III. Schulgeschichte.
1. Lehrkörper der Anstalt. Ostern 1911 schied Oberlehrer Dr. Waldeck aus dem Lehrkörper der Anstalt aus, um eine Oberlehrerstelle an der höheren Schule in Bexhill on Sea in England zu übernehmen. Seine Stelle wurde bis zum Herbst von dem Kandidaten des höheren Lehramts Reinhold Zickel verwaltet, der damit zugleich die erste Hälfte seines Probejahres ablegte und für die zweite Hälfte dem Realgymnasium in Wiesbaden überwiesen wurde, während der neu gewählte Oberlehrer Dr. Hoernecke*) alsdann in die frei gewordene Oberlehrerstelle einrückte. Auch der Kandidat des höheren Lehramts Wilhelm Appel wurde dem Realgymnasium zu Ostern zur Ableistung seines Probejahres zugeteilt, war aber bis zu den Sommerferien grösstenteils infolge einer militärischen Dienstleisung abwesend und ging am 22. August zur Vertretung eines erkrankten Oberlehrers an die Realschule in Geisenheim über, von wo er nach Ablauf der Herbstferien zurückkam. Die französischen Konversationsübungen übernahm von Ostern an der französische Lehramtsassistent Léon Jobard, der jedoch bereits Anfang November in seine Heimat zurückkehrte.
Im Herbst verliessen die Anstalt der wissenschaftliche Hilfslehrer Wilhelm Brenken, um einem Ruf als Oberlehrer an das Kaiser Friedrich-Gymnasium zu Homburg v. d. Höhe zu tolgen, und die Seminarkandidaten Fahrenholz und Wetzell, die zur Ableistung des Probejahrs an das Progymnasium zu Hofgeismar bezw. das Wülhelmsgymnasinm zu Cassel übergingen. Die wissen- schaftliche Hilfslehrerstelle wurde durch den Kandidaten des höheren Lehramts Dr. Josef Kron besetzt, und es traten neu ein die Seminarkandidaten Dr. Eduard Koch und Theodor Mensinger, sowie zur Ablegung des Probejahrs Dr. Wilhelm Hornschu.
Vorübergehend zu Vertretungen waren an der Anstalt tätig der Kandidat des höheren Lehramts Hans Werr, der zugleich mit Herrn Appel im August und September den längere Zeit beurlaubten Herrn Professor Grebe vertrat, und die Kandidaten Kimpel und Sauer, die mit der Vertretung und späteren Entlastung des gleichfalls erkrankten und beurlaubten Oberlehrers König beauftragt waren. Auch der Unterzeichnete sah sich genötigt, zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen vierwöchigen Urlaub in Anspruch zu nehmen.
Herr Oberlehrer Dr. Kugel wurde am 15. Dezember 1911 zum Professor ernannt und erhielt kurz darauf den Rang der Räte vierter Klasse. Herr Professor von Hanxleden wird uns zu Ostern d. Js. verlassen, um die Leitung der neu gegründeten Realschule hierselbst zu über- nehmen. Wir sehen den verdienten Amtsgenossen ungern scheiden, freuen uns aber seiner Beförderung und geben ihm mit bestem Dank für die seit 4 ½ Jahren geleisteten treuen Dienste unsere herzlichsten Glück- und Segenswünsche mit auf den Weg.
Am 23. Juli starb nach längerem Leiden der frühere Lehrer am Realgymnasium, Herr Jürgens, der erst im vorigen Jahre nach langjährigem Wirken an der Anstalt in den Ruhestand getreten war. Die in den Ferien anwesenden Mitglieder des Lehrerkollegiums gaben ihm das letzte Geleit, und der Direktor gedachte der ehrenden Eigenschaften des Verstorbenen in der ersten Andacht nach den Sommerferien, insbesondere seiner Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue mit herzlichen und dankbaren Worten.
*) Willy Hoernecke, geboren den 15. September 1886 zu Croppenstedt, Kreis Oschersleben, bestand die Reifeprüfung am Domgymnasium zu Halberstadt und widmete sich dann hauptsächlich germanistischen und geschichtlichen Studien auf den Universitäten Halle und Berlin. In Halle bestand er im Mai 1909 die Prüfung für das höhere Lehramt und legte darauf sein Seminarjahr am Gymnasium zu Stendal, das Probejahr an der Kloster- schule(Gymnasium) Rossleben ab. Die philosophische Doktorwürde erwarb er im Oktober 1908 an der Universität Halle. Druckschrift: Albrecht I. und die Kurfürsten.(Dissertation). 1908.


