Jahrgang 
1905
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Herzen der Schüler gepflanzt, und als den starken, unbeugsamen Steuermann der Schule zu feiern, der insbesonders auch stets für die Entwickelung der besonderen Schulart des Realgymnasiums kraftvoll gekämpft habe.

Nachdem Herr Direktor Dr. Wittich alsdann allen mit bewegtem Herzen gedankt hatte, schloss ein Chorgesang die erhebende Feier.

Mit dieser amtlichen Abschiedsfeier aber waren die dem scheidenden Direktor dar- gebrachten Ehrungen keineswegs erschöpft. Mit wieviel Anerkennung und Liebe man ihn in den verschiedensten Kreisen aus seinem Amte ausscheiden sah, lehrt der nun folgende Bericht eines Teilnehmers:

Die erste Ehrung wurde dem aus dem Amte scheidenden Herrn Direktor Wittich seitens derer zu teil, die ihm in seinem Wirken am nächsten gestanden hatten und die vertrautesten Zeugen seines segensreichen Arbeitens gewesen waren, seitens der Mitglieder seines Lehrerkollegiums Am 16. September wurde in dem Festsaal der Schule dem Direktor sein von dem Lehrerkollegium für die Schule gestiftetes Bild, ein Bronzemedaillon in marmorner Tafel, überreicht. Die Feier war prunklos, aber wirkungsvoll; es wurden nicht viele Worte gewechselt, es bedurfte unter denen, die hier zusammenstanden, der Worte nicht. Das Medaillon schmückt den Festsaal der Schule als ein dauerndes Zeichen der Erinnerung an die rastlose und erfolgreiche Tätigkeit des Direktors Wittich, als ein Zeichen auch im besonderen der Anhänglichkeit und Dankbarkeit des Lehrerkollegiums, dem Direktor Dr. Wittich stets ein getreuer Mitarbeiter und einsichtsvoller Führer gewesen ist. Das Bronzebild ist ein schönes Werk des hiesigen Bildhauers Brand; es gibt die charakteristischen Züge des Direktors Wittich in treffender Weise wieder.

Am Abend desselben Tages hatten diejenigen Schüler des Realgymnasiums, die Mitglieder des Literarischen Kränzchens waren, im grossen Saale des Palais-Restaurants eine schöne Abschiedsfeier veranstaltet. Sie wollten ihrem Direéktor danken für die wohlwollende Förderung, die er stets dem Literarischen Kränzchen hatte zu teil werden lassen, und sie wollten ihm durch eine Probe ihrer Leistungen noch ein letztes Mal eine Freude machen. Beides haben sie aufs beste ausgeführt. Was da gesprochen wurde, was da in musikalischen Vorträgen geboten wurde, das gelang alles so schön und wirkte so packend, weil begeisterte Liebe mit am Werke war, und die treffliche Darstellung der Hauptszene aus Lessings Nathan konnte dem scheidenden Lehrer als der Ausdruck der feierlichen Versicherung gelten, dass er nicht umsonst daran gearbeitet haben sollte, die Jugend zu edler Mensch- lichkeit zu erziehen.

Den glanzvollen Höhepunkt der Abschiedsfeierlichkeiten bildete sodann das von der Gesamtheit der Oberlehrer Cassels am 17. September in Schirmers Hotel veranstaltete Festmahl. Es hat wohl noch nie eine Standesangelegenheit die Lehrer der höheren Schulen Cassels in solcher Zahl vereinigt als hier der Wunsch, den scheidenden Direktor Wittich zu ehren. Wenn man von den wenigen absieht, die Krankheit an der Teilnahme verhinderte, kann man sagen, sämtliche Direktoren, Professoren und Oberlehrer Cassels waren erschienen, zusammen über 100. Stand doch Direktor Wittich dem gesamten preussischen Oberlehrerstande in ganz besonderer Weise nahe. Er hatte in seiner Tätigkeit als Vor- sitzender des Provinzialvereins der Lehrer der höheren Schulen unserer Provinz auf das Leben und Gedeihen dieses Vereins den nachhaltigsten Einfluss gewonnen, und indem er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins unserer Provinz an der Arbeit der preussischen Delegiertenkonferenzen regen Anteil nahm, kam seine Einsicht und die Kraft seines Wollens dem Oberlehrerstande in ganz Preussen und Deutschland zu gute. So war es natürlich, dass der Ausschuss der Lehrer des Realgymnasiums, die ihren Direktor ehren wollten, sich zu einem Ausschuss erweitert hatte, dem Vertreter aller höheren Schulen Cassels angehörten.

Bei dem Festmahl wurde der Scheidende zunächst von dem ältesten Professor des Realgym- nasiums, Herrn Professor Siebert, als der hochverdiente Leiter seiner Schule gefeiert. In bewegten Worten führte der Redner aus, was der Scheidende in den 22 Jahren seiner Tätigkeit als Direktor den Kollegen der Anstalt gewesen, wie ihm stets das Vertrauen aller erhalten geblieben sei, dessen er sich bereits als Lehrer in dem Grade zu erfreuen gehabt habe, dass das Kollegium seinerzeit dem Kura- torium den einstimmigen Wunsch unterbreitet habe, ihm die leitende Stelle übertragen zu sehen.

Herr Oberrealschuldirektor Dr. Quiehl hob die Verdienste hervor, die Herr Direktor Wittich sich ausserhalb des Bereiches seiner Schule um die Kollegen der anderen höheren Schulen, im besonderen