Jahrgang 
1912
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ihrer würdiges neues Heim erhalten hat. Wenn wir ehemaligen Schüler auch nicht mehr so eng mit der Schule verbunden sind wie früher, so nehmen wir doch innigen Anteil an ihrem Werdegang. Wir, die wir teilweise noch die alten Räume in der Wolfsschlucht gekannt haben, sind stolz darauf, dass die neue Schule heute als ein stolzer und schöner Bau emporstrebt. Wir wünschen, dass auch in den neuen Räumen der Anstalt dieselben Erfolge beschieden sein mögen wie früher, um eine Bildungsstätte zu bleiben, der viele ihr geistiges Rüstzeug verdanken. Um aber auch durch ein äusseres Zeichen unsere Liebe und Dankbarkeit zu

bekunden, haben wir der Schule, einem uns bekannt gewordenen Wunsche entsprechend, einen Projektions- apparat gestiftet, der hoffentlich der Schule bei den verschiedensten Unterrichtsgegenständen ein schätzens- wertes Hilfsmittel sein wird. Der Apparat hat einstweilen im Lehrzimmer Aufstellung gefunden. Es ist eine stolze Freude für uns, dass unser ehemaliger Mitschüler Prinz Heinrich von Preussen, Königliche Hoheit, als einer der ersten mit dem Wunsche an uns herangetreten ist, seiner Dankbarkeit durch einen Beitrag zu dem Geschenk Ausdruck zu verleihen. Wir ehemaligen Schüler denken an die schöne Schulzeit stets lebhaft zurück und werden auch durch die Tat die Bestrebungen der Anstalt jederzeit unterstützen. Mögen recht viele Schüler ihr gestecktes Ziel erreichen, auf dass sie nach Verlassen der Schule ihrer stets mit der gleichen Liebe und Treue gedenken, wie wir es stets getan und hiermit zum Ausdruck ge-

bracht haben.

Der ChoralSei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, von dem Chor stimmungsvoll vor- getragen, schloss diesen Teil der Feier ab. Den zweiten Teil leitete ein Festgedicht ein, das von Herrn Professor Dr. Fuckel verfasst, von dem Unterprimaner Bangert mit Wärme vorgetragen

wurde. Es hatte folgenden Wortlaut:

Sei uns gegrüsst mit deinen stolzen Hallen, gewalt'ger Bau, zum Himmel ragend' Haus! Hell sollen dir die Jubellieder schallen, die froh bewegte Seele strömt sie aus!

Der lang ersehnte Weihetag, der hehre, erschien zu künden deine Pracht und Ehre.

Weithin erprangt dein Dach in alle Lande! Es schaut hinüber zu dem Waldesdom und zu dem blitzend lichten Silberbande, das um die Berge flicht der Heimatsstrom; wo wir auch rings die grünen Höh'n ersteigen,

stets wird des Wandrers Blick dein Bild sich zeigen.

Du bleibst ein Ehrendenkmal den Erbauern, der Stadt, die dies erhabne Werk vollbracht, geschaffen jeden Sturm zu überdauern, der dich umbraust in wilder Wetternacht. Dank sei des Opfersinnes edler Tugend, die solches schuf im Dienste uns'rer Jugend!

Du siehst an dir vorbei die Strasse leiten hinauf in jenes Waldesparadies, das einst in längst entschwund'nen Glanzeszeiten ein hoher Herrschergeist erwachen liess. Wie manches Hessen Herz mag höher schlagen, sieht er von dir das Riesenschloss dort ragen!

Nun strömen froh zu deinen offnen Pforten die jungen Scharen dichtgedrängt herbei, und suchen in des Wissens ernsten Worten die Bildung, die allein das Herz macht frei und richtet auf das Gute, Schöne, Wahre, das einzig bleibt im ew'gen Strom der Jahre.

Zwei Welten öffnen ihnen hier die Tore: der Weisheit Quell, des Altertumes Geist, und lebensprühend spricht zu ihren Ohren und Sinnen, was die Gegenwart verheisst, die Neuzeit, die zum schaffensfrohen Leben die reichsten Schätze auf den Weg will geben.

Doch was das stärkste ist der festen Bande, was uns verkettet bis zum letzten Haueh: die Liebe zu dem grossen Vaterlande, zu echtem deutschen Wesen, deutschem Brauch, das soll auch hier des Wirkens Wurzel heissen, die keine Macht der Seele kann entreissen.

Hier an der Schwelle eines neuen Lebens zu dir wir lenken gern zurück den Blick, du nun verlass'ne Hausung heissen Strebens, darin so manch' Geschlecht trug sein Geschick, seit du erstandst in schweren Kriegestagen, da Siegesfreude stritt mit Totenklagen!

So möge denn des Höchsten milder Segen auf dieser neuen Bildungsstätte ruh'n, und vollste reinste Menschlichkeit zu pflegen sei ihr das erste Ziel in allem Tun! Dann werde wahr, was kühn der Mund verkündet: Dies Werk sei für die Ewigkeit gegründet!