unversiegliche Schaffenslust. Ein feinsinniger Künstler und glücklicher Lehrer, öffnete er seinen Schülern Sinne und Seele für das Echte und Schöne und errang seinen Fächern Schätzung und Ansehen. Heiß mühte er sich um ein neues, frohes und freies Schulleben; er war seinen Schülern Kamerad und Freund, auf Wanderungen ein fröhlicher Gefährte, im Ruderverein ein eifriger Sportgenosse. Aufrichtig und gütig, hatte er aller Ver- trauen und Liebe. Uns Lehrern war der gerade und bescheidene, reine und lebensfrohe Mensch ein lieber Amtsgenosse und Freund. Erschüttert stehen wir an der Bahre des allzu früh Verschiedenen. Der Unersetz- liche wird uns immer unvergeßlich bleiben“.
Zum Gedenken an den Verstorbenen veranstaltete die Schule in Verbindung mit der Elternschaft am 7. Januar 1928 eine Trauerfeier im Schulsaale.
Ständiger Vertreter des Direktors war auch im Berichtsjahre Oberstudienrat Fricke. Sein Aufgaben- kreis blieb unverändert.
Der Lehrerausschuß bestand im Jahre 1927 aus den Studienräten Dr. Schläger und Dr. Bromm und Oberschullehrer Knöpfel.
Teilnahme am freiwilligen Unterricht:
(Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Winterhalbjahr).
Am Werkunterricht nahmen teil 65(68), am Kurz- schriftkursus 24, an der philosophischen Arbeitsgemein- schaft der OI 9(8), der Ul 12(13), an der deutsch- kundlichen Arbeitsgemeinschaft der UI 14(12), der kunst- geschichtlichen der Oberstufe25(24), an der neusprachlichen Arbeitsgemeinschaft der Ol und der UI 8(5), an den neusprachlichen Ubungen der UII 24(24), an den physi- kalischen Ubungen der OII 33(37), der OI a 21, der OIb 22, der UI 17(18) Schüler. Der Gruppe für Instru- mentalmusik gehörten 32 Schüler an. Außerdem bestand ein privater Kursus zur Einführung in das Griechische, an dem 10 Schüler der OII und der UI teilnahmen.
Schülerselbstverwaltung, Schülervereine, Aufgabenfreier Nachmittag, Wanderungen,
Schulsport, Gesundheitszustand usw.
Die Einrichtungen, die der Schülerselbstverwaltung dienen, haben im Berichtsjahre keine Veränderung er- fahren.(Schülerausschuß, Klassengemeinde, Schulge- meinde). Die Mitwirkung der Schülerschaft bei der Rege- lung des Schullebens und den Schulveranstaltungen ist längst selbstverständliche Gewohnheit geworden und ergreift erfreulicherweise immer weitere Gebiete.
Berater der Schülerschaft war wie im Vorjahre Oberstudienrat Fricke.
Das Leben in den Schülervereinen war recht rege.
Der Schülerturnverein zählte im Berichtsjahr 40 Mitglieder. Geübt wurde Sonnabends von 3—5 Uhr in der Turnhalle und auf dem Schulhofe. Neben den Ubungen des deutschen Turnens wurde auch das Wandern ge- pflegt. Der Verein wirkte bei mehreren Schul- und anderen Veranstaltungen mit, so beim Sommerfest der Schule im Park Schönfeld, bei der Abendunterhaltung in der Stadthalle und auf dem Begrüßungsabend des Verbandes deutscher Gasdirektoren(Bodengymnastik und Barren- turnen). In den Herbstferien wurde mit den 10 eifrigsten Turnern eine 7tägige Thüringenwanderung gemacht, die über Eisenach- Tambach-—Ilmenau- Schwarzburg nach Weimar führte. Das Jahresabturnen am 24. März in der
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Turnhalle gab dem Verein Gelegenheit, vor Lehrern, Eltern und Mitschülern seine Arbeitsweise und sein Können zu zeigen. Dem scheidenden Oberprimaner Wagner, der 2 Jahre mit Eifer und Geschick das Amt desVorsitzenden und Turnwarts versah, wurde am Schluß der Veranstaltung ein Erinnerungsbuch überreicht(ahns Leben und Wirken). Gleichzeitig erhielten die beiden eifrigsten Turner Stein und Trebing praktische Turnbücher.
Der Ruderverein stand auch im vergangenen Jahre unter dem Protektorat von Studienrat Quast. Seine 55 Mitglieder betrieben außer Rudern und Schwimmen auch Spiel und Leichtathletik auf dem Bootshausplatz. Der Bootspark bestand unverändert aus zwei Vierern und zwei Zweiern. Sowohl Wander- wie Rennrudern wurden eifrigst gepflegt. Für die befreundeten Vereine des Weser- Schüler-Ruder-Verbandes veranstaltete der Verein eine Pfingstfahrt Kassel-—Grifte—-Kassel— Hameln(195 km). Acht Ruderer unternahmen im Juli mit dem Protektor eine ereignisreiche Fahrt auf Neckar und Rhein von Heilbronn bis Düsseldorf(435 km). Da in diesem Jahre besonders gute Rennmannschaften zur Verfügung standen, wurden in größerem Maße auch auswärtige Regatten in Hameln, Offenbach und Hannover beschickt. In Offen- bach siegte der erste Vierer in der Besetzung See- bach, Ludolph, Mangçgold, Penndorf, Steuer- mann Leich gegen Vereine aus Frankfurt, Offenbach und Würzburg. Ein Doppelzweier und ein Anfänger- Vierer waren in Münden siegreich. Den Kilometer-Preis erhielt der Oberprimaner Hans Leich für 1268 zurück- gelegte Kilometer.
Beim An- und Abrudern sowie beim„Bunten Abend“ sah der Verein Lehrer, Eltern, Gönner und zahlreiche ehemalige Aktive bei sich zu Gaste.
Zu Beginn des Schuljahres gehörte der Verein so- wohl dem lokalen„Kasseler Schüler-Ruder-Verband“ wie dem„Weser-Schüler-Ruder-Verband“ an. Eine Satzungsänderung des Kasseler Verbandes, nach der dessen Vereine keinem anderen Verband angehören dürfen, stellte den Verein vor die Wahl, aus einem der beiden Verbände auszuscheiden. Er entschied sich für das Verbleiben im bedeutenderen Weserverbande, zumal er auch die Bande jahrelanger Freundschaft mit den Ver- einen des Weserstromgebietes nicht zerschneiden wollte.
Um dem Verein eine wirksame Hilfe sein zu können, schlossen sich 30 ehemalige Mitglieder zum„Altherren- Verband des Rudervereins am Realgymnasium II Kassel e. V.“ zusammen. Als erstes Zeichen tatkräftiger Unterstützung übernahm dieser Verein die noch auf dem Bootshause ruhenden Schulden.
An der Schule besteht eine starke und rührige Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Aus- lande. An der Pfingsttagung in Goslar nahmen 12 Schüler teil. Die Schulgruppe gründete ein Trommler- und Pfeifer- korps, das bei verschiedenen Veranstaltungen der Schule und der Ortsgruppe Kassel des V. D. A. mitwirkte. Ver- trauensmann der Schulgruppe war Studienrat Dr. Bromm.
Die Monatswanderungen fanden als Halbtags- und Tageswanderungen statt und führten in der Regel in die nähere oder weitere Umgebung der Stadt Kassel. Altere Klassen unternahmen auch mehrtägige Wanderungen nach entfernteren Orten und Gegenden. Eine Gruppe des Turnvereins wanderte sechs Tage durch Thüringen. Im Winter wurde der Wandertag vielfach zum Rodeln, Schneeschuhlaufen und Eissport benutzt. Wo es möglich war, wurden die Wanderungen mit Besichtigungen von industriellen Unternehmungen und kulturell bedeutenden Bauten verbunden.


