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Aufgaben für die Reifeprüfung: 1) Herbst 1902: 1. Ein Postament besteht aus 3 übereinander ge- legten Marmorwürfeln, deren Kanten immer um 10 cm abnehmen; die beiden oberen Würfel wiegen zu- sammen soviel wie der unterste. Wie gross ist die Kante des mittleren Würfels? 2. In eine Kugel ist ein gerader Kegel so eingeschrieben, dass seine Höhe im Mittelpunkt der Kugel stetig geteilt ist. Es soll das Verhältnis der Rauminhalte beider Körper bestimmt werden. 3. Wann und wo geht am längsten Tage die Sonne für Palermo(geogr. Br.=+ 38° 6,7*) auf? Wie lange dauert daselbst dieser Tag? (6= 23⁰ 27' 30). 4. Eine Parabel, deren Gleichung y2— 10= 8 X— 73 ist, wird von einer Geraden, deren Gleichung y+ 2X= 25 lautet, geschnitten. Welches sind die Koordinaten der Schnittpunkte? Wo liegt ihr Scheitel? Wie weit ist ihr Brennpunkt von der Geraden entfernt?
2) Ostern 1903: 1. Ein rechtwinkliges Parallelepipedon, bei welchem eine Kante l m länger ist, eine andere 1 m kürzer ist als die km betragende erste Kante, soll an Inhalt un mal so gross gemacht werden, und zwar durch eine gleiche Verlängerung sämtlicher Kanten. Wieviel beträgt die Verlängerung? Die Entwicklung ist in Buchstaben bis zur Aufstellung der reduzierten kubischen Gleichung zu führen und diese für das Beispiel k= 2 unden= 2 aufzulösen. 2. Der Mantel eines geraden Kegels hat eine Fläche von M= 300 qem und gibt aufgerollt einen Sektor von 60⁰°. Wie gross ist das Volumen des Kegels? 3. Die Sonne steht im 12. Grad des Skorpions; wie gross ist ihre Deklination? 4. Welcher Curve gehört die Gleichung: 4 y?+† 3 x*— 2 fx= f? an, und wie ist diese Curve aus den gefundenen Elementen zu zeichnen?
8. Physik. 3 Std. Professor Stange. Die Lehre vom Licht. Wiederholung aus den übrigen Gebieten der Physik. UÜbungsaufgaben. Jochmann, Physik.
9. Chemie und Mineralogie. 2 Std. Professor Völler. Systematische Behandlung des Arsens, des Antimons und der Schwermetalle. Wiederholungen aus den früher durchgenommenen Gebieten der Chemie. Rüdorff, Grundriss der Chemie; Hornstein, Lehrbuch der Mineralogie.
Aufgaben in Naturlehre für die Reifeprüfung: I. Herbst 1902: Die Fortpflanzung des Druckes in einer allseitig eingeschlossenen Flüssigkeit und ihre Anwendung. Beispiel: Bei einer hydraulischen Presse ist der Durchmesser des Druckkolbens= 0,04 m, der des Presskolbens= 0,3 m. Eine Kraft von 25 kg greift an einem Hebelarm an, der 10 mal so lang ist wie der der Last. Wie gross ist der hervor- gebrachte Druck?
2. Ostern 1903: Welches sind die Gesetze über die Stärke der Beleuchtung einer Fläche durch eine Lichtquelle, und welche Anwendung macht man von denselben? Aufgabe: Eine Lichtquelle ist von einer Ebene ¼ m und von einer anderen Ebene 2 ½ m entfernt; ihre Strahlen fallen parallel auf beide Ebenen und bilden mit der zweiten Ebene einen Winkel von 45⁰°. Unter welchem Winkel muss die 1. Ebene gegen die auffallenden Strahlen geneigt sein, damit die Beleuchtung beider Flächen die gleiche ist?
10. Zeichnen. 1) Freihandzeichnen. 2 Std. Karbiner. Zeichnen und Malen nach schwieriger darzustellenden Natur- und Kunstformen. Zeichnen aus dem Gedächtnis. Skizzieren.
2) Linearzeichnen. 2 Std.(wahlfrei). Professor Völler. Zentralperspektive.
Unterprima.
Klassenvorstand: Professor Völler. Wöchentlich 31 Stunden(ohne Turnen und Gesang). Dazu 2 Stunden Linearzeichnen, wahlfrei. Lehrgang einjährig.
1. Religion. 2 Std. Professor Dr. Siebert I. Kirchengeschichte unter Beschränkung auf die für die kirchlich religiöse Bildung der evangelischen Jugend bedeutsamen Stoffe. Lesen des Evangeliums Johannis. Wiederholung einzelner Abschnitte aus dem Neuen Testament, besonders der Apostelgeschichte. Hollenberg, Hilfsbuch für den evangelischen Religions- unterricht.


