Jahrgang 
1930
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lieder, Choräle, Erfindungsübungen und Auf- finden der 2. Stimme. Lehre vom Dominantsept- akkord, Synkope, Triole, Quintenzirkel, Modu- lationen, Motiv, Liedformen. Dem Chorgesang der folgenden Klassen wurden 2 Stunden gewid- met. Unter Benutung des ChorbuchesFrisch gesungen wurden Chöre von Baußnern, Eccard, Cruber, Heinrichs, Mendelssohn, Schubert, Silcher, v. Ofhegraven, Wagner und Volkslieder gesungen In 41 außerdem: Homophone und polvphone Lieder mit obligaten Instrumenten. Die erweiterfe Liedform und deren Anwendung; die wichtigsten Formen der Vokal- und Instrumentalmusik, Stim- mungsprinzipien, Entwicklung des Volks- und Kunstliedes, Freischüß, Matthäuspassion, Re- quiem von Brahms. Der Chor hatte öfters Gele- genheit, bei Schulfeiern mitzuwirken, der Knaben- chor bei der Aufführung der Matfthäuspassion in der Stadthalle.

3. Leibesibungen: Sport, Turnen, Spiele; Rudern, Schwimmen, Wandern. Die Leibes- übungen erfuhren im verflossenen Schuljahr eine planmäßige Förderung. Ausgehend von dem Grundsaß, daß als Anreiz zur Erzielung von Cipfelleistungen wie zum Besten der Gesamtheit der Leistungsdurchschnitt sämtflicher Schüler gehoben werden müsse, wurde zum ersten Mal die ganze Schule(mit einziger Ausnahme der auf Grund amtsärztlichen Zeugnisses Befreifen) einer Durchprüfung in Sport wie Turnen unterzogen. Dies geschah im leichtathletischen Dreikampf (75- bezw. 100 m Lauf, Hochsprung, Schlagball- wurf bezw. Kugelstoß) nach Alfersstufen gemäß den Bestimmungen für die Reichsjugendwett- kämpfe, im Turnen klassenweise, im Anschluß an die Uebungen des von Herrn Turnlehrer Adams herausgegebenen Leistungsbuches, das in einigen Klassen probeweise eingeführt war.

Am großen Sportfag der Schule zur Durchfüh- rung der Reichsjugendwetftkämpfe(21. Jjuni 1020) wurden am Vormittag die jJahrgänge 1920 1913 in Lauf und Wurf durchgeprüft, während aus fech- nischen Gründen die Hochsprungprüfung schon im Turnunterricht der einzelnen Klassen abge- wickelt war. Am Nachmittag zog die Schule ge- schlossen, Sexten voran, unter den Klängen der Schülerkapelle und Gesang zur Hessenkampf- bahn, wo die Wettkämpfe der jahrgänge 1912 und älter ausgetragen und den hierzu geladenen Elfern und Freunden der Schüler auch Gymnastik sowie Turn- und Scherzspiele auf grünem Rasen gezeigt wurden. Nach Staffelläufen der 4 Tertien, Sekunden und DPrimen und einem Schlagballspiel (A-Mannschaft gegen kombinierte) versammelten sich alle im Ehrenhof zu einer Ansprache des

Leiters der Schule und gemeinsamem Lied; darauf Rückmarsch zur Schule in gleicher Ordnung wie am Frühnachmittag. Das Bewußtsein kamerad- schaftlichen Zusammenhalts war stark nach die- sem von strahlendem Wetter begünstigten Tag.

Während diese Veranstaltung bei Mitwirkung der Herren des Lehrkörpers wie auch älterer Schüler doch im wesentlichen noch von einem der Lehrer gestaltet war, wurde die in den Wochen der 2. Märzhälfte vorgenommene Durch- prüfung im Turnen schon arbeitsteilig und unter Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern durchgeführt. Es ist ein Turn- und Sporfausschuß gebildet, dem ein Herr als Vertreter der Turn- lehrer und 3 Primaner angehõren. Er wird in Zu- kunft solche Feste und Veranstaltungen der Schule gestalten und dabei zur lebendigen Wei- fergabe seiner Erfahrungen und Pflege einer stetfigen Entwicklung auch jüngere Kräfte aus den Sekunden und Tertien zur Mitarbeit heran- Ziehen. Sein Ziel ist die selbsfändige Gestaltung turnerischer und sportlicher Dinge durch die Schülerschaft.

Spiele. Die Schule hatte eine Schulmannschaft in Handball, die sich in zahlreichen Wettkämpfen meist glücklich schlug. Im Schlagball gab es eine - B- und C-Mannschaft, die fleißig und regel- mäßig übfen, ohne jedoch bei den Preußenspielen den erhofften Erfolg davonzutragen: die A- Mann- schaft landefe(wesentlich ungünstiger als in den Vorjahren) an leßter Stelle, die B-Mannschaft (besser als früher) an drifter. Auch am Staffel- lauf Wilhelmshöhe-Kassel hat sich die Schule beteiligt; sie belegte hier den vierten Platz.

Nicht unerwähnt bleiben soll éine Einrichfung, bei der außer älteren Schülern auch Herren des Lehrkörpers zu frohem Spiel sich fanden. All- montaglich, und zwar regelmäßig von Anfang Mai bis in den Spätherbst, fraf man sich auf der Dön- che und spielte Faustball. Fast die Hälfte aller Herren erprobten hier mit ihrem Direktor den Schwung des Armes und genossen erquickende Ausspannung bei freier Bewegung in frischer Luft, auf dieser herrlich gelegenen, eichenbe- schafteten Höhe.

Der Turnruder-Verein pflegte in der wärmeren Jahreszeit das Rudern, im Winter das Turnen. Lei- der konnte er sich auf den Regatten nicht so er- folgreich behaupten wie in den Vorjahren. Auf

der großen Kasseler Ruderregatta des westdeut-

schen Ruderverbandes verlor zum ersten Male seit vier Jahren der erste Vierer, der sich auch auf der Kasseler Schülerregafta vom Realgym- nasium l als geschlagen bekennen mußte. Da- gegen blieben in den übrigen belegten Rennen