Jahrgang 
1894
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An der 5Ojährigen Jubelfeier der hiesigen Oberrealschule, welche auf den 4. Mai fiel, nahm das ganze Lehrerkollegium teil; um dies zu ermöglichen wurde der Vormittagsunterricht nach der zweiten Stunde geschlossen. Es wurde der Schwesteranstalt eine Adresse überreicht, und zugleich gab der Direktor den Glückwünschen unserer Anstalt mündlich Ausdruck. Zur Teilnahme an der Gustav- Adolf-Feier, welche am I1. September der Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung hier abhielt, waren Primaner und Sekundaner für den Festgottesdienst beurlaubt, dem auch der Direktor und einige Lehrer der Anstalt mit diesen Schülern beiwohnten.

Dem Direktor des Realgymnasiums zu Crefeld, Herrn Dr. Schauenburg, wurde zu dessen 5Ojährigem Dienstjubiläum ein Glückwunschschreiben gesandt.

Die beiden im Vorjahr eingetretenen Seminarkandidaten Schmidt und Veith schieden im Herbst aus; an ihre Stelle traten die Herren Abt, Menges und v. Hanxleden. Dem Unterricht der Kandidaten wohnte Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer am 6. Juni 1893 und am 1. Februar 1894 bei.

Von den unbesoldeten Hilfslehrern war Herr Angersbach während des ganzen Jahres abwesend, indem er zuerst nach Bockenheim, dann nach Frankfurt beurlaubt war und hierauf für das Winterhalbjahr zu seiner Ausbildung in die Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin einberufen wurde. Herr Kunze war während des Sommerhalbjahres weiter an dem Hoffmannschen Institut in St. Goarshausen beschäftigt. Während des Winterhalbjahrs unterrichtete er in den beiden Obertertien in Erdkunde, in IVa in Naturkunde. Herr Grebe II war während der Monate August und September auch an der Neuen Realschule vertretungs- weise im Dienst. An unserer Anstalt erteilte er im Laufe des Jahres in VIa Unterricht in Erdkunde und Naturkunde; während des Urlaubs von Prof. Dr. Hornstein unterrichtete er in II, 2 b Naturkunde und Physik, in III, I b Mathematik; ausserdem gab er längere Zeit den Turnunterricht in V und III, ra an Stelle des leidenden Oberlehrers Siebert II.

Aus der Zahl der im Nebenamt beschäftigten Hilſslehrer schied der katholische Religionslehrer Nau aus, der aus Gesundheitsrücksichten seine Stelle mit Ende Mai niederlegte. Kaplan Lins, der schon länger die Vertretung übernommen hatte, wurde nunmehr mit dem ganzen katholischen Religions- unterricht an den drei städtischen höheren Schulen beauftragt, jedoch mit der Abänderung, dass die Schüler nicht mehr in 4, sondern in 3 Abteilungen unterrichtet werden.

Einen schmerzlichen Verlust erlitt die Schule durch den am 11. December erfolgten Tod des Oberlehrers Georg Christian Lange,I der schon während des ganzen Schuljahrs keinen Unter- richt mehr hatte erteilen können. Seit der Gründung der Schule, beinahe ein Vierteljahrhundert, war er an derselben thätig gewesen, in eifrigster Pflichterfüluung, mit Geschick und Liebe zum Lehrerberuf, mit väterlicher Fürsorge für seine Schüler, deren Mütter er vielfach schon in seiner Lehrerthätigkeit vor 1869 unterrichtet hatte, in herzlichstem Einvernehmen mit seinen Amtsgenossen. Tiefbetrauert von Lehrern und Schülern ist er gottergeben aus diesem Leben geschieden. Lehrer und Schüler werden dem gewissenhaften, wohlwollenden, treuen, kindlich frommen Mann stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Gleichzeitig mit dem Tode des Herrn Lange wurde dem Lehrerkollegium und den Schülern das Ableben des Herrn Dr. Karl Abbehusen mitgeteilt, der zwar nur als Seminarkandidat 1890 und 1891 bei uns thätig gewesen war, aber durch seine Tüchtigkeit, seine Liebenswürdigkeit und sein unglückliches Geschick die lebhafteste Teilnahme bei uns gefunden hatte. In Davos, wohin er schon während seines Probejahrs hatte gehen müssen und das er nach Ablauf desselben wieder aufsuchen musste, war er am 28. November seinem unheilbaren Lungenleiden erlegen.

Der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium liess wiederum mancherlei zu wünschen übrig. Prof. Hornstein erhielt, wie regelmässig in den letzten Jahren, einen sechswöchigen Urlaub im Anschluss an die Sommerferien, was ihn allerdings vor weiterer Verhinderung am Unterrichten schützte. Oberlehrer