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Arnolt, der die Pläne entworfen und die Arbeiten überwacht hat, ferner allen anderen beteiligten Beamten den Werkführern und ihren Arbeitern, durch die der Bau zur glücklichen Vollendung gediehen ist, nicht minder aber auch Herrn Direktor Schulte-Tigges, der von Anfang an stets dem Stadtbauamt seinen schulfach- männischen Rat und seine praktischen Vorschläge zur Verfügung gestellt hat, sodass fast alle seine Wünsche berücksichtigt werden konnten.
Und nun, verehrter Herr Direktor, übergebe ich die Schule ihrer Bestimmung. Möge sie die Schüler vorbereiten für den ernsten Kampf des Lebens, der immer schwerer und heisser sich gestaltet. Möge es Ihnen beschieden sein, die Ihnen anvertraute Jugend in der Erkenntnis des Sehönen und Guten weiterzubilden und sie mit den Gütern der Wissenschaft und Herzensbildung auszurüsten, die sie befähigen, siegreich den ernsten Kampf zu bestehen. Mögen die Schüler aber auch gleichzeitig zur unwandelbaren Treue gegen Kaiser und und Reich und zur Liebe für Vaterland und Heimat erzogen werden, damit sie zu tüchtigen Männern heran- reifen und brauchbare Glieder des Staates und der Gemeinde werden. Das Realgymnasium möge weiter blühen und gedeihen und allezeit eine rege und segensreiche Wirksamkeit haben.
Alsdann richtete Se. Exzellenz Herr Oberpräsident Hengstenberg an die Versammlung die folgenden Worte: Verehrte Festversammlung!
Die Zeit liegt noch nicht weit zurück, da im Kampfe der Meinungen über die Zukunft der ver- schiedenen höheren Lehranstalten die Ansicht der Sachverständigen vorherrschte, dass die humanistischen Gymnasien einerseits und die Oberrealschulen andererseits zur Erzielung des Zweckes höherer Lehranstalten Genüge leisteten und dass für die ein Mittelglied bildenden Realgymnasien eine Existenzberechtigung nicht bestehe. Unter dem Druck dieser Auffassung hat, wie schon erwähnt wurde, auch das Realgymnasium in Cassel zu leiden gehabt. Nachdem aber die Anerkennung der Gleichheit aller drei Lehranstalten im Jahre 1900 ausgesprochen worden war, hat es einen erfreulichen Aufschwung genommen, sodass es jetzt hinsichtlich der Zahl der Schüler in der Provinz Hessen-Nassau an erster Stelle steht. Es ist daher kein Wunder, dass die Räume des alten vor 40 Jahren gebauten Schulhauses zu eng geworden sind und sich der Wunsch von Lehrern und Schülern nach mehr Licht und Luft fühlbar gemacht hat. Dem Wunsche der Schulverwaltung nach einer räumlichen Erweiterung des alten Baues und einer besseren Einrichtung des Unterrichtsbetriebes haben die städtischen Behörden Folge geleistet, indem sie reiche Mittel zu diesem Bau an bevorzugtem Platze bewilligt haben. Der Prachtbau ist ein vollgültiger Beweis für die Fürsorge der Stadt Cassel den Schulen gegenüber. Sie betrachtet es als ihre besondere Aufgabe, für die ihr anvertraute Jugend Lehranstalten zu schaffen, die ihrer äusseren und inneren Einrichtung nach als mustergültig anzusprechen sind. Den Dank der Schulverwaltung für die neueste Bekundung opferwilligen Interesses aus- zusprechen und gleichzeitig die Glückwünsche des Provinzial-Schulkollegiums für die glückliche Vollendung des Neubaues zu übermitteln, ist für mich ein warm empfundenes Bedürfnis. Der heutige Tag ist aber zu gleicher Zeit auch ein Freudentag für den verdienten Leiter der Anstalt und das gesamte Lehrerkollegium, die in den neuen weiten Räumen eine Arbeitsstätte finden, wie sie vollkommener kaum gedacht werden kann. Möge aus den verlassenen in die neuen Räume der Geist vorbildlicher Pflichttreue und warmer Berufsfreudigkeit übersiedeln, der allein das Ziel im Auge hat, der ihr anvertrauten Jugend nicht nur in ernsten wissenschaftlicher Arbeit das Rüstzeug für den künftigen Beruf zu geben, sondern sie auch mit der Bildung des Herzens auszustatten, die allem Tun und Streben erst die rechte Weihe und Freudigkeit verleiht. Möge in diesem Hause eine Jugend zu Männern heranreifen, die an Wissen und Pflichtgefühl, an Tüchtigkeit und Charakterfestigkeit die Hoffnungen erfüllt, die das Vaterland zu stellen berechtigt ist.
Eine besondere Freude ist es auch für mich, verkünden zu dürfen, dass Seine Majestät der Kaiser und König in Würdigung der Bedeutung dieses Tages und in Anerkennung geleisteter Dienste eine Reihe von Auszeichnungen zu verleihen geruht hat: den Roten Adlerorden den Herren Direktor Schulte-Tigges, Stadtsyndikus Brunner, Professor Dr. Schantz und Professor Völler; den Kronenorden den Herren Lehrer Erdmann und Stadt-Obersekretär Heyne; das allgemeine Ehrenzeichen den Herren Stadtbauwart Jungmann und Schuldiener Brunn.
Uber der Anstalt aber, über ihren Lehrern und Schülern walte auch in dem neuen Heim allezeit Gottes Schutz und Segen!
Im Anschluss daran brachte der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Schüler des Real- gymnasiums, Herr Brauereidirektor Wentzell, der Schule die Glückwünsche des Vereins mit folgenden Worten dar:
Hochverehrte Anwesendel. Namens der ehemaligen Schüler der Anstalt und im besonderen Auftrage des Vereins ehemaliger Schüler des Realgymnasiums gestatte auch ich mir, zu dem heutigen frohen Tage die herzlichsten Glück- wünsche auszusprechen und unserer Befriedigung darüber Ausdruck zu verleihen, dass die Schule heute ein


