Jahrgang 
1928
Einzelbild herunterladen

Die beiden Oberprimen unternahmen eine gemeinsame Studienreise nach München und Oberbayern. Die Reise wurde besonders durch den Besuch des Deutschen Museums gewinnbringend. Am Ende des Schuljahres fuhr die Ula ins Rheintal und durchwanderte das Gebiet zwischen Wiesbaden und Koblenz.

Das Spielturnen fand wieder am Mittwochnachmittag auf den Waldauer Wiesen, in der Hessenkampfbahn und auf dem Rasenplatze des Rudervereins statt. Die häus- lichen Aufgaben wurden des Spielens wegen für Donners- tag erlassen.

Die Gelegenheit, in den Pausen in der Milchküche warme Milch trinken zu können, wurde von vielen Schülern gern benutzt. Bedürftigen und schlecht ernährten Kindern konnte die Milch auf Kosten der Stadt ver- abreicht werden. Wieder wurde eine Reihe von Schülern durch diestädtische Jugendfürsorge in Erholungs- heime geschickt; Kinder von Beamten der Reichsbahn wurden durch diese in Kurorten untergebracht. Einer größeren Zahl von Jungen verschaffte das Gesundheits- amt der Stadt Kassel zu Beginn der Sommerferien billige Eisenbahnfahrt nach entfernteren Erholungsstätten. Die Vb weilte im August in der Waldschule Wilhelms- höhe, betreut von Oberschullehrer Gersch. Ein Teil der Schüler konnte im Marstall übernachten und konnte so die Hin- und Heimwege sparen. Erfreulicherweise war es möglich, wieder vier Klassen für längere Zeit nach Sylt zu schicken. Im Juni waren beide Obersekunden und die Ulllc im Hamburger Jugendferienheim Puan Klent; die OIllb verbrachte dort den September. Die UIlb war vier Wochen(Mai) im Schulheim einer Frei- burger Schule am Feldberg im Schwarzwalde. Die Schule dankt allen, die geholfen haben, unsern Jungen das unbezahlbare Geschenk eines längeren Landaufent- halts zu machen, auf das herzlichste: den Eltern, die für die schlecht gestellten Kameraden ihrer Söhne ein Aufgeld zahlten, den Bürgern und Unternehmungen der Stadt Kassel, dem städtischen Gesundheitsamt und der

Kasseler Ferienkolonie. Der Gesundheitszustand der Schüler wurde auch im Berichtsjahr von Schularzt Herrn Dr. med. Steinhardt überwacht. 26 Rückenschwächlinge der unteren Klassen nahmen am Haltungsturnen teil, das zweimal wöchentlich stattfand. Eine größere Zahl der jüngeren Schüler ließ sich in der städtischen Schul- zahnklinik behandeln. Der Jahresbeitrag betrug wieder 1,50 RM. Die gesamte Schule war bei dem Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland gegen Unfälle versichert. Der Beitrag beträgt nur 0,75 RM halbjährlich. Eine große Reihe glücklicherweise nur leichter Unfälle sind von der Versicherung in der entgegenkommendsten Weise vergütet worden.

Auch im Berichtsjahre fanden keine Schüler-Sonder- vorstellungen im Theater statt; doch wurden durch die Schule wieder mehrmals billige Karten für Konzerte

16

vermittelt. Die Kinovorführungen der städtischen Lichtbildzentrale wurden regelmäßig besucht. Die Schule besuchte auch einige öffentliche Filme, z. B. einen prächtigen Schweizer Film. Die OIII a übte ein kleines englisches Lustspiel ein und führte es vor den übrigen Klassen und fast der gesamten Schülerschaft der höheren und Mittelschulen Kassels unter allgemeinem Beifall mehrere Male auf.

Schulgeld, Freistellen, Erziehungsbeihilfen. Das Schulgeld betrug

im 1. Monat 2. Monat jedes Vierteljahrs

für Einheimische:

3. Monat

ohne Ermäßigung: 17, RM 17, RM 16, RM

mit 25% Ermäßigung: 12,50 RM 12,50 RM 12,50 RM

mit 50% Ermäßigung: 9, RM 8, RM 8, RM für Auswärtige:

ohne Ermäßigung: 21, RM 21, RM 20,50 RM

mit 25% Ermäßigung: 16, RM 16, RM 15, RM

mit 50% Ermäßigung: 10,50 RM 10,50 RM 10,50 RM

25%, 50% oder 100% Ermäßigung werden gewährt, wenn für ein, zwei, drei oder mehr andere ältere Kinder in Kassel oder anderswo Schulgeld bezahlt werden muß. Die Ermäßigung wird nur auf Antrag gewärt; als An- trag genügt eine Bescheinigung über den Schulbesuch der älteren Kinder. Der Antrag muß jedes Jahr wieder- holt und sofort nach Schulbeginn gestellt werden. Auf Ermäßigung des Schulgeldes haben auch die auswärtigen Schüler Anspruch. Für die Vergebung von Freistellen bestehen besondere Vorschriften. Vordrucke sind im Schreibzimmer der Schule zu haben. Die Gesuche müssen rechtzeitig bei der Schulverwaltung eingereicht werden. Den Schülern werden die Fristen frühzeitig mitgeteilt. Eine Freistelle wird immer neu für ein halbes oder ein ganzes Jahr bewilligt. Das Freistellengesuch muß also vor Ablauf dieser Zeit erneuert werden. Drei Schüler erhielten Erziehungsbeihilfen. Die Hilfsbücherei wurde wieder stark benutzt. Für die neue Arbeits- bücherei konnten leider im letzten Jahre nur geringe Mittel aufgewandt werden.

Der Ausschuß für Berufsberatung hat leider seltener raten und helfen können, als er wünschen muß. Doch konnte in manchen Fällen Auskunft gegeben werden. Die Merkblätter für Berufsberatung, die die Deutsche Zentralstelle für Berufsberatung der Akademiker im Ver- lag von Trowitzsch& Sohn in Berlin herausgegeben hat, wurden beschafft und den Schülern zugänglich gemacht. Die Angebote von Lehrstellen durch wirt- schaftliche Betriebe wurden an das Städtische Arbeitsamt und seine Berufsberatungs- und Stellenvermittlungsstelle weitergegeben.

3. Elternschaft und Schule.

Im Berichtsjahr fanden mehrere, gut besuchte Eltern- versammlungen statt. In der einen sprach Oberstudien- rat Fricke über das schwierige Problem der Schul- strafen. Er erörterte die Fragen: Müssen Schulstrafen sein? Straft die Schule richtig? Der Vortrag mit seinem Bekenntnis zu einer kindesgemäßen, in dem Verständnis für das Wesen des jungen Menschen und der Liebe zur Jugend wurzelnden Erziehung löste eine lebhafte Aus- sprache aus. In der zweiten Versammlung stand die

Steglitzer Schülertragödie zur Besprechung. Oberschul- lehrer Gersch legte in einem Vortrage die seelische Lage der heutigen Jugend dar und würdigte die Bedeutung des Steglitzer Ereignisses für Eltern und Erzieher. Uber beide Versammlungen berichtete auch die Presse so haben sie auch weitere Kreise anregen können. Klassen- Elternabende wurden verhältnismäßig häufig veranstaltet. Da die Schule keinen Raum hat, in dem eine größere Zahl von Menschen in ungezwungener Weise zusammen-