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III. Schulgeschichte.
In den Osterferien, am 31. März 1899, erlöste der Tod den wissenschaftlichen Hilfslehrer Theodor v. Seidel von langem, qualvollen Leiden. Seine, Krankheit war im Sommer 1897 während einer militärischen UÜbung zum Ausbruch gekommen und hatte ihn schon damals gezwungen, zur Herstellung seiner Gesundheit Urlaub zu nehmen. Wohl hatte er sich dann auch bei erneuten Anfällen immer wieder aufrecht gehalten und in gewohnter Treue und Gewissenhaftigkeit seinen Beruf ausgeübt; allein vor Weihnachten 1898 trat das alte Leiden wieder mit solcher Heftigkeit auf, daſs er dauernd der Anstalt und der ihm so lieben Jugend fern zu bleiben gezwungen war. Das Wilhelms-Gymnasium betrauert in dem Heimgegangenen einen mit reichen Geistes- und Herzensvorzügen ausgestatteten Lehrer und liebenswürdigen Kollegen, dessen Hinscheiden in der Blüte und Vollkraft des Lebens besonders schmerzlich und beklagenswert erscheint.
Von der hohen Wertschätzung des Verstorbenen zeugte die unter aufserordentlich zahlreicher Beteiligung in der Mittagsstunde des Ostermontags auf dem hiesigen Fried- hofe erfolgte Beisetzungsfeier. Neben dem Vertreter der vorgesetzten Behörde, Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer, und den Direktoren der übrigen hiesigen höhern Lehranstalten gaben der Direktor, das Lehrerkollegium und die in Cassel während der Ferien anwesenden Schüler des Wilhelmsgymnasiums dem Toten das letzte Geleite; der Verein ehemaliger Dreiundachtziger, deren erster Vorsitzender v. Seidel lange gewesen, stellte die militärische Trauerparade; zahlreiche Freunde aus Civil- und Militärkreisen hatten sich dem Trauergefolge angeschlossen, um dem Dahin- geschiedenen noch einmal ihre Verehrung zu beweisen.
Sein Andenken wird bei uns in Ehren bleiben.
Theodor v. Seidel war am 20. Januar 1861 zu Sichertshausen, Kreis Marbürg, geboren. Er besuchte von Herbst 1874 bis Ostern 1882 das Gymnasium zu Hersfeld, studierte von Ostern 1882 an in Marburg klassische Philologie und Geschichte und bestand am 25. Juni 1886 das Examen pyo facultate docendi vor der Königl. Wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission daselbst. Von Herbst 1886 bis 1887 leistete er das pädagogische Probejahr am Königl. Gymnasium zu Weilburg und genuügte hierauf beim
Infanterie-Regiment Nr. 83 seiner einjährig-freiwilligen Militärpflicht. Seit Beginn des Wintersemesters 1888/89 war er als Wissouschaftlicher Hilfslehrer am Königl. Wilhelmsgymnasium zu Casser beschäftigt.
Das neue Schuljahr begann am 11. April mit einer Andacht. Das Lehrer- kollegium wurde ergänzt durch den Eintritt des Oberlehrers Eitel vom Kgl. Gymnasium zu Weilburg und des wissenschaftlichen Hilfslehrers Dr. Anacker.
Der wissenschaftliche Hilfslehrer Schlitt war für die Dauer des Sommerhalbjahres in gleicher Eigenschaft dem Königlichen Gymnasium zu Dillenburg überwiesen.
Am 17., 18. und 19. Mai unterzog der Herr Geheime Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer die Anstalt, besonders die Michaelis-Klassen einer eingehenden Revision.
Am 2. Juni und am 12. September wohnte er dem Unterrichte der beiden Seminar- kandidaten Hofmann und Dr. Heinze bei.


