Der Schülerturnverein zählte im Berichtsjahre 40 Mitglieder. Er übte Sonnabends von 3—5 Uhr in der Turnhalle der Schule. 1. Turnwart des Vereins war auch in diesem Jahre der Obersekundaner Wagner, der mit Vorturnern der Olla die Übungsnachmittage leitete. Im Winterhalbjahr wurde in erster Linie das Fertigkeits- turnen an den Geräten gepflegt, im Sommerhalbjahr auch das volkstümliche Turnen. Reck- und Barrenriegen des Vereins beteiligten sich an den Schauvorführungen der Bannerwettkämpfe und des Schulsommerfestes. Besonders zu erwähnen ist die Mitwirkung des Vereins bei dem Unterhaltungsabend der Schüler in der Stadt- halle. Das Reckturnen und die gemischten Vyrtenme vom Federsprungbrett über Pferd und Kasten zeigten hohes technisches Können der beiden ersten Riegen.
Der Ruderverein bot seinen 70 Mitgliedern Gelegen- heit zum Rudern und Schwimmen, auf seiner großen Wiese auch zu Spiel und Leichtathletik. Der Verein nimmt auch schon Quartaner und Untertertianer auf, die zwar noch nicht rudern, dafür aber zu Lande und zu Wasser umso eifriger tollen. Auf der Kasseler Schüler- regatta siegte die Mannschaft Platte, Mangold, Ludolph, Penndorf, Steuermann Eberhard im zweiten Vierer gegen eine Mannschaft der O.-R. II, da- gegen kehrten wir von der Weserregatta in Münden wiée alle Kasseler Mannschaften ohne Siegespreis zurück. In den Pfingstferien beteiligte sich der Verein mit 11 Mitgliedern an der Verbandswanderfahrt des Weser- schülerruderverbandes nach Hameln; in den Sommer- ferien fuhren zwei Boote von Kassel nach Bremen (400 km); in den Herbstferien gelangten wir fuldaauf- wärts bis Melsungen. Den Kilometerpreis erhielt der Untersekundaner Kurt Platte für 1280 zurückgelegte Kilometer. An- und Abrudern, Sommerfest und ein wohlgelungener„Bunter Abend“ im März 1927 stellten die dringend notwendige Verbindung zwischen Verein, Lehrern, Eltern und Freunden her.
Der Verein ist als einziger der Kasseler Schüler- rudervereine durch den Weserschülerruderverband dem Deutschen Ruderverband angeschlossen.
Die Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslande erreichte im letzten Schuljahre eine Mitglieder- zahl von fast 500. Nach den Schriften des Vereins herrschte eine rege Nachfrage. In der Werbewoche des Vereins sammelten die Schüler in Bekanntenkreisen über 400 RM für das Hilfswerk. An dem Fackelzug anläßlich der Werbewoche nahmen etwa 300 Schüler teil, mehr als von irgend einer anderen Kasseler Schule. Eine Gruppe von 12 Sekundanern und Primanern nahm an der Herbstfahrt nach Wien teil, etwa 10 Schüler fuhren zur Pfingsttagung nach Hirschberg. Im Winter- halbjahr wurde ein Trommler- und Pfeiferkorps des V. D. A. an unserer Schule gegründet.
Wie in den letzten Jahren fanden die Monatswan- derungen als Halbtags- oder Tageswanderungen statt.
Sie führten in der Regel in die nähere Umgebung der
Stadt Kassel und wurden möglichst ohne Benutzung der Bahn durchgeführt. Einzelne— besonders ältere— Klassen unternahmen auch Fahrten und Wanderungen nach entfernteren Orten und Gegenden. Die UIlb durch- wanderte in zwei Tagen den Reinhardswald und in den Pfingstferien in vier Tagen das Werragebiet zwischen Meißner und Eisenach. Im Winter wurde der Wander- tag vielfach zum Rodeln, Schneeschuhlaufen und Eis- sport benutzt. Wo es möglich war, wurden mit den
anderungen Besichtigungen von industriellen Unter- nehmungen und kulturell bedeutenden Bauten verbunden.
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Alle drei Primen unternahmen längere Studienreisen nach landschaftlich interessanten und wirtschaftlich oder geschichtlich wichtigen Gegenden. Die Ol besuchte in der Zeit vom 11.—19. 6. Hamburg und Umgebung (das Alte Land), Lübeck und die Lübecker Bucht; die beiden Unterprimen fuhren am 26. Sept. nach Frankfurt, von wo sie ihre Studienreise nach Wiesbaden, Kloster Eberbach, durch den Rheingau, zum Niederwald, den Rhein abwärts bis Koblenz und das Lahntal zurück nach Kassel führte, wo sie am 30. Sept. wieder eintrafen.
Das Spielturnen fand am Mittwochnachmittag auf den Waldauer Wiesen und in der Hessenkamptbahn statt. Im Winter mußte es durch Turnen in der Turn- halle ersetzt werden. Des Spielturnens wegen wurden die häuslichen Aufgaben für Donnerstag erlassen.
Wie in den letzten Jahren wurde auch im Berichts- jahre den Schülern Gelegenheit gegeben, zum Frühstück warme Milch zu trinken. Bedürftigen und schlecht ernährten Kindern konnte die Milch auf Kosten der Stadt verabreicht werden.— Wenn der Gesundheitszu- stand der Schüler auch im allgemeinen befriedigte, so waren doch wieder Grippeerkrankungen auffallend häu- fig.— 13 Schüler wurden durch die städtische Jugend- fürsorge in Erholungsheime geschickt. Andere wurden von der Reichsbahn in Kurorten untergebracht. Einer größeren Zahl von]Jungen verschaffte das Gesundheitsamt der Stadt Kassel zu Beginn der Sommerferien billige Eisenbahnfahrt nach entfernteren Erholungsstätten.— Die gesundheitlich schlechteste Klasse, die Sexta a, war vom 16. August bis Ende September in der neu einge- richteten städtischen Waldschule Wilhelmshöhe. Das Ergebnis dieses ersten Versuches war sowohl in gesund- heitlicher wie unterrichtlicher und erziehlicher Hinsicht über alles Erwarten günstig.— Die Untertertia b war vom 1.—30. 6. im Hamburger Jugendferienheim Puan Klent auf Sylt. Nur die Opferwilligkeit der bemittelten Eltern, die ein Aufgeld für schlecht gestellte Kameraden ihrer Kinder zahlten, und die Hilfe des städtischen Jugendamtes und der städtischen Kriegshinterbliebenen- Fürsorge ermöglichten es, daß alle Schüler an der Reise nach Sylt teilnehmen konnten. Auch die Auswirkungen dieses Unternehmens waren nach jeder Richtung hin überaus erfreulich. Wir hoffen, künftig wieder mehrere Klassen nach Sylt schicken zu können.— Wie bisher so wurde auch im Berichtsjahre der Gesundheitszustand der Schüler vom Schularzt Herrn Dr. med. Steinhardt überwacht. 28 Rückenschwächlinge der unteren Klassen nahmen am Haltungsturnen teil, das zweimal wöchent- lich stattfand. Mit den Ergebnissen dieses Sonderturnens kann die Schule durchaus zufrieden sein.— Eine größere Zahl der jüngeren Schüler ließ sich in der städtischen Schulzahnklinik behandeln. Der jährliche Beitrag betrug wieder 1,50 RM.— Die gesamte Schule war bei dem Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland gegen Unfälle versichert. Es muß aner- kannt werden, daß die Vereinigung jeden Unfall in der entgegenkommendsten Weise vergütet hat.
Schüler-Sondervorstellungen fanden leider im Berichtsjahre nicht statt; doch konnten durch die Schule wieder häufig billige Karten zu Theater-Vorstellungen und Konzerten vermittelt werden.— Wie in den letzten Jahren besuchte die Schule auch regelmäßig die Kino- vorführungen der städtischen Lichtbildzentrale.— Die Ober- und die Mittelklassen hörten wieder Miß Heepe englische Dichtungen vortragen.— Dr. Ferrol sprach vof den Schülern über die Benutzung von Rechenvor- teilen!


