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Herr Oberlehrer Lic. Bach war vom 11. Mai an auf 6 Wochen beurlaubt, um ſeine angegriffene Geſundheit zu kräftigen; er wurde vertreten durch den Kandidaten des höheren Lehramts Erich Hintz. Gleichzeitig erkrankte Herr Oberlehrer Söhl und mußte bis zum 11. November dem Unterricht fern bleiben; vom 12. November an übernahm er zunächſt einen Teil ſeines Unterrichts, vom 2. Januar an konnte er wieder alle Stunden geben. Vertreten wurde er zunächſt teils durch die Lehrer der Anſtalt, teils durch die Kandidaten Fiſcher, Dr. Hezel und Zippel, ſpäter wurde uns zu ſeiner Ver⸗ tretung der Kandidat des höheren Lehramts Wilhelm Spohr überwieſen. Der Unterzeichnete, Profeſſor Dr. Schantz, wurde vom 5. Juni bis zum Beginn der Sommerferien(3. Juli) beurlaubt, um eine Kur in Bad Wildungen vorzunehmen; vertreten wurde er durch den Kandidaten Wiſſeler. Weiterhin erkrankte wenige Tage nach den Sommerferien Herr Profeſſor Menges ſo heftig, daß er bis Oſtern d. Is. ſeinen Unterricht ausſetzen muß; doch iſt zu hoffen, daß er nach Oſtern zu ſeiner Tätigkeit zurückkehren und ſeinen Unterricht wieder in alter Friſche aufnehmen kann. Seine Vertretung über⸗ nahm der Kandidat Dr. Maier.
Herr Profeſſor Dr. Kugel nahm im März 1914 an einem engliſchen Ferienkurſus in Göttingen und Herr Direktor Schulte⸗Tigges im April 1914 an einem mathematiſch⸗phyſikaliſchen Ferienkurſus, ebenfalls in Göttingen, teil. Herr Oberlehrer Dr. Hollſtein verbrachte die Sommerferien mit Unter⸗ ſtützung ſeitens der Stadt in England zu. Er war noch für weitere 14 Tage im Anſchluß an die Ferien beurlaubt, mußte aber bei Ausbruch des Krieges ſeine Reiſe abbrechen und zurückkehren.
4. Frühere Lehrer. Am 3. Mai 1914 feierte der frühere verdiente Lehrer des Real⸗ gymnaſiums, Profeſſor Dr. Hornſtein, ſeinen 80. Geburtstag in voller körperlicher Rüſtigkeit. Zu Ehren des Jubilars, der ſich nicht nur bei ſeinen früheren Kollegen und Schülern, ſondern auch in weiten Kreiſen der Bürgerſchaft großer Beliebtheit und großen Anſehens erfreut, veranſtaltete das Lehrerkollegium zuſammen mit dem Verein ehemaliger Schüler des Realgymnaſiums, deſſen Vorſtand Herr Profeſſor Dr. Hornſtein als Ehrenmitglied angehört, einen Kommers, der außerordentlich zahl⸗ reich beſucht war. Profeſſor Dr. Krüger feierte als früherer Schüler und Kollege den Jubilar in beredten Worten, der gerührt dankte. Muſik⸗ und andere Vorträge verſchönten den Abend, der von neuem zeigte, in welch ſchöner Harmonie das Lehrerkollegium unter ſich und mit den alten Lehrern und Schülern ſteht. Dem Herrn Jubilar aber wünſchen wir auch an dieſer Stelle einen langen und frohen Lebensabend.
Neben die Freude trat ſchnell die Trauer: am 29. Mai 1914 verſchied im 77. Lebensjahr Herr Profeſſor Dr. Hermann Siebert, der der Lehrerſchaft des Realgymnaſiums von Michaelis 1872 bis Michaelis 1904 angehört hatte. Mit reichen Gaben des Geiſtes ausgeſtattet, hat er ſich ſeinem Beruf ſtets mit der gewiſſenhafteſten Pflichterfüllung und Liebe gewidmet und hat hierdurch ſowie durch ſeinen frommen Sinn und ſeine nationale Begeiſterung allen ein ſchönes Vorbild gegeben.
5. Reviſionen, Prüfungen. Einer Inſpektion wurde die Anſtalt durch Herrn Provinzial⸗ Schulrat Unruh unterzogen. Zunächſt wohnte er dem Unterricht einer Anzahl Lehrer in den oberen und mittleren Klaſſen bei, im September ließ er den Beſuch der unteren Klaſſen folgen, um namentlich den Unterricht der Kandidaten kennen zu lernen. Am 26. Januar wohnte Herr Oberregierungsrat Dr. Pähler dem lateiniſchen Unterricht in den Untertertien bei.
Die Reifeprüfung für die Schüler unſerer Anſtalt, die ſonſt am Schluß des Schuljahres vorgenommen wird, fand diesmal infolge des Krieges ſchon im Auguſt 1914 ſtatt. vgl. Abſchn. IV.
Ferner beſtanden die Reifeprüfung die auswärtigen Prüflinge Viktor Baſtian und Heinrich Schwarzſchild, die Prüfung der Reife für Prima Albert Koſt und die Prüfung der Reife im Lateiniſchen für die Oberſekunda eines Realgymnaſiums die Prüflinge Bernhard Reichardt und Damian Rübſam. Die Prüfung über die wiſſenſchaftliche Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Dienſt beſtanden die Kriegsfreiwilligen Fritz Fiſcher, Fritz Köhler und Hermann Steiner.
6. Unterrichtsbetrieb. Die naturwiſſenſchaftlichen Schülerübungen nahmen auch in dieſem Schuljahr ihren Fortgang. In den Unterſekunden fanden von April bis Juni Übungen in der Naturkunde wöchentlich in einer Stunde ſtatt, wobei die Klaſſen in 2 Abteilungen getrennt waren. Phyſikaliſche Ubungen fanden wöchentlich je eine Stunde ſtatt in Oll und UI. Nebenher gingen freiwillige phyſikaliſche Übungen, wöchentlich je eine Stunde für UI und O Ila, in Ollb bis zum Beginn des Krieges, ſpäter mußten ſie in dieſer Klaſſe wegen Zeitmangels ausfallen. Chemiſche Übungen wurden in den Unterprimen und Oberſekunden bis zum Ausbruch des Krieges regelmäßig,


