Jahrgang 
1928
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kommen kann, traf man sich in einem Falle an einem Orte außerhalb der Schule die Teilnehmer empfanden diese Art des Beisammenseins als recht angenehm. Ostern 1927 schied der erste Vorsitzende des Eltern- beirats, Herr Lehrer Brandau, aus. Es sei ihm an dieser Stelle für alle Arbeit und Mühe, die er der Schule wegen auf sich genommen hat, herzlich gedankt Sein Nachfolger wurde Herr Dr. Hägermann. Der Eltern- beirat befaßte sich in seinen Sitzungen unter anderem mit der Vorbereitung der Elternabende, der Rolle des Sports in der Schule, der Errichtung eines Schulneubaues, der Fürsorge für die Fahrschüler, dem Aufenthalt von Klassen in der Waldschule und auf Sylt, dem Zustand der Schüler- bücherei, der wirtschaftlichen Lage des Rudervereins, der Gefährdung der Jugend in der Großstadt, dem Ver-

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hältnis der Elternschaft der Schule zu Kasseler und provinziellen Elternvereinigungen usw. Auch ihm ist die Schule zu herzlichem Dank für sein lebhaftes Interesse an ihrem Leben und sein Bekenntnis zu den erziehe- rischen Absichten der Schule verpflichtet.

Es ist der lebhafte Wunsch der Schule, daß die Sprechstunden der Lehrer von den Eltern recht rege benutzt werden. Manches Mibßverständnis, manche Enttäuschung kann erspart werden, wenn sich Eltern und Lehrer häufig sehen und besprechen! Die Feste der Schule(Sommerfest in Park Schönfeld, das leider durch Regen gestört wurde, Abendunterhaltung in der Stadthalle, Feiern des Rudervereins) wurden von den Angehörigen der Schule stark besucht.

4. Gebäude, Schulhof, Lehr- und Lernmittel usw.

Die Frage des Schulneubaues wurde das ganze Jahr hindurch im Kollegium und in den Ausschüssen der städtischen Verwaltung erörtert. Die Geldnot der Stadt machte es nötig, das große Bauprogramm der Stadt- schulverwaltung zunächst auf die allerdringlichsten Neu- bauten zu beschränken. Nach häufigen Besprechungen und einer gründlichen Besichtigung aller in Frage kommenden städtischen höheren Schulen erkannte der Schulausschuß nach dem zusammenfassenden Bericht der drei Berichterstatter an, daß von den höheren Knaben- schulen zuerst das Realgymnasium einen Neubau erhalten müsse. Alle einsichtigen Kreise sind sich heute darüber einig, daß eine Schule freie Lage, Licht, Luft, Ruhe und eine freundliche Umgebung braucht. Plätze, die diesen Anforderungen entsprechen, gibt es im Innern der Stadt nicht. Neue Schulen können darum nur am Rande der Stadt errichtet werden, wo man die Bedürf- nisse der Schule befriedigen kann. Auch für den Neu- bau des Realgymnasiums II kommt nur eine solche Lage in Frage. Daß für einen Teil der Schüler der Schulweg künftig etwas länger sein wird, bedeutet nichts gegen- über dem Gewinn an Gesundheit, Arbeitsmöglichkeiten

und Frohsinn, den der Neubau in grüner und freier Lage mit sich bringt. Nur die Aussicht, daß noch in diesem Jahre mit dem Bau begonnen wird, macht die Unvoll- kommenheiten des alten Gebäudes noch erträglich. In fünf Stunden eines einzigen Vormittags kamen am Schul- hause 943 Fahrzeuge aller Art vorüber! Im Sommer 1927 sind endlich die Gänge und Klassen des Anbaues neu gestrichen worden; ein altes, durch den Straßen- lärm und die Verdunkelung durch die gegenüberstehen- den Häuser unbrauchbar gewordenes Klassenzimmer konnte als Unterrichtszimmer für Chemie eingerichtet werden wir müssen zunächst mit dem Behelf zufrieden sein.

Die Sammlungen der Schule sind im Berichts- jahre erweitert worden. Die in einem feuchten Zimmer untergebrachte Vogelsammlung mußte durch einen Präparator überholt werden, da sie in Gefahr war zu verderben. Ganz unzureichend sind immer noch die Klassenbüchereien und die Lehrerbücherei. Großen Gewinn hat der Unterricht von der Anschaffung eines Doegenschen Sprechapparates, dessen beträchtliche Kosten uns darum nicht leid tun.

5. Chronik der Schule, besondere Einrichftungen, Neuerungen.

Die beiden Uebungsstunden der Untersekunden, die den Schülern, die nach der Erlangung der Reife für die Obersekunda die Schule verlassen, eine größere Sicherheit im Gebrauch der neueren Sprachen geben sollen, wurden auch im Jahre 1927 eingerichtet. Schon zum fünften Mal begann die Sexta mit Englisch als erster Fremdsprache. Von den Abiturienten wurde in der Reifeprüfung ein englischer Aufsatz verlangt; sie konnten jedoch wieder zwischen einer französischen und einer lateinischen Arbeit wählen. Zehn Schüler der Ul und der OII schlossen sich zu einer privaten griechischen Arbeitsgemeinschaft zusammen, um die späteren Studienmöglichkeiten noch zu erweiteren. Nach langen Verhandlungen stimmte der Schulausschuß dem Antrag der Schule auf Fortführung der letzten Realschulklasse(UII) als Oberrealschul-Obersekunda zu. Leider konnte die ministerielle Genehmigung nicht rechtzeitig eingeholt werden. Am 1. Oktober über- nahm Oberschulrat Dr. Deiters das Dezernat für die Schule. Herrn Oberschulrat Dr. Grau, der es jahre- lang verwaltet hat, sei an dieser Stelle für alle Hilfe

und Förderung gedankt, die die Schule durch ihn erfahren hat. Der Dezernent besuchte die Schule am 3. und 23. November und am 10. Dezember.

Von den übrigen Vorkommnissen im Leben der Schule sind folgende die wichtigsten:

26. April 1927: Aufnahmeprüfung für alle Klassen außer Sexta.(Die Prüfung für Sexta war bereits vor Ostern gewesen). Mai: Aufenthalt der UIb mit Studienrat Quast im LandheimLuginsland im Schwarzwalde. Die Heimreise führte zum Bodensee und durch Schwaben und Franken. 23. April bis 1. Mai: Studienreise der beiden Oberprimen nach München und Oberbayern. 23. 25. Mai: Der Direktor nimmt an der amtlichen Konferenz der Direktoren der Provinz teil. 2. 30. Juni: Aufenthalt der OIla, der OIlb und der UIIlc auf Sylt. 11. August: Verfassungsfeier im Schulsaal. Ansprache hielt Studienrat Dr. Schaefer.

2.30.

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