Festabend bereits über 500) Mark; an der Spitze der Spender steht Se. Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preussen, als früherer Schüler des Realgymnasiums. Herr Dr. Thieler gab seiner leb- haften Freude Ausdruck, dass die Anregung zu der Stiftung so allseitige, freudige Zustimmung gefunden habe, und schloss mit dem Wunsche, dass es Herrn Direktor Wittich noch lange Jahre vergönnt sein möge, an der Verwaltung der Stiftung mitzuwirken und so in lebendigem Zusammenhange mit der Jugend zu bleiben, der er immer seine Kräfte gewidmet habe, und mit der Anstalt, die als sein Lebens- werk bezeichnet werden könne. So gewann diese letzte Abschiedsfeierlichkeit eine ganz besondere Bedeutung, indem die Widmung der Stiftung, wie auch Herr Direktor Wittich in seinen tiefempfundenen Dankesworten betonte, dem aus dem Amte Scheidenden die schöne Freude ermöglichte, auch in Zu— kunft noch für sein Realgymnasium wirken zu dürfen.“
Von Sr. Majestät dem Kaiser und König wurde Herrn Dr. Wittich der Kgl. Kronen- orden III. Klasse und Herrn Prof. Siebert I der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen.
Die Einführung des unterzeichneten Direktors ¹) fand am 12. Oktober durch Herrn Provinzialschulrat Dr. Kaiser statt; als Vertreter der Stadt wohnten die Herren Oberbürger- meister Müller und Stadtschulrat Bornmann der Feier bei. Nachdem der Schülerchor zur Einleitung das Lied:„Ew'ge Liebe, mein Gemüte“, von Beckmann, vorgetragen hatte, ergriff der Vertreter der Staatsbehörde das Wort, um zunächst auszuführen, unter welch günstigen äusseren Verhältnissen der neuernannte Direktor die Leitung der Anstalt übernehme. Dank dem hochherzigen Erlass Sr. Majestät vom November 1901 seien jetzt die Schranken gefallen, die dem Realgymnasium bisher den Weg versperrten, und die Zeit entmutigenden Stillstandes sei nun vorüber. Der neue Leiter des Realgymnasiums habe also ein erstrebenswertes Ziel vor sich und könne in seiner amtlichen Tätigkeit auf den Rat des Königlichen Provinzialschulkollegiums, die bisher stets bekundete Unterstützung der städtischen Behörden und die verständnisvolle und tatkräftige Mitwirkung des Lehrerkollegiums zählen. Auch die Schüler würden sicherlich bereit sein, ihr Bestes zu tun, und so überreiche er ihm denn die Bestallungsurkunde mit den besten Wünschen für sein künftiges Wirken. Herr Oberbürgermeister Müller begrüsste darauf den Direktor im Namen der Stadt; er verglich das Provinzial-Schulkollegium mit dem die Erziehung der Söhne leitenden Vater, die Stadt aber mit der sorgenden Mutter und wünschte, dass der Direktor als Dritter im Bunde zu dem Einvernehmen der beteiligten Faktoren das Seinige bei- tragen möchte. Nachdem alsdann Herr Professor Stange in herzlichen Worten den Willkomm- gruss des Lehrerkollegiums dargebracht und der Chor das Lied:„Festgesang“, von Chr. von Gluck gesungen hatte, nahm der Unterzeichnete das Wort zu der im Eingang des Jahresberichts abgedruckten Ansprache.
Der Chorgesang:„Wie ein stolzer Adler“, von L. Spohr, schloss die Feier wirkungsvoll ab.
Mit Beginn des Winterhalbjahres trat ferner als Ersatz für Prof. Siebert l der Kandidat
¹) Ernst August Schulte-Tigges, geb. den 6. August 1862 zu Ruhrort a. Rh., besuchte das Realgym- nasium(damals Realschule l. O.) seiner Vaterstadt bis zur Ablegung der Reifeprüfung Ostern 1880 und wid- mete sich alsdann an den Universitäten Bonn und Marburg haupisächlich mathematischen und naturwissen- schaftlichen Studien. Nach der in Bonn im juli 1884 bestandenen Staatsprüfung legte er das vorschriftsmässige Probejahr am Kealgymnaaium zu Elberfeld ab und trat am 1. Oktober 1885 als Einjährig-Freiwilliger beim Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 in Berlin ein, dem er später als Reserve- und Landwehroffizier angehört hat. Nach halbjähriger Tätigkeit als wiss. Hilfslehrer am Realgymnasium zu Duisburg kam er Ostern 1887 in gleicher Eigenschaft an das Realgymnasium zu Barmen, wurde dort Ostern 1800 endgültig angestellt und Ostern 1900 zum Direktor der Realschule und des Progymnasiums zu Lüdenscheid gewählt, welche An- stalt er unter Umwandlung in ein(Reform-) Realgymnasium i. E. mit Realschule bis zu seiner UÜbersiedelung nach Cassel geleitet hat. 1
Druckschriften: l. Die Bedeutung der schriftlichen Arbeiten für den physikalischen Unterricht. Bei- lage zum Jahresbericht des Barmer Realgymnasiums, Ostern 1892; 2. Philosophische Propädeutik auf natur- wissenschaftlicher Grundlage, Berlin, Georg Reimer, 1. Aufl 1900 und 1902, 2. Aufl. 1904.


