Jahrgang 
1905
Einzelbild herunterladen

III. Schulgeschichte.

l. Königliches Provinzial-Schulkollegium. Am l. Oktober trat der Direktor des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums Herr Geh. Oberregierungsrat D. Dr. Lahmeyer, nachdem er 21 ½- Jjahre dem hiesigen Provinzialschulkollegium angehört und während dieser Zeit mit nur einjähriger Unterbrechung(Herbst 1001 1002) auch unsere Anstalt unter seiner Obhut gehabt hatte, in den Ruhestand. Am 30. September verabschiedeten sich von ihm die Direktoren der 5 hiesigen höheren Schulen, und Direktor Wittich, als der Dienstälteste, sprach ihm im Namen der Erschienenen wie in dem der von ihnen geleiteten Anstalten den herzlichsten Dank aus für das Wohlwollen und die tatkräftige Fürsorge, die er den Schulen selbst, ihren Leitern, Lehrern und, Schülern während seiner Amtszeit gewidmet hatte. Er verband damit die besten Wünsche ftür ferneres Wohlergehen des in seinem 78. Lebensjahre noch der besten leiblichen und geistigen Frische sich erfreuenden bisherigen Vorgesetzten. Direktor und Lehrerkollegium geben auch an dieser Stelle hiermit noch einmal der dankenden Anerkennung für die gesegnete Tätigkeit und den besten Wünschen für einen heiteren Lebensabend des hochverdienten Mannes Ausdruck.

Das Dezernat über die Schule übernahm alsdann für kurze Zeit Herr Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser und von Januar an Herr Provinzial-Schulrat Prof. Dr. Baier.

2. Verwaltungskommission. In der Zusammensetzung der Verwaltungskommission hat sich nichts geändert. Es gehören ihr demnach als Mitglieder an: Oberbürgermeister Müller (Vorsitzender), Stadtschulrat Bornmann(Stellvertreter) die Stadträte Generalleutnant D. Harnickell, Kommerzienrat Vogt, die Stadtverordneten Oberregierungsrat Landgrebe, Rechnungsrat Stippich, Dr. med. von Wild und der Direktor des Realgymnasiums.

3 Lehrkörpeer der Anstalt. Das bedeutungsvollste Ereignis des ablaufenden Schul- jahres war der am Schluss des Sommerhalbjahres erfolgte Ubertritt des bisherigen Leiters der Anstalt in den Ruhestand, zu dem sich Herr Direktor Dr. Wittich mit Rücksicht auf seinen schon seit Jahren angegriffenen Gesundheitszustand schweren Herzens hatte entschliessen müssen. Die Entwickelung der Schule ist mit seinem Leben und Wirken aufs engste verknüpft, denn von der Gründung des Realgymnasiums im Jahre 1869 an hat er zuerst als Oberlehrer und dann 21 Jahre lang als Direktor seine ganze Kraft und sein reiches Wissen in den Dienst der Anstalt gestellt. Die amtliche Abschiedsfeier, zu der ausser zahlreichen Gästen als Vertreter des König- lichen Provinzial-Schulkollegiums Herr Oberregierungsrat D. Dr. Lahmeyer und als Vertreter der Stadt die Herren Bürgermeister Jochmus und Stadtschulrat Bornmann erschienen waren, fand am 24. September in dem Festsaal der Schule statt. Nach einem einleitenden Gesange warf Direktor Dr. Wittich einen kurzen Blick zurück auf seine bisherige Tätigkeit an der Anstalt. Er scheide jetzt gern und doch ungern: gern, weil er, befreit von der Uberlast der Arbeit, endlich wieder mehr seiner Familie leben könne und seiner geschwächten Gesundheit nicht mehr die Anstrengungen zuzumuten brauche, denen sie unterliegen müsse, ungern aber, weil sein ganzes Leben verwachsen sei mit der Schule, weil er in der Arbeit für die Schule so reiche Freude gefunden habe. Nur mit einem Gefühl der Wehmut und des Schmerzes könne er sich trennen von seinem Lehrerkollegium. Er vollzog dann eine letzte Amtshandlung als Direktor, indem er Professor Siebert I, der 32 Jahre lang an der Anstalt gewirkt und in der gemeinsamen Arbeit ihm so nahe gestanden hatte, mit herzlichen Worten persönlicher Freundschaft und mit dem Ausdruck des Dankes für das, was er der Schule geleistet habe, aus seinem Amte entliess. Er wies hin auf die Anerkennung, die von den staatlichen und städtischen Behörden dem Scheidenden ausgesprochen sei, und auf den Dank, den die Schüler und Kollegen ihm bekundet hätten, und sprach den Wunsch aus,