Gegen Ende des Schuljahres veranstaltete die Ula eine Feier, die die Heidelandschaft schil- derfe.
Solche gemeinschaftlich durchlebten Stunden erwecken in den jungen Menschen Eifer zur Nachahmung und helle Begeisterung. Auch wir Aelteren fühlten uns erhoben und innerlich be- wegt, als das Schulorchester uns durch beseelte Nachschöpfung einiger fechnisch gar nicht leich- ter Werke Haydns und Mozarts in die anmufige, heitere und lebensbejahende Welt des Rokoko hinüberzauberte. Es muß überhaupt der Grund- ton dieser Morgenfeiern werden, daß sie die Ge- staltenden und die Genießenden immer lebendiger zu einem bewußten Aufgehen in der Kunst erzie- hen, etwa in dem Sinne eines Müller-Freienfels In diesen Erbauungsstunden sollen alle die Kräfte frei werden, welche sich in dem eigentlichen Unterrichfsgange nicht recht entfalten können. Selbst wenn in den ethischen und in den Kunst-— fächern Künstler und ihre Schöpfungen behandelt werden, so ist ihr wahres Bild meist hinter dem Schleier der geisteswissenschaftlichen Vermitt- lungsart nur wenig deutflich und erkennbar. Da- degen kann in den Morgenfeiern der Boden für Versuche zu echter Gestaltung und Nachschöp-
fung eines Kunstwerks entstehen. Und dabei kommt man zu recht wertvollen Wechselwirkun- gen. Die Darsteller lassen ein solches Werk erstehen, nicht bloß im Sinne des Erzeugers. seiner Weltanschauung, seines Stilempfindens und seines Zeitraumes, sondern sie schaffen es wie— der, indem sie sich selbst spielen und ihren Ge- sialtungs- und Ausdruckswillen bewußt oder un- bewußt in eigene Form umgießen. Sie erwecken wiederum in den Zuhörern und Beschauern An- säße zu künstlerischem Genießen und seten sich dabei deren„sachlichen Tatsachen- und Wert- urfeil“ aus, ja fordern eine solche Kritik sogar. Und so gelangen beide Teile allmählich zu einer gewissen Könner- und Kennerschaft. Zu be- grüßen wäre es, wenn neben der Wortkunst der Poesie auch die der Prosa gepflegt würde: Künstlerisches Vorlesen einer Novelle. Ferner Dialektdichtungen. Einzelakte aus gelesenen Dramen. Erläufernde Einführungen zu Musik- dramen, Symphonien, Sonaten, Oratorien. Ferner kunstgeschichfliche Belehrungen mit Lichtbildern, z. B. ein Gang durch eine der Hauptstilarten, auch ein Einzelwerk. Physikalische Vorführun- den, z. B. Teslaströme. Rhythmische Darstellun- çen: Reigen und Tänze.
8. Wichtige Erlasse und Verfügsungen der Behörden.
Auf den Min.-Erl. U III 2803/28 vom 22. 1. 20„Aus- bildung von Volksschullehrern und Volksschul- lehrerinnen“, abgedruckt im jahresbericht 1928- 29, wird hingewiesen.
Min.-Erl. UII 381231 UIII vom 30. 1. 28. Die Ge- fährdung des Bestandes unserer Wälder macht es notwendig, die Schuljugend immer wieder auf die Bedeutung des Waldschutzes hinzu- weisen.
Min.-Erl. UII Nr. 1800 Verf. vom 19. 11. 20. Die An- stellung von nebenamtlichen Schulärzten an den staatlichen höheren Lehranstalten ist zurzeih
aus finanziellen Gründen leider nicht möglich. Soweit für die städtischen höheren Schulen ärztliche Versorgung eingerichtet ist, gebe ich den Provinzialschulkollegien anheim, zu ver- suchen, ob die Städte sich nicht bereitfinden lassen, die schulärztliche Versorgung auch auf die Staatsanstalten am Ort kostenlos auszu- dehnen. Da es sich bei den Schülern der staat- lichen Anstalften im allgemeinen ebenso wie bei den städtischen Anstalten um Stadtkinder han- delt, dürften die Städte an der ärztlichen Ver- sorgung auch der Schüler der Staatsanstalfen das größte Interesse haben.


