sobald die ganze Nesselwildnis von der Sonne beschienen wird. Nach einiger Zeit hört dieses Schleudern auf. Was ist das Wölkchen, was der Grund dieser Erscheinung? Fragen über Fragen erhalten wir allein in unserem Haus- gärtchen. Bewunderten wir auch den trefflichen Schutz, den das Lindenblatt der Lindenblüte vor Benetzung durch Regen gewährt, und fanden wir in dem mit Eigenbewegung begabten Endspross der Bolme das Geheimnis des Windens, das auch die Erbsenranke zeigt und selbst dem Gipfeltrieb der Fichte lange Zeit eigentümlich bleibt? Ein drittes Beispiel.

Die Sommer- oder Herbstferien sind da. Ein mehrtägiger Ausflug führt uns bergauf, bergab, durch schattige Laubwälder und düsteres Nadelholz der Ebene und des Mittelgebirges, hin über die blumigen Wiesen unserer Berghalden. Jeden Morgen sind wir früh unterwegs. Wer von uns beachtete auf der mehrtägigen Wanderung in der Zeit lder Blütenentfaltung die Blumenuhr, auf