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III. Chronik der Schule.
Das Schuljahr begann am 9. April 1888. Die Pfingstferien dauerten vom 19.—23. Mai, die Sommerferien vom 2.— 28. Juli, die Herbstferien vom 24. September bis 6. Oktober, die Weih- nachtsferien vom 24. Dezember bis 5. Januar. Am Fastnachtstage, 5. März, fiel der Unterricht aus. In den Sommerferien wurde für Schüler der unteren und mittleren Klassen eine Ferienschule abgehalten.
Die beiden schweren Verluste, welche das deutsche Volk durch den Tod zweier Kaiser im Jahre 1888 zu erleiden hatte, berührten auch das Leben der Schule auf das tiefste. Am 22. März 1888 fand für weiland Seine Majestät den in Gott ruhenden Kaiser und König Wilhelm I. eine Gedächtnisfeier statt, bei welcher der Direktor ein Lebensbild des Kriegshelden und Friedensfürsten, des liebenden Vaters und edlen Menschen gab. Am 27. Abpril wurde das Lehrer- kollegium durch den königlichen Provinzialschulrat, Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer, auf Seine Majestät Friedrich, König von Preussen, vereidigt. Am 15. Juni musste den Schülern die Trauerbotschaft von dem Dahinscheiden des heldenhaften Dulders Kaiser Friedrich mitgeteilt werden. Am 18. Juni richteten Direktor und Lehrerkollegium ein Beileid- schreiben an Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preussen, als früheren Schüler der Anstalt. Am 30. Juni fand die Trauerfeier für weiland Seine Majestät den in Gott ruhenden Kaiser und König Friedrich III. statt, bei welcher der Direktor die Gedächtnis- rede hielt. Die Vereidigung auf Seine Majestät Wilhelm, König von Preussen, wurde am 4. August vollzogen. Bei der Gedächtnisteier des Geburtstags von weiland Kaiser Friedrich, am 18. Oktober, hielt Oberlehrer Dr. Siebert die Rede, bei der des Todes- tages von weiland Kaiser Wilhelm, am 9. März 1889, Oberlehrer Zwirnmann, bei der des Geburtstags weiland Seiner Majestät, am 22. März d. J., Oberlehrer Dr. Hornstein.
Auch an freudigen Ereignissen des Kaiserhauses durfte die Schule sich in ihrer Weise beteiligen. Zur Begrüssung Threr Grossherzoglichen Hoheit der Prinzessin Trene Vvon Hessen, der durchlauchtigsten Braut Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preussen, welche am 23. Mai durch Cassel kam, war durch den Herrn Oberpräsidenten, Grafen von Rulen- burg, auch der Direktor des Realgymnasiums eingeladen. Da er verreist war, wurde die Schule durch den Profektor, Herrn Professor Heuser, vertreten. Zur Hochz eitsfeier des hohen prinzlichen Paares am 24. Mai hatte der Direktor von auswärts ein Glückwunschschreiben, das Lehrer- kollegium ein Telegramm gesandt. Am 26. Januar d. J. fand die Schulfeier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm statt, bei der Professor Heuser die Festrede hielt. Am 22. März d. J. wurden Seiner Königlichen Hoheit Prinz Heinrich von Preussen und Höchstdessen Gemahlin die Glückwünsche zur Geburt eines Prinzen von Direktor und Lehrerkollegium ausgesprochen. Für jedes Zeichen der Teil- nahme hat Seine Königliche Hoheit der Schule huldvollst Dank sagen lassen.
Mit Schluss des vorigen Schuljahres war aus dem Lehrerverband der Schule der Probe- kandidat Gustav Meyer und der unbesoldete Hilfslehrer Dr. Erxleben geschieden. Ersterer ging in eine Privatstellung, letzterer erhielt eine Lehrerstelle an dem in der Entwickelung begriffenen Realprogymnasium zu Höchst am Main, begleitet von den besten Wünschen der


