Jahrgang 
1927
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Schulgeld, Freistellen, Erzichungsbeihilfen

Das Schulgeld beträgt im 1. Monat 2. Monat 3. Monat

für Einheimische:

ohne Ermäßigung: 17, RM 17, RM 16, RM

mit 25% Ermäßigung: 12,50 RM 12,50 RM 12,50 RM mit 50% Ermäßigung: 9, RM 8, RM 8, RM für Auswärtige:

ohne Ermäßigung: 21, RM 21, RM 20,50 RM

mit 25% Ermäßigung: 16, RM 16, RM 15, RM mit 50% Ermäßigung: 10,50 RM 10,50 RM 10,50 RM

25,50 oder 100% Ermäßigung werden gewährt, wenn für ein, zwei, drei oder mehr andere ältere Kinder in Kassel oder anderswo Schulgeld gezahlt werden muß. Die Ermäßigung wlrd nur auf Antrag gewährt; als Antrag genügt eine Bescheinigung über den Schulbesuch

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der älteren Kinder. Der Antrag muß jedes Jahr wieder- holt und sofort nach Schulbeginn gestellt werden. Für die Gewährung von Schulgeldermäßigungen und Freistellen wird jetzt zwischen einheimischen und auswärtigen Schülern kein Unterschied mehr gemacht. Zwei Schüler erhielten Erziehungsbeihilfen. Die Hilfsbücherei konnte wieder erweitert werden und wurde stark benutzt. Eine Arbeitsbücherei ist im Auf- bau begriffen.

Berufsberatung. Im Berichtsjahre ist auf Veran- lassung der Schulbehörden vor verschiedenen überfüllten Berufen gewarnt worden; dagegen konnte den älteren Schülern mitgeteilt werden, daß das Studium der evan- Lelischen Theologie zur Zeit viel Aussicht auf baldige

nstellung bietet. Eine große Zahl wirtschaftlicher Betriebe bot Lehrlingsstellen an. Einer Anweisung des Unterrichtsministers entsprechend sind Schüler wie Arbeitgeber auf das städtische Arbeitsamt und seine Berufsberatungs- und Stellenvermittlungsabteilung auf- merksam gemacht worden.

3. Elfernschaft und Schule.

Im abgelaufenen Schuljahr haben zwei Elternver- sammlungen und mehrere Sitzungen des Elternbeirats stattgefunden. Die Elternschaft hörte einen Vortrag von Studienrat Dr. Bromm über die erziehliche, unter- richtliche und körperliche Betreuung ihrer Kinder während des Aufenthalts zweier Klassen im Spätsommer 1925

auf Sylt. Das Bedenken wurde zerstreut, daß durch solchen mehrwöchigen Kuraufenthalt der ordentlichen Beschulung Eintrag geschähe. Vom Elternbeirat und von der Elternschaft wurde u. a. Stellung genommen zur Erhöhung des Schulgeldes, zur Fürsorge für die Fahrschüler, zur Zulassung von Lehrerinnen in leitenden Stellen, zur Pflege der Leibesübungen in der Schule, zur Waldschulfrage und zu der Frage, ob wegen des Konfirmandenunterrichts Schulwanderungen für einzelne

Schüler oder Klassen gekürzt werden sollen. Der Eltern- beirat überzeugte sich durch eine Besichtigung des Gebäudes von den unhaltbaren Zuständen in der Schule und bat dieStadtverwaltung um eine gründliche Erneuerung der Baulichkeiten und die baldige Errichtung eines Neu- baues. Der Elternbeirat ist dem Ortsausschuß der Volks-, Mittel- und höheren Schulen für die Stadt Kassel beigetreten.

Die Sprechstunden der Lehrer wurden erfreulicher- weise im Berichtsjahre häufiger besucht als früher. Dagegen fanden sich zu den Klassenelternabenden leider meist nur wenige Eltern ein. Die Feste der Schule(Sommerfest auf der Dönche, Abendunterhaltung in der Stadthalle, Feiern des Rudervereins) fanden stets außerordentlichen Anklang bei den Eltern.

4. Gebäude, Schulhof, Lehr- und Lernmittel usw.

Auf Antrag der Schule wurde vom Stadtbauamt ein neuer Plan für bauliche Anderungen und Erweiterungen ausgearbeitet, um der Schule endlich wenigstens aus der schlimmsten Raumnot heraus zu helfen und die ärgsten Mängel abzustellen. Es zeigte sich jedoch, daß die notwendigen umfangreichen baulichen Neuerungen so kostspielig sind und dabei doch nur ganz ungenügende Hülfe bringen und weiter die schweren Mängel des Gebäudes in solcher Weise verschlimmern, daß die Vertreter des Bauamtes, der Schulverwaltung, des Gesundheitsamtes und der Schule zu dem einmütigen Beschlusse kamen, daß nur ein Schulneubau Rettung bringen könne. Dieser Ansicht schloß sich auch der Schulausschuß an, und die städtischen Körperschaften billigten den Bauplan der Stadtschulverwaltung, der auch

einen Neubau des Realgymnasiums II vorsieht. Hoffent- lich kann bald ein geeigneter Platz gefunden werden, damit der Bau beginnen kann! Im Berichtsjahre ist die Sprunggrube auf dem Schulhofe drainiert worden, so daß sie nun wieder und hoffentlich dauernd benutzbar ist. Die Sammlungen der Schule konnten wieder ergänzt werden. Von der Stadtschulverwaltung wurde der Schule eine schöne, aus der Lenoirschen Stiftung stammende Mineraliensammlung überwiesen. Leider verhindert die Raumnot eine günstige Aufstellung. Die Lehrer- und die Schülerbüchereien der Schule sind noch immer in ganz unzureichendem Zustande. Hoffent- neh konmen bald einmal größere Mittel für sie aufgewandt werden.

5. Chronik der Schule, besondere Einrichtungen, Neuerungen.

Um den vielen Schülern, die nach Erlangung der Reife für Obersekunda die Schule verlassen, eine größere Sicherheit im mündlichen Gebrauch der neueren Sprachen zu verschaffen, richtete die Schule zum ersten Male in den Untersekunden besondere Ubungsstunden ein, die sich gut bewährt haben. Die neuen Sexten begannen

wieder mit Englisch als erster Fremdsprache. Von den Abiturienten wurde in der Reifeprüfung von allen ein englischer Aufsatz verlangt; sie konnten jedoch wieder zwischen einer französischen und einer lateinischen Arbeit wählen. Die Reifeprüfung wurde zum ersten Male nach der neuen Prüfungsordnung abgehalten.