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Amtsgenossen wie der Schüler, die ihn als gewissenhaften, tüchtigen Lehrer lieb gewonnen hatten. Bei Beginn des neuen Schuljahres trat Herr Julius Heuser als Probekandidat ein.
Am 25. April sandten Direktor und Lehrerkollegium ein Glückwunschschreiben an den Direktor des Gymnasiums zu Fulda, Herrn Dr. Göbel, zu dessen 25jährigem Direktorjubiläum. Am 30. April wurde das Realgymnasium zu Meiningen 2u seinem 50jährigen Bestehen herzlich begrüsst. Am 31. Mai wurde Herr Dr. Mänz auf einige Monate beurlaubt zur Uber- nahme einer Hauslehrerstelle bei dem Sohne Seiner Durchlaucht Prinz Philipp zu Hanau, dem Grafen Philipp von Schaumburg, um diesen zur Reifeprüfung vorzubereiten. Am selben Tage schied der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Becker aus dem Lehrerverbande des Realgymnasiums, um am Gymnasium zu Elberfeld eine Stelle als besoldeter Hilfslehrer zu übernehmen. Am 3. Juni genehmigte das Königliche Provinzialschulkollegium, dass der unbesoldete wissenschaftliche Hilfs- lehrer Dr. Völker in gleicher Eigenschaft an der hiesigen Realschule beschäftigt werde. Beide Herren haben bei Lehrern und Schülern unserer Anstalt ein gutes Andenken hinterlassen. An den Aufführungen des Herrigschen Lutherfestspiels, welche im Anfang Juni begannen, beteiligte sich die Schule durch den Sängerchor; ein Oberprimaner befand sich auch unter den Darstellern. Am 1. September fand die Feier des Sedanfestes in üblicher Weise statt. Herr Realgymnasiallehrer Lange hielt die Festrede über den„Einfluss der Geschichte und Dichtung auf die Einheitsbestrebungen des deutschen Volkes“. Am 22. September verliess uns Herr Watermeyer, weil er vom Königlichen Provinzialschulkollegium mit Versehung einer Lehrerstelle am Königlichen Gymnasium zu Wiesbaden beauftragt wurde; wir sahen ihn ungern scheiden, da er Lehrern und Schülern durch seine vortreffliche Persönlichkeit von Herzen lieb geworden war. Mit Beginn des Winterhalbjahres trat Herr Adolf Dithmar als Probe- kandidat ein.
Einen schweren Verlust erlitt die Schule am 18. November. In Folge eines Schlaganfalls verschied plötzlich im Alter von 40 Jahren Realgymnasiallehrer Wilhelm ſde, nach- dem er mehr als 16 Jahre in treuer Arbeit an der hiesigen Schule gewirkt hatte. Der Feldzug von 1870/71, in welchem er dem deutschen Vaterlande als Freiwilliger seine Dienste geweiht, hatte in ihm den Grund zu schweren rheumatischen Leiden gelegt, die ihn vom ersten Winter seines Dienstes an bald auf längere, bald auf kürzere Zeit in schmerzhaftester Weise plagten. Mehrmals im Laufe der Zeit glaubten wir das Schlimmste befürchten zu müssen. In den letzten Jahren schien es ihm besser zu gehen; eine Badekur zu Wildbad im Schwarzwald, die er in den letzten Sommerferien gebrauchte, hatte offenbar seinem Körper wohlgethan. Munter und sorglos war er am Abend des 18. November ausgegangen, da wurde er kaum zwei Stunden später der nichtsahnen- den Gattin als Sterbender heimgebracht. Am 21. November bestatteten wir seine sterbliche Hülle zur Erde. Wie den Schülern ein eifriger und liebevoller Lehrer war er den Lehrern ein teilnehmen- der Gefäührte und Freund, dessen treues Andenken stets in den Herzen der Schulangehörigen lebendig bleiben wird. Was er der Schule gewesen, das bewies auch die herzliche Teilnahme, welche das Königliche Provinzialschulkollegium, das Curatorium der Anunstalt, die städtischen Behörden, die Amtsgenossen an anderen hiesigen Schulen, ehemalige Schüler von hier und auswärts bekundeten.
An den Aufführungen des Falckenheinerschen Kaiserfestspiels, welche im Januar 1889 stattfanden, nahmen einige Schüler aus Unterprima und Obersekunda als stumme Personen teil.


