Jahrgang 
1905
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um die Lehrer an den städtischen höheren Schulen Cassels erworben habe. Er pries ihn als den von Sonderinteressen nicht beeinflussten, einsichtigen und kraftvollen Vertreter der Rechte der städtischen höheren Schulen, als das Muster eines in jeder Beziehung seiner Pflicht getreuen und unbedingt zuverlässigen Mannes.

Alsdann feierte Herr Oberlehrer Zobel aus Wiesbaden als Vertreter des ständigen Ausschusses des Provinzialvereins höherer Lehrer in Hessen-Nassau und im Fürstentum Waldeck die grossen Ver- dienste, die sich Herr Direktor Wittich durch seine Führerschaft im Verein und durch seine tatkräftige Teilnahme an den Bestrebungen der Provinzialvereine überhaupt erworben habe. Am Schlusse seiner Rede überreichte der Redner ein künstlerisch ausgestattetes Diplom, das folgenden Wortlaut hat:

Dem langjährigen, unermüdlichen, früheren Vorsitzenden des Provinzialvereins höherer Lehrer in Hessen-Nassau und im Fürstentum Waldeck, dem eifrigen Teilnehmer an den preussischen Delegierten- konferenzen, dem allzeit treuen Hüter der Standesehre, Herrn Dr. Wittich, Direktor des Realgymnasiums in Cassel, hat die in Hadamar tagende 29. Hauptversammlung am 11. Mai 1904 zum Danke für seine hervorragenden Verdienste um die Förderung des Vereinslebens und der Standesbestrebungen unter grossem Beifall einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt.

Darauf ergriff der Direktor des Kgl. Friedrichs-Gymnasiums, Herr Dr. Heussner, das Wort, um Herrn Direktor Wittich zunächst als den ehemaligen Schüler des Friedrichs-Gymnasiums zu feiern, auf den das Gymnasium stolz sei, indem sodann der vielfachen, stets ungetrübten, persönlichen und amtlichen Beziehungen zu gedenken, in denen Direktor Wittich zu den anderen Direktoren der höheren Schulen Cassels gestanden habe. Unter Überreichung eines literarischen Werkes als eines Erinnerungszeichens an gemeinsame Arbeit, bat er im Namen seiner Kollegen den Jubilar, dass sie ihn in Zukunft als Ehrenmitglied zu dem Direktorenkränzchen zurechnen dürften, in dem seine Stimme stets besonderes Gewicht gehabt habe.

Und endlich gab Herr Oberlehrer Gally, unter Hervorhebung der Verdienste des Direktors Wittich um den Pädagogischen Verein, seiner Freude darüber Ausdruck, dass dieser Verein den Mann, der jetzt so manches andere Gebiet ruhmreicher Arbeit verlasse, noch weiter zu den Seinigen zählen könne als einen eifrigen Förderer seiner wissenschaftlichen Bestrebungen und als einen lieben Teilnehmer an seinen geselligen Veranstaltungen. Zahlreiche Telegramme von ausvärtigen Lehrerkollegien, Vereinsvorständen und früheren Schülern bekundeten, dass man auch ausserhalb Cassels an diesem Tage des Direktors Wittich gedachte. Der Zweck der festlichen Veranstaltung war in herrlicher Weise erreicht: die Standesgenossen hatten einem Manne, den sie mit Stolz zu den Ihrigen zählen, in würdiger Weise den Dank für seine Lebensarbeit ausgesprochen.

Am 23. September bewegte sich ein stattlicher Fackelzug der Schüler des Realgym- nasiums durch die Strassen Cassels zur Wohnung des Herrn Direktors Wittich: die Schüler hatten es sich nicht nehmen lassen wollen, ihrem geliebten Direktor ihre Dankbarkeit vor den Augen der ganzen Stadt zu bekunden. Und alle waren sie dabei, die Sextaner wie die Primaner. Die Veranstaltung des Fackelzuges war der Schüler eigenster Plan, und so galt auch von dieser Veranstaltung das, was alle anderen so wertvoll machte, es war nichts künstlich Gemachtes dabei; was geschah, war der na- türliche Ausdruck des Gefühls, das alle beherrschte.

Den Schluss der Abschiedsfeierlichkeiten bildete ein am 1. Oktober im grossen Stadtparksaale von früheren Schülern, Eltern der Schüler und Freunden des Herrn Direktors Wittich veranstalteter allgemeiner Kommers, der zeigen sollte, wie freudig und rückhaltslos man es anerkenne, dass Herr Direktor Wittich in seinem Amte, wie auch ausserhalb seines Amtes, seinen Mitbürgern zum Segen gewirkt habe. Herr Zahnarzt Förster richtete im Namen der Festversammlung eine Ansprache an den jubilar, in der er dessen Arbeit für seine Schüler, seine allzeit lebendige Anteilnahme an den späteren Lebensschicksalen seiner früheren Schüler, sein kraftvolles Festhalten an der Pilicht gegen- über unberechtigten Angriffen als die Quellen der begeisterungsvollen Ehrenbezeugungen hervorhob, und dem aus dem Amte Scheidenden nach dem arbeitsreichen Lebenstage einen heiteren, von der Freude am trauten Familienleben und an den Schätzen der Kunst und Wissenschaft verschönten Lebens- abend wünschte. Sodann überreichte der Vorsitzende des Festausschusses, Herr Brauereidirektor Dr. Thieler, dem Gefeierten das Widmungsblatt einer Wittichstiftung, zur Unterstützung bedürftiger Schüler des Realgymnasiums. Das von Verehrern Wittichs aufgebrachte Kapital betrug an diesem