IV. Einfluß des Krieges auf die Schule.
Der Krieg übte auf alle Verhältniſſe der Schule den tiefgehendſten Einfluß aus. Das Lehrer⸗ kollegium, die Schule, der Unterricht, die techniſchen Fächer, alles erfuhr die Folgen des Krieges in weiteſtem Maße.
1. Das Lehrerkollegium der Anſtalt erlitt mannigfache Veränderungen durch die Ein⸗ berufung mehrerer Herren zum Kriegsdienſt Unmittelbar nach der Kriegserklärung verließen uns die zur Reſerve gehörenden Herren Kandidaten Appel, Dr. Hezel und Zippel. Herr Oberlehrer Dr. Freiling trat als Kriegsfreiwilliger in das Heer ein. Im Laufe des Auguſt wurden dann noch einberufen Oberlehrer Dr. Made, Realgymnaſiallehrer Lehmann und im Laufe des Winters Realgymnaſiallehrer Jahr, wiſſ. Hilfslehrer Wirbelauer, Zeichenlehrer Cohrs.
Außerdem ſtellten ſich die übrigen Herren, die früher dem Heere angehört, aber bereits ihren Abſchied genommen hatten, freiwillig wieder zur Verfügung. Es waren dies Direktor Schulte⸗Tigges, Profeſſor Dr. Krüger, Profeſſor Dithmar, Profeſſor Dr. Knatz, Profeſſor Dr. Kugel. Im ganzen ſind demnach von dem Lehrerkollegium 14 Herren zur Zeit im Heeresdienſt.
Für den Direktor, der als Oberleutnant und Adjutant bald nach dem Ausbruch des Krieges nach Rouſſelare in Belgien an die dortige Etappenkommandantur der 4. Armee verſetzt wurde, über⸗ nahm der Unterzeichnete das Direktoriat der Anſtalt.
2. Anderungen im Unterricht. Da zu Beginn des Krieges die Schüler der beiden Ober⸗ primen(außer einem erkrankten) und ein Teil der Unterprimaner die Notreifeprüfung ablegten, ſo konnten die Unterprimen vereinigt werden. Indem ſo drei Klaſſen eingingen, war für die zum Heeres⸗ dienſt einberufenen Lehrer zunächſt kein Erſatz nötig. Als dann im weiteren Verlauf des Schuljahres weitere Einberufungen erfolgten, wurden der Anſtalt vom Königlichen Provinzial⸗Schulkollegium folgende Herren überwieſen: der Probekandidat Dr. Maier in der letzten Hälfte des Auguſt, Seminarkandidat Spohr im November, Ende Januar bezw. Anfang Februar Probekandidat Laue und Seminarkandidat Dr. Noll. Teils durch Eintreten dieſer Herren, teils durch Zuſammenlegen von Klaſſen, Wegfall des Unterrichts im Schönſchreiben und Geſang ſowie Beſchränkung des Turnens wurde der Unterricht gedeckt. Außerdem übernahm Herr Zeicheninſpektor Lüttebrandt in dankenswerter Weiſe den Zeichen⸗ unterricht in den Klaſſen Olla, UIla, OIIl a, Ulll a, IVVa und Va.
So waren wiederholt Veränderungen in der Verteilung der Lehrfächer nötig. Die letzte Neugeſtaltung des Unterrichtsplanes erhellt aus der Überſicht Seite 6 und 7.
Von allen Fächern hatte das Turnen am meiſten unter dieſen Verhältniſſen zu leiden. Als im Herbſt die geſchloſſene Turnhalle mit Soldaten belegt wurde, mußten die Turnſtunden im Freien auf dem Schulhofe oder in der offenen Turnhalle Ahgchelton werden, ſoweit es das Wetter erlaubte. Zuweilen trat an die Stelle von Turnſtunden ein Turnmarſch. Im Januar wurde Realgymaſiallehrer Jahr⸗ der in ſieben Abteilungen den Turnunterricht erteilt hatte, ebenfalls zum Kriegsdienſt einberufen. a auch andere Herren, die bisher Turnen gaben, infolge neuer Einberufung von Lehrern zu anderem Unterricht herangezogen werden mußten, hörte der regelmäßige Turnunterricht mit 2 Wochenſtunden auf; nur die Klaſſen Sexta bis Quarta behielten wöchentlich je eine Turnſtunde.
Ebenſo erlitt der Unterricht durch andere Umſtände vielfach Unterbrechungen und Störungen.
Um bei der Ernte zu helfen, waren im Auguſt und z. T. anfangs September zahlreiche Schüler— über 90— auf dem Lande tätig.
Ferner verſahen eine Anzahl Schüler der Klaſſen Unterprima bis Quarta den Hilfsdienſt in mehreren Lazaretten.
Schließlich beteiligten ſich die Schüler bei der Reichswollwoche und beim Einſammeln von Gold für die Reichsbank; an unſerer Schule ſind etwas über 22 000 Mark geſammelt worden.
3. Prüfungen. Nach Ausbruch des Krieges meldeten ſich faſt alle Schüler der beiden Oberprimen und 6 Unterprimaner auf Grund der ergangenen Miniſterialverfügungen zur Reife⸗ prüfung, die vom 5. bis zum 17. Auguſt abgehalten wurde. Allen Prüflingen konnte das Zeugnis der Reife erteilt werden.


