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ſpäter wegen Lehrerwechſels und Zeitmangels nur von Zeit zu Zeit abgehalten. In O lll fanden bis zum Ausbruch des Krieges mikroſkopiſche Übungen ſtatt. Wie früher haben die ſtädtiſchen Behörden in dankenswerter Weiſe die Mittel für dieſe Übungen zur Verfügung geſtellt. Der botaniſche Garten bei Schönfeld liefert im Sommerhalbjahr die für den Unterricht nötigen Pflanzen.
An den franzöſiſchen Konverſationsſtunden nahmen im erſten Vierteljahr des Schuljahrs im ganzen 38 Schüler teil. Der Unterricht wurde in 6 Gruppen von dem franzöſiſchen Lehramtsaſſiſtenten Herrn Bernard gegeben. Da derſelbe Ende Juli Deutſchland verließ, fanden die Konverſationsſtunden mit dieſem Zeitpunkt ihr Ende.
7. Schulfeiern, Ausflüge, Ferien. Die Sedanfeier am 2. September fiel in dieſem Jahr aus, da naturgemäß der entbrannte Weltkrieg die Gedanken mehr auf die Gegenart richtete. Die Weihnachtsfeier wurde am Abend des 22. Dezember abgehalten; der brennende Weihnachtsbaum, Muſik⸗ und andere Vorträge machten die Feier erhebend und ergreifend. Von den in unſerer Schule einquartierten Soldaten waren 30 Mann unſerer Einladung zur Weihnachtsfeier gefolgt. Die Kaiſers⸗ geburtstagsfeier am 27. Januar, der Herr Provinzial⸗Schulrat Unruh und Herr Bürgermeiſter a. D. Jochmus beiwohnten, verlief in hergebrachter Weiſe; die Feſtrede hielt Herr Oberlehrer Lic. Bach. Von einer Abendunterhaltung wurde bei dem Ernſt der Zeit abgeſehen. Der 100. Geburtstag unſeres erſten Reichskanzlers Otto von Bismarck wurde am 29. März durch eine Schulfeier, beſtehend aus Vorträgen und einer Feſtrede von Herrn Oberlehrer Dr. Samſe begangen.
Die üblichen Turnfahrten wurden in dieſem Jahre am 23. Mai unternommen. Die Ziele der Turnfahrten waren für die Oberprimen der Kellerwald, für die Unterprimen Eiſenach und Um⸗ gegend, ebenſo für Ullb und O IIIb, ferner für O Ila ein Teil des Harzes(Lauterberg bis Walkenried), für OIlb der Bramwald(bei Lewenhagen), für UIla der Reinhardswald und Sababurg, für O Il a der hohe Hagen, für UIIl a die Eddertalſperre, für UIllb und c das Weſertal und Reinhardswald (Münden-— Hofgeismar), für Va der Meißner, für IVh der Bilſtein bei Großalmerode, für die Quinten der Dörnberg und für die Sexten der Habichtswald.
Die Schulferien fielen in die in dem vorigen Jahresbericht angegebenen Zeiten; nur wurden die Sommerferien wegen des Ausbruches des Krieges um eine Woche verlängert. Hitzefrei wurde in
dieſem Sommer zweimal gegeben. Für den Eislauf konnte nicht frei gegeben werden, da die Kälte jedesmal nur ſo kurz anhielt, daß Eisbahn nicht entſtand.
8. Schülervereine. Der an der Anſtalt beſtehende Turn⸗Ruder⸗Verein zählte im Sommer 47 Mitglieder. Nach Ausbruch des Krieges traten 21 Mitglieder als Freiwillige in das Heer ein und im weiteren Verlauf des Schuljahrs ſank die Mitgliederzahl auf 18. Der Ruderbetrieb wurde trotzdem noch ſo lange aufrecht erhalten, als es die Witterung erlaubte. Das Turnen mußte eingeſtellt werden, da die Turnhalle von der Heeresverwaltung belegt worden war. Der Verein ehemaliger Schüler des Realgymnaſiums ſchenkte dem Turn⸗Ruder⸗Verein 50 Mark, wofür auch an dieſer Stelle herzlichſt gedankt ſei. Von den im Kriege Gefallenen gehörten Walter Ziehe und Fritz Blum dem Turn⸗Ruder⸗
Verein an. Drei frühere Mitglieder erhielten das Eiſerne Kreuz: Robert Baetz, Heinrich Baetz und Hermann Brunn.
9. Ehemalige Schüler. Herr Dr. Schorr, Direktor der Hamburger Sternwarte, ein früherer Schüler unſerer Anſtalt, überſandte das Werk: Hamburgiſche Sonnenfinſternis⸗Expedition 1905. Als wiſſenſchaftliche Arbeiten früherer Schüler gingen ein: von Diplom⸗Ingenieur Dr. Karl Faure, Diſſertation über„Das Verhalten von Sicherungen bei Wechſelſtrom“, und Dr. Paul Schwanke, Diſſertation über„Unterſuchungen über Dampfdrucke binärer Gemiſche.“ Der Verein ehemaliger Schüler des Realgymnaſiums überwies unſerer Anſtalt von neuem den Betrag von 50 Mk., der für die Ausſchmückung der Schule verwandt wurde.
10. Verſchiedenes. Am 22. November und 3. Dezember hielt Herr Oberlehrer Mondon in der Aula des Realgymnaſiums einen Lichtbildervortrag über„Photographie in natürlichen Farben“ und einen Experimentalvortrag über„Die Grundlagen der drahtloſen Telegraphie.“ Beide Vorträge waren zahlreich beſucht, ſowohl von unſeren Schülern wie von Schülereltern und Freunden der An⸗ ſtalt. Der Reinertrag wurde zur Beſchaffung von Weihnachtsgaben für unſere Truppen verwandt.


