Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

10

Alle genannten Vergünſtigungen ſind an die Vorausſetzung gebunden, daß die betr. Schüler tatſächlich zum Eintritt in das Heer angenommen worden ſind. Es genügt nicht, daß ſie bloß die Abſicht zum Eintritt zu erkennen geben. Wo begründeter Zweifel an der Militärtauglichkeit oder an der Abſicht, ſich zum Heeresdienſt zu melden, beſtehen, iſt die Aushändigung des Zeugniſſes von der tatſächlichen Einſtellung bei einem Truppenteile abhängig zu machen.(10. 8. 1914; 4. 9. 1914). Dagegen ſoll bei einmal beſtandener Notreifeprüfung ein beſonderer Vorbehalt weder bei der Aus⸗ händigung des Zeugniſſes gemacht noch in das Zeugnis aufgenommen werden.(16. 8. 1914).

Der Begriff der Militärtauglichkeit war urſprünglich auf die Felddienſttauglichkeit beſchränkt (10. 8. 1914), wurde aber ſpäter auch auf die freiwillige Krankenpflege im Etappengebiet ausgedehnt. Demnach gelten die Wſtirentaafn über Zulaſſung zur Notreifeprüfung auch für ſolche, welche die Berpflichrun zur Dienſtleiſtung als Krankenpfleger für die ganze Dauer des Krieges eingegangen ſind (22. 9. 1914).

Die militäriſche Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zuſtandes(Jugendwehr) betreffen mehrere Erlaſſe des Herrn Miniſters(16. 8. 1914; 4. 9. 1914; 30. 9. 1914; 9. 10. 1914). Folgende Punkte dürften beſonders auch für die weitere Offentlichkeit von Intereſſe ſein:

1. Die Jugendpflegevereine ſollen die Schüler vom 16. Lebensjahre an, die noch nicht in den Heeres⸗ dienſt eintreten durften, ſchon jetzt für den ſpäteren Dienſt im Heer oder in der Marine vorbereiten. Eine Beteiligung vor dem vollendeten 16. Lebensjahre iſt nicht erwünſcht.

2. Um den Schülern die Teilnahme an den Übungen der Jugendwehr zu erleichtern, ſollen die betr. Schüler vom Turnunterricht ganz oder teilweiſe befreit werden. Eine Befreiung von anderen Unterrichtsſtunden iſt nicht ſtatthaft, wohl aber kann die Schule bei Bemeſſung der häuslichen Arbeiten darauf Rückſicht nehmen.

3. An den bereits beſtehenden Jugendpflege⸗Organiſationen ſoll nicht gerüttelt werden.

III. Schulgeſchichte.

1. Königliches Provinzial⸗Schulkollegium. Das Realgymnaſium ſtand wie im vorigen Schuljahre unter dem Dezernat des Herrn Provinzial⸗Schulrates Unruh.

2. Verwaltungs⸗Kommiſſion des Realgymnaſiums. Aus der Verwaltungs⸗ Kommiſſion ſchied anfangs Januar 1915 Herr Bürgermeiſter a. D. Jochmus aus, der dieſer Kommiſſion lange Jahre angehört und unſerer Schule ſtets großes Wohlwollen bewieſen hat. An ſeine Stelle trat für die Dauer des Krieges Herr Oberbürgermeiſter Koch.

3. Lehrkörper der Anſtalt. Oſtern 1914 ſchieden aus dem Lehrerkollegium endgültig aus die Kandidaten des höheren Lehramts Dr. Ritter, um einer Berufung als Oberlehrer an die Oberrealſchule in Magdeburg Folge zu leiſten, und Dr. Ullrich, der eine Oberlehrerſtelle an der Helmholtz⸗Realſchule in Frankfurt a. M. übernahm. Herr Dr. Melchers, der Leiter der deutſchen Schule für Chineſen in Tſinanfu, war auch während des ganzen Schuljahres 1914/15 beurlaubt, ebenſo Herr Werr, der die Leitung der hieſigen Wenderhold'ſchen Privatſchule weiter führte, und Herr Martin zur Übernahme unterrichtlicher Tätigkeit an Vilmars Inſtitut in Melſungen. Herr Appel blieb nach Beendigung ſeines Probejahres dem Realgymnaſium weiter zugeteilt, war aber für das ganze Sommerhalbjahr zu wiſſenſchaftlichen Studien beurlaubt. vgl. Abſchn. IV. Neu traten in das Lehrerkollegium ein die Kandidaten des höheren Lehramts Erich Fiſcher und Dr. Karl Heilig, der der Anſtalt zur Ablegung des Probejahres überwieſen wurde, ſowie der franzöſiſche Lehramtsaſſiſtent Charles Bernard.

Die Seminarkandidaten Dr. Hezel und Zippel traten bei Ausbruch des Krieges ſofort in das Heer ein, dem ſie noch angehören. Anfangs Juni wurde Herr Fiſcher dem Gymnaſium in Eſchwege überwieſen und der Probekandidat Dr. Heilig am Schluß des Sommerhalbjahres an die hieſige Ober⸗ realſchule II verſetzt.

Im Auguſt und den folgenden Monaten traten als Erſatz für die zum Herresdienſt einberufenen Lehrer ein die Kandidaten Dr. Maier, Haas, Spohr, Laue und Dr. Noll. Vorübergehend gehörten dem Lehrerkollegium noch an die Kandidaten Hinz und Wiſſeler.