Zum ersten Male in der Provinz fand vom 16. bis 18. November eine Konferenz der Direktoren sämtlicher höheren Knabenschulen der Provinz hier in Cassel statt, der auch der unterzeichnete Direktor beiwohnte. An einem archäologischen Ferienkursus, der vom 20. bis 27. April 1911 in Berlin abgehalten wurde, nahm Herr Professor Dr. Knatz teil, an einem Kursus für Gesanglehrer in Cöln vom 6. bis 18. November der Gesanglehrer der Anstalt, Herr Lehmann. Oberlehrer Dr. Made brachte die Sommerferien und noch weitere 14 Tage mit Unter- stützung seitens der Stadt in Frankreich zu. Die Hauptversammlung des Philologen-Vereins der Provinz fand diesmal am 7. und 8. Juni in Cassel selbst statt und wurde daher von allen in Betracht kommenden Mitgliedern des Lehrerkollegiums besucht.
2. Schüler. Am 19. Dezember starb durch eigene Hand der Schüler der O IIa Ferdinand Dithmar. Da die äusseren Umstände in keiner Weise zu einer solchen Tat drängten, der Schüler andererseits seit seinem Eintritt in die Anstalt zu Ostern 1910 stets ein eigentümlich verschlossenes Wesen zur Schau getragen hatte, so lag die Annahme nahe, dass sich seiner eine Geistesverwirrung bemächtigt hatte, die ihn nicht mehr klar und vernünftig urteilen liess, wie dies denn auch durch die eingehenden Ermittelungen bestätigt wurde. Infolgedessen konnte am 23. Dezember in seiner Heimat Homberg die Beerdigung mit allen kirchlichen Ehren statt- finden, an der sich ausser Herrn Professor Dithmar eine Reihe von Schülern der oberen Klassen beteiligten.
3. Revisionen, Besichtigungen, Prüfungen. Eine Inspektion des Unterrichts fand am 8. und 9. Januar durch Herrn Provinzial-Schulrat Kanzow statt. Dem lateinischen Unterricht in mehreren Reformklassen wohnte am 25. Juni eine Herzoglich Braunschweigische Kommission, bestehend aus den Herren Geh. Hofrat Professor Dr. Fricke, Gymnasial-Direktor Professor Dr. Hildebrandt und Oberschulrat Dr. Brandes, bei. Das neue Schulgebäude mit seinen Einrichtungen wurde vielfach in Augenschein genommen, so bei der Einweihung(siehe unten) und nach der Sedanfeier von den Eltern der Schüler, am 9. Dezember von dem hiesigen Pädagogischen Verein und am 9. März von dem Verein ehemaliger Schüler des Realgymnasiums.
In der Herbstreifeprüfung, in der Herr Provinzial-Schulrat Kanzow den Vorsitz führte, bestand am 4. September ein Oberprimaner. Bei der mündlichen Reifeprüfung im Ostertermin wirkte am 1. März als Königlicher Kommissar wiederum Herr Provinzial-Schulrat Kanzow, am folgenden Tage der Direktor. 22 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Reife, 7 von ihnen unter Entbindung von der mündlichen Prüfung. An beiden Prüfungen nahm als Vertreter des Magistrats Herr Stadtschulrat Bobritz teil.
Am 1. April 1911 wurde die Reifeprüfung von Heinrich Sauer aus Arolsen mit Erfolg abgelegt, am 4. Mai die Ergänzungsprüfung im Lateinischen von Theodor Bauerschmidt aus Godesberg und Fritz Schmidt aus Jena.
4. Umwandlung der Anstalt, Schulbetrieb. Von Ostern an wird ausser den sämtlichen unteren und mittleren Klassen auch eine der beiden Obersekunden nach dem Lehrplan des Reformrealgymnasiums unterrichtet werden. In diese Obersekunda(O II a) werden nämlich die aus den beiden Reform-Untersekunden versetzten Schüler, soweit sie auf der Schule bleiben, eintreten. Die andere Obersekunda(O II b) wird dagegen noch nach dem alten. Lehrplan unterrichtet werden, da sie die in den jetzigen Obersekunden zurückbleibenden, die aus der UIIc aufsteigenden und die von auswärts hinzukommenden Schüler umfassen wird.
Mit der Ubersiedelung in das neue Gebäude wurde zugleich der Beschluss des Lehrer- kollegiums in die Tat umgesetzt, den Schülern in gewissen Grenzen eine Selbstverwaltung zu gewähren. Demzufolge wählen die Klassen dreimal im Jahre je drei Vertrauensmänner, denen gewisse Rechte und Pflichten zustehen. Uber die Gesamtwirkung der neuen Einrichtung lässt sich noch kein sicheres Urteil fällen; jedenfalls liegen keineriti ungünstige Erfahrungen vor. Die Vertrauensmänner der oberen Klassen waren auch tätig bei der Verwaltung von Hand-


