Jahrgang 
1909
Einzelbild herunterladen

. 23

Nun auch dem ferner Stehenden wurde es bald klar, dass man es hier zu tun hatte mit einem Manne, dessen umfangreiches und tiefes Wissen und dessen hervorragendes Lehrgeschick Hochachtung erheischte. Und wenn sein scharfer, durchdringender Verstand, wie so oft, in verwickelten Fragen schnell des Wesens Kern erfasste, da ward seine Stimme im Rat gerne und dankbar gehört.

Mit diesen reichen Geistesgaben aber vereinigte sich ein fester Wille und ein Pflichtbewusstsein. die seiner Tätigkeit erst den vollen Erfolg sicherten. Und Gott gab dazu seinen sichtlichen Segen. Er legte eine echte und rechte Freude an seinem Beruf in sein Herz, wie denn unser lieber Freund auf dem Sterbebette bekannte, er sei so gerne Lehrer gewesen. Selbst aus den schweren Erkrankungen, die ihn im letzten Jahrzehnt heimsuchten und ihn so oft an den Rand des Grabes brachten, rettete er stets die Freude an seiner Lehrtätigkeit und seinen freundlichen Humor, ein Erbteil seiner mecklen- burgischen Heimat. Und wie sein Leben, so war auch sein Sterben. Wer wie er mit Goethe das schönste Glück des denkenden Menschen darin fand, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren, der konnte ruhig und gefasst dem Tode ins Antlitz schauen, der konnte seinen Geist getrost dem allmächtigen Gott befehlen, der ihm selber so oft Trost verliehen, wer wie er so selbstlos und unermüdlich für andere gewirkt, von der engeren Gemeinschaft, der er angehörte, bis zu den weitesten Kreisen seiner Standesgenossen, wer sich sagen durfte, stets das Beste gewollt und erstrebt zu haben, der konnte auf dem Sterbelager im Frieden der Seele mit Liebe und Dankbarkeit derer noch gedenken, die ihm im Leben nahe gestanden hatten, seiner Freunde, seiner Amtsgenossen, seiner Schüler.

So steht sein Bild vor unsern Augen: ein guter Mensch und ein gottbegnadeter Lehrer. Wir aber wollen sein Andenken in Ehren halten; an seinem Geist wollen wir uns aufrichten, wenn Verzagt- heit uns niedergeworfen, sein heldenmütiges Beispiel möge uns vor Augen stehen, wenn uns selbst des Todes Fittiche umrauschen, auf dass auch wir mit dem frommen Psalmsänger rufen können: Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele ver- schmachtet, so bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Des treffenden Urteils wegen finde auch noch ein Nachruf von unbekannter Seite in der Casseler Allgemeinen Zeitung Aufnahme:

In ihm ist ein Mann von besonderem Schlage, eine Persönlichkeit dahin gegangen, in der sich Eigenschaften des Geistes und Charakters in ausserordentlich glücklicher, segenbringender Weise ver- einigten. Wenn schon der Umfang, die Tiefe und Gründlichkeit seines Wissens Hochachtung abnötigten, so ragte er doch durch die Schärfe und Klarheit seines Geistes in besonderer Weise hervor. Seinem Blicke entging nichts auf dem Gebiete, das er bearbeitete, sein Ohr vernahm alle Regungen, er hielt in seiner Hand alle Fäden, so dass, wenn er zum Urteilen, zum Reden, zum Handeln kam, er mit Not- wendigkeit überzeugte und mit Sicherheit Erfolge erzielte. Und mit diesen Eigenschaften schlossen die Vorzüge des Charakters den beglückendsten Bund. Geradheit und Natürlichkeit, Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit waren die Grundzüge seines Wesens. Er war ein gediegener Mann voller Kraft und Festigkeit. Dieses Zusammen von Vorzügen trat zu Tage in der Vornehmheit, Ruhe und Sicher- heit seines Auftretens und fand einen Ausdruck in dem treffsicheren, gemütvollen Humor, der ein be- sonders hervorstechender Zug in ihm war. Ein Mann von solchen Fähigkeiten und solchem Wissen musste Vertrauen erwecken. Er war wie geschaffen dazu, dass andere ihm ihre Sache anheim stellten. Wem hätte man die Führung der Jugend lieber anvertraut als ihm? In seiner Persönlichkeit lag der tüchtige Lehrer und der vorbildliche Erzieher. In ihr lag auch der prächtige Amtsgenosse und Mit- arbeiter, der Verehrung und Vertrauen in gleichem Masse genoss wie Liebe und Freundschaft, die der stets Wahre mit offenem Herzen und in heiterer Natürlichkeit erwiderte. Die ganze Kraft seiner Persönlichkeit zu entfalten, dazu ward ihm Gelegenheit als Vorsitzenden des Philologenvereins für Hessen-Nassau und Waldeck. Als diese Stelle 1906 neu besetzt werden musste, da richteten sich sofort die Augen derer, die Dr. Peters kannten, auf ihn. Und die ihn am besten kannten, die am häufigsten in Amt und Verkehr in Berührung mit ihm kamen, die traten am wärmsten für ihn ein. Was Peters in der verhältnismässig kurzen Zeit für den Verein getan, das lebt fort in der dankbaren Erinnerung seiner Berufsgenossen, das steht in der Geschichte des Vereins mit so leuchtenden Buchstaben, wie das, was vor ihm in längerer Amtsführung an derselben Stelle der unvergessliche, verdienstvolle Direktor Wittich gewirkt. Wenn auch die Lage der Dinge dem Vorsitzenden manchen Kampf um äussere und materielle Güter aufnötigte, so leuchtete doch aus Dr. Peters Wirken, aus jeder seiner